Orphan Black: Echoes - Review der Pilotepisode

© AMC und BBC America
Das passiert in der Pilotfolge der Serie „Orphan Black: Echoes“
Die Pilotepisode von Orphan Black: Echoes dreht sich um Folgendes: Lucy (Krysten Ritter) ist ein besonderer Mensch. Sie wurde in einem speziellen, neuartigen vierdimensionalen Verfahren gedruckt und soll ihren Erschaffern nun als Versuchskaninchen dienen. Sie flieht, und zwei Jahre später lebt sie gemeinsam mit ihrem Freund Jack (Avan Jogia) und dessen Tochter Charlie (Zariella Langford) auf dem Land. Doch eines Tages holt sie ihre Vergangenheit ein. Ein Fremder überfällt sie in ihrem Wohnwagen und versucht, sie zu ermorden. Lucy überlebt und begibt sich auf die Suche nach den Auftraggebern um sie zu zwingen, sie in Ruhe zu lassen...
Die ersten fünf Minuten
Lange hat man auf die Fortsetzung beziehungsweise das Spin-off zur vielfach ausgezeichneten Erfolgsserie Orphan Black gewartet. Schon vor Ausstrahlung der ersten Episode war klar, dass die neue Geschichte nicht nahtlos an das Finale des Vorgängers anschließen, sondern einige Zeit in der Zukunft spielen würde. Letztlich hat sich das Produktions-Team für das Jahr 2052 und einen damit 35-jährigen Sprung in die Zukunft entschieden.
Daher war es müßig, ein großes Geheimnis um die Herkunft der Hauptfigur Lucy zu machen. Stattdessen geht Serienerfinderin Anna Fishko (Fear the Walking Dead) gleich in die Vollen und präsentiert uns die soeben aufwachende Protagonisten, die von der geheimnisvollen Wissenschaftlerin Kira (Keeley Hawes) mit seltsamen Fragen überhäuft wird. Dass diese eine besondere Verbindung zu Lucy hat, wird schnell klar, geheim gehalten wird hingegen ihre Beziehung zur Muttershow, auf was wir später noch eingehen...
Die ersten Minuten präsentieren sich auf jeden Fall auch ohne direkten Bezugspunkt hübsch rätselhaft, audiovisuell auf der Höhe der Zeit und spannend. Lucy erinnert sich nicht an ihre Vergangenheit und spürt auch sonst, dass hier einiges nicht stimmt. Das Cold Open kulminiert schließlich in der Erkenntnis, dass sie designt wurde - und anschließend in ihrer Flucht.
Lahmer Mittelteil
Ginge die Episode ähnlich nägelkauend weiter, wäre die Pilotfolgenwelt vollkommen in Ordnung. Leider jedoch ergehen sich die nächsten Minuten darin, zwei Jahre später anzusetzen und ihr nunmehr ruhiges Landleben darzustellen. Mit anderen Worten erleben wir rund 15 Minuten Leerlauf und Liebesgeplänkel. Zwar durchbrechen immer wieder kurze Flashbacks die Idylle, doch diese bemühen sich insgesamt mehr um Spannung, als dass sie dann wirklich ebendiese erzeugen. Fünf Minuten weniger hätten als Vorbereitung auf den nun folgenden Plot-Point vollkommen genügt, zumal sich dieser actionlastig und in mehrfacher Hinsicht an („Orphan Black“) angelehnt präsentiert.
Der Überfall
Denn schnell wird klar, dass jemand Lucy verfolgt und ihr nicht wohlgesonnen ist. Der so langsam wieder Fahrt aufnehmende Spannungsbogen steigt mit einem Unfall an, der nach einem weiteren Flashback geschieht und sie ins Krankenhaus bringt. Kaum ist sie wieder zu Hause, überfällt sie ihr Beobachter und sorgt damit für eine nett inszenierte, gut getimte Kampfszene in ihrem Wohnwagen. Die Actionsequenz nimmt knapp fünf Minuten in Anspruch und sorgt für Tempo in der Erzählung. Trotz heftiger Gegenwehr ist es Jacks Tochter, die sie rettet, was zu einer erneuten Flucht führt.
An dieser Stelle flacht die Episode noch einmal kurz ab. Einerseits muss das Leben mit Jack und Charlie (vorerst?) zu einem Ende kommen, um den eigentlichen Twist und Cliffhanger für die zweite Folge zwei namens Jules einleiten zu können. Andererseits zieht die Abschiedsszene erneut das Tempo aus der Story und sorgt damit für einen kurzen, aber prägnanten Durchhänger. Das zieht sich bis zu Lucys Treffen mit dem undurchsichtigen Craig, der (vorerst) als eine Art allwissender Mentor fungiert und ihr hilft mehr über die „Additive Foundation“ herauszufinden und somit ihren Erschaffern.

Der Twist
Der nun folgende Akt befasst sich mit der eigentlichen Größe der Geschichte und zeichnet den Faden vor, dem „Orphan Black: Echoes“ von an folgen wird. Lucy versucht die Auftraggeber ihres Angreifers zu finden, um sie dazu zu zwingen, sie in Ruhe zu lassen. Wie sich zeigt, ist das allerdings gar nicht so einfach, denn wie im Original hat sie es mit mächtigen Widersachern zu tun, für die sie und offensichtlich weitere Klone ihrer Reihe nichts weiter als Versuchsobjekte sind.
Einerseits geht es um die Herstellung von Organen, andererseits reicht die Sache aber auch viel tiefer. An dieser Stelle legt die Show einen weiteren von zahlreichen Brotkrumen aus, denen das Publikum folgen soll. Ähnlich wie in der Mutterserie scheinen die eigentlichen Drahtzieher nämlich nicht in der „Additive Foundation“ zu sitzen. Vielmehr tritt der vorgebliche Geschäftsmann Tom (Reed Diamond) nur als Vermittler auf, der die Wünsche des großen Unbekannten an Kira weiterleitet.
Für die letzte Szene haben sich der Writers' Room um Fishko sowie den „Orphan-Black“-Machern John Fawcett und Graeme Manson etwas Besonderes einfallen lassen. Zuvor trifft Lucy allerdings auf eine jüngere Version ihrer selbst, womit klar ist, dass wir es erneut mit einer ganzen Armada von Klonpersönlichkeiten zu tun bekommen...
Nachdem sie mit ihrem Junior-Alter-Ego die Flucht angetreten ist, greift Kira schließlich zum Telefon und ruft eine Person an, die wir aus dem Original nur zu gut kennen. Um wen es sich genau handelt, lassen wir an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen offen. Angemerkt sei aber, dass die Überraschung durchaus gelungen ist.
Fazit
„Orphan Black: Echoes“ beginnt stark, verliert dann aber etwas Drive, um nach dem lahmenden Mittelteil wieder anzuziehen. Der Plot macht aber dennoch durchaus Spaß, wenn er sich auch nur sehr lose an der Muttershow orientiert. Fans werden an der einen oder anderen Reminiszenz und vor allem dem Finale der Folge ihre Freude haben. Dennoch bietet die Episode genug Raum für Neueinsteiger, die sich erst noch in die komplex Welt der Klone einfinden müssen.
Als Serienstart funktioniert das Ganze insofern gut, wenn auch nicht überragend, zumal Krysten Ritter ihre Sache gut macht, aber auch nicht das unvergleichliche Charisma einer Tatiana Maslany versprüht. Die Aktrice trug die Serie locker über die gesamten fünf Staffeln und wurde nicht umsonst für ihre Leistung mit Preisen überschüttet. Ob Ritter diesem hohen Anspruch gerecht werden kann, muss sich hingegen erst noch zeigen. Abseits des typischen narrativen Pilotfolgensyndroms ist insgesamt also genug Potential für eine gute erste Staffel vorhanden. Dafür vergeben wir dreieinhalb von fünf Klonen.
Hier abschließend noch der Trailer zur neu gestarteten Serie „Orphan Black: Echoes“: