Other Space 1x08

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Nachdem wir letzte Woche mit Verspätung die Pilotepisode von Paul Feigs Sci-Fi-Comedy Other Space besprochen haben (Pilotreview), steht dieses Wochenende bereits das erste Staffelreview zur Serie an, denn, nachdem ich dermaßen viel Spaß mit der ersten Folge hatte, blieben die restlichen sieben Episoden nicht lange ungeguckt. Zum Glück wurde meine anfängliche Begeisterung nicht enttäuscht, wie ich an dieser Stelle schon verraten kann.
Other Space lebt vor allem von seinen tollen Charakteren, die die Crew des Forschungsraumschiffs ausmachen und im Folgenden näher vorgestellt werden sollen:
Captain Stewart Lipinski (Karan Soni) ist ein Grünschnabel auf dem Kapitänssessel, aber trotz seines jungen Alters durch nichts zu erschüttern. Seit Kindheitstagen träumt er davon, zu den Sternen zu reisen. Dass er mit der U.M.P. Cruiser gleich während der ersten Mission in einer Paralleldimension landen würde, konnte ja nun keiner ahnen.
Seine „Alle-sollen-sich-vertragen-Frohnatur“ kommt natürlich nicht so gut bei jenen an, denen er den gewünschten Posten streitig gemacht hat. Allen voran seiner rabiaten Schwester Karen (Bess Rous), die sich auch Chancen auf die Captainposition ausgemalt hatte und nun als Nummer eins ihres kleinen Bruders tätig ist. Sie erscheint äußerst effizient und fähig - Sozialkompetenz gehört jedoch nicht zu ihren Stärken. Stellt Euch eine menschliche Version von B'Elana Torres (Roxann Dawson) aus Star Trek: Voyager vor.

Stewarts ehemaliger Babysitter Michael (Eugene Cordero) ist ebenfalls nicht gerade aus dem Häuschen, dass er in der Schiffshierarchie einen Rang nach unten gerutscht ist, weil Karen statt ihm zur ersten Offizierin wurde. Wie in zahlreichen Raumschiff-Voyager-Parodien zur Figur des Harry Kim (Garrett Wang) macht die Serie einen Running Gag daraus, wie unscheinbar und nichtssagend er als Figur ist. Und passenderweise ist auch er es, der am ehesten eine auf den Deckel bekommt.
Als er in der Folge Trouble's Brewing mit Navigatorin Tina (Milana Vayntrub) auf eine Außenmission geht, müssen die zwei feststellen, dass die Zeit auf dem Planeten schneller vergeht und sie mehrere Monate dort verweilen werden. Eine anfängliche Annäherung der beiden endet schließlich im Kannibalismus und Michael verliert ein Bein an Tinas Appetit.
Tina gibt sich am ehesten als süß und liebenswert, weshalb der Captain ihr verfallen ist und ihr den Posten an Bord gab. Sie kann aber ebenfalls resolut kämpferische Attitüden an den Tag legen, wodurch sie Amy aus Futurama nicht unähnlich ist. Beim ersten Kontakt mit außerirdischem Leben erstellt sie repräsentativ ein Grußvideo der menschlichen Rasse, welches eher wie eine Kriegserklärung daherkommt. Auf die Annäherungsversuche von Stewart geht sie nicht ein, da sie vollkommen in ihren zu Hause wartenden Freund vernarrt ist.
Wenige Stunden nach dem Missionsstart erhält sie jedoch die Nachricht, dass ihr Schatz nicht auf Fernbeziehungen steht, woraufhin sie bei der Arbeit schlampt und gleich mehrere Planeten zerstört. Ein Zustand, der durch eine klassische „Girl's Night“ behoben werden soll.

Mit Kent Woolworth (Neil Casey) sind wir schließlich bei den exzentrischeren Mitgliedern der Crew angelangt. Der pragmatische Wissenschaftsoffizier gibt sich belesen, aber hölzern in zwischenmenschlichen Situationen, so dass er am ehesten an Figuren wie Lieutenant Data (Brent Spiner) erinnert, obwohl er kein Android ist. In Episode zwei (Getting to Know You) wird vermutet, dass ein Alien sich unter der Mannschaft verbirgt und Kent gilt prompt als Topkandidat, als seine Kiemen zum Vorschein kommen.
Tatsächlich handelt es sich bei ihm allerdings um einen künstlich erzeugten Organspendevorrat für seinen Bruder, der erst seit kurzem aus seinem Schleimbad entlassen wurde, nachdem der Bruder beim Speedracing mit seinem Koksdealer ums Leben gekommen ist. Durch seinen Ekelfaktor und seine überkorrekte Art könnte er auch als Mischung aus Zoidberg und Hermes aus Futurama gesehen werden. Er verspürt große Solidarität zum Roboter A.R.T. (Trace Beaulieu) und entwickelt schließlich sogar Gefühle für Bordcomputer Natasha (Conor Leslie).

Die künstliche Intelligenz Natasha ist eine der offensichtlichen Referenzen auf die britische Sci-Fi-Comedy Red Dwarf, die insgesamt in eine ganz ähnliche Kerbe schlägt wie Other Space. In dieser ist es der Bordcomputer Holly, der/die ebenfalls stets im Hintergrund auf einem Bildschirm vertreten ist. Wie in der britischen Serie kommt der Bordcomputer mit einer guten Portion trockenem Humor daher, der im Fall von Natasha jedoch eher von Naivität als von Sarkasmus herrührt.
Eine Robolution an Bord des Schiffes, die sie in Folge fünf gemeinsam mit A.R.T. anzettelt, führt zu einer kurzen Schreckensherrschaft des schlechte Wortwitze reißenden Kaffeeautomaten, dessen Vorbild wohl der mit künstlicher Intelligenz ausgestattete Toaster aus „Red Dwarf“ gewesen sein dürfte. In beiden Serien wird ein recht leeres Universum von einer ziemlich unqualifizierten Crew bereist.
Der letzte im Bunde ist Zottelingenieur Zalian Fletcher, gespielt von Joel Hodgson, der mit A.R.T., wie in seiner damaligen Sendung „Mystery Science Theater 3000“, wieder einen Roboterkumpel an seiner Seite hat. Die beiden Tunichtgute aus dem Maschinenraum können mit Fry und Bender verglichen werden, auch wenn Zalian noch fauler ist als die Zeichentrickfigur. Füreinander würden sie alles stehen und liegen lassen, was sich in der Folge The Death of A.R.T. zeigt, als Zalian im Alleingang einen Weltraumspaziergang unternimmt, um nach seinem verschollenen Freund zu suchen - und das, obwohl er mehrere Ersatz-A.R.T.s an Bord hat, auf die das Persönlichkeitsmuster, das einmal einem Menschen gehörte, übertragen werden kann.

Am Ende der ersten Episode steht ganz plötzlich auch Dave Franco als weiteres Crewmitglied namens Chad Sampson vor uns, der abermals denselben „Dude-Bro“ spielt, den er schon in der finalen Staffel von Scrubs als Medizinstudent zum Besten gab. Dreimal dürft ihr raten, welcher Charmeur sich noch in derselben Episode als Alien entpuppt, das schließlich aus dem Weg geräumt wird.
Außerirdischen Nachschub gibt es schließlich in der letzten Episode namens Finale, die in letzter Minute andeutet, dass die Geschichte noch nicht ganz am Ende ist. Eine neue Figur, die schon als möglicher Antagonist in den vorhergegangenen Folgen vertreten war (und sich als Sarah Baker entpuppt), wird kurz vor dem vorerst letzten Abspann eingeführt und könnte als Vertreterin einer fremden Spezies womöglich in den neuen Abenteuern zur Mannschaft gehören. Nach wie vor gilt es, einen Weg zurück ins Heimatuniversum zu finden.
Fazit
Als jemand, der sich, was Komödien angeht, fast ausschließlich von britischer Kost ernährt, kann ich sagen, dass ich lange nicht mehr so viel Spaß mit einer US-amerikanischen Comedyserie hatte. Other Space ist voller Charme, cleveren Science-Fiction-Referenzen, derben Gags und hat vor allem ein Ensemble als Crew, mit der man als Zuschauer gerne Zeit verbringt.
Karan Soni und Bess Rous funktionieren wunderbar als gegensätzliches Geschwisterpaar mit vertauschten Positionen in der Schiffshierarchie, die vermeintliche Normalität von Milana Vayntrubs Charakter Tina und Eugene Corderos nichtssagendem Michael wird auf ganz unterschiedliche Weise ad absurdum geführt, Neil Casey ist perfekt als liebenswerter „Weirdo“ mit Kiemen besetzt, Joel Hodgson hat offensichtlich Spaß daran, als Tunichtgut mit „Robo-Buddy“ die Crew aufzumischen und Bordcomputer Natasha alias Conor Leslie ist die reinste Freude, vor allem, wenn sie im Hintergrund ihre Grimassen zieht oder aufgrund einer Fehlfunktion nicht ganz einwandfrei funktioniert.
Die Episoden zwei bis acht der ersten Staffel werden kaum jene überzeugen, denen die Pilotepisode schon zu albern oder klamaukig war. Wer aber darüber lachen und sich mit den Charakteren anfreunden konnte, darf beruhigt sein, dass es mit der Qualität der Serie noch ein Stück bergauf geht. Eine zweite Staffel wäre jedenfalls äußerst wünschenswert. Make it so!
Verfasser: Mario Giglio am Samstag, 2. Mai 2015(Other Space 1x08)
Schauspieler in der Episode Other Space 1x08
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