Operation Maera Negra: Schnelles Geld - Kritik zur Pilotfolge der spanischen Thrillerserie in der ZDFmediathek

Operation Maera Negra: Schnelles Geld - Kritik zur Pilotfolge der spanischen Thrillerserie in der ZDFmediathek

Mit „Operation Marea Negra“ holt sich die ZDFmediathek eine spanisch-portugiesische Amazon-Prime-Video-Produktion ins Portfolio, der es aber bereits in der ersten Folge an Tiefe und Spannung mangelt. Warum uns die Geschichte des Drogen transportierenden Boxers Nando nicht überzeugt, erfahrt Ihr im Review.

Szenenfoto aus der Serie „Operation Maera Negra“. Gema (Nerea Barros) und Sergio (Nuno Lopes) überraschen Nando (Álex González) bei seinem Boxkampf.
Szenenfoto aus der Serie „Operation Maera Negra“. Gema (Nerea Barros) und Sergio (Nuno Lopes) überraschen Nando (Álex González) bei seinem Boxkampf.
© ZDF und FICCIÓN PRODUCCIONES.

Das passiert in der Pilotfolge der Serie „Operation Marea Negra“

Nando (Jorge López) ist in der Serie Operation Marea Negra ein talentierter Boxer und hat soeben die spanische Amateurmeisterschaft in seiner Gewichtsklasse gewonnen. Da er jedoch zu alt ist, wird es mit der erhofften Profikarriere nichts, deshalb lässt er sich mit seiner schwerkriminellen Cousine Gema (Nerea Barros) ein, die ihn zu einer gewagten Drogenschmuggelaktion mit einem Halbtaucher-Boot verleitet. Nando und sein Kumpel sollen mit tonnenweise Kokain den Atlantik überqueren und die Lieferung von Brasilien bis nach Spanien transportieren, ein gefährliches Unterfangen, bei dem viel schiefgehen kann...

Jetzt das Angebot der ZDF Mediathek kostenlos entdecken

Mäßig spannend

Es klingt eigentlich wie ein Traum für jeden Drehbuch-Autoren: Ein ehemaliger Boxprofi überquert in einem selbstgebauten U-Boot den ganzen Atlantik, um drei Tonnen Kokain für seinen Onkel zu schmuggeln. So unglaublich das klingen mag, so wahr ist die Geschichte. Im Jahr 2019 ergriff die Polizei besagten Exboxer in seinem Gefährt sitzend. Die gewagte Operation brachte diesem elf Jahre Haft ein und machte den Journalisten Javier Romero Doniz zu einem bekannten Sachbuchautoren. 2022 veröffentlichte der Autor mit „Operacíon marea negra: La increíble historia del primer narcosubmarino que llegó a Europa con más de 3000 kilos de cocaína“ ein Werk, das in seinem Heimatland die Bestsellerlisten stürmte.

Kein Wunder, dass sich bald zwei landesbekannte Produzenten und Skriptschreiber (Patxi Amezcúa und Natxo López) berufen fühlten, die Story seriell zu adaptieren. Leider holt das Duo in der Folge jedoch nicht annähernd das Bestmögliche aus dem Plot heraus. Die Geschichte beginnt nach dem altbekannten Muster, nachdem der Höhepunkt vorangestellt und von dem Cold Open ausgehend die Vorgeschichte erzählt wird. Das ist in einigen Fällen eine durchaus sinnvolle Herangehensweise, nicht jedoch unbedingt in diesem Fall, da wir über die Hauptfiguren in den ersten 45 Minuten eigentlich so gut wie keine interessanten Details erfahren. Nando ist ein guter Boxer, aber schlicht und ergreifend auch ein Dummkopf, der nur an das schnelle Geld denkt...

Und das winkt ihm, als seine supercoole Cousine am Tag seines größten sportlichen Triumphes plötzlich in einem schicken BMW-Cabrio vor ihm steht. Schnell wird deutlich, dass Nando der zwielichtigen Art der Geldbeschaffung positiv gegenübersteht, wobei er sich in jeder Hinsicht beratungsresistent seitens seines ehrlichen Großvaters und wohlmeinenden Trainers zeigt. Genau diese Art von Eindimensionalität zieht sich durch die gesamte Episode. Grautöne? Tiefe? Vielschichtigkeit? Ambivalenz? All solche Eigenschaften lassen die Protagonisten bisher schmerzlich vermissen.

Vorhersehbarkeiten

Nando (Álex González) erringt den Sieg im Boxkampf und wird spanischer Meister.
Nando (Álex González) erringt den Sieg im Boxkampf und wird spanischer Meister. - © ZDF und FICCIÓN PRODUCCIONES

Stattdessen erleben wir den Gewinner der spanischen Boxmeisterschaft bei einem actionreich inszenierten Untergrundkampf, den er natürlich aus Überheblichkeit verliert. Anschließend beginnt er, für Cousine Gema und deren Vater, mit einem Schnellboot Drogen an die Küsten zu transportieren, während die Polizei in Form von Dani (Soraia Chaves) nebst Kollegen schon längst im Bilde ist. Woraus sich da die Spannung ergeben soll, bleibt vollkommen im Unklaren, zumal Nandos Verhalten in jeder Hinsicht berechenbar bleibt.

Das gilt übrigens auch für den weiteren Verlauf der Geschichte. Gema bietet Nando einen eigentlich unannehmbaren Job an. Für 700.000 Euro soll er in einem klapprigen Drogen-U-Boot, wie sie sonst nur vor der Küste Amerikas und in der Karibik eingesetzt werden, drei Tonnen Kokain von Brasilen nach Spanien befördern. Sämtliche berechtigten Fragen werden abgeschmettert, so dass er sich zunächst gegen den Deal entscheidet. Doch dann wird seine nächste Lieferung scheinbar überfallen, so dass Nando nur noch die Zusage bleibt, wenn er nicht mit einer Kugel im Kopf enden möchte.

Was auf dem Papier recht spannend klingt, entpuppt sich jedoch bei näherem Hinsehen als vorhersehbar, was den gut gemeinten Actionmoment torpediert. Spannung kommt so nur leidlich auf, womit sich im Verbund mit der kruden Figurenzeichnung bereits zwei große Probleme herauskristallisieren. Hinzu gesellen sich zwei Polizisten als Antagonisten zu Nando, die kaum Sympathiepunkte für sich verbuchen können und damit am Interesse des Publikums vorbeisegeln.

Als einziger sicherer Hafen stellt sich ausgerechnet Nandos Großvater heraus, ein alternder Fischer, der auf seine Ehrlichkeit und seinen Fleiß stolz ist und seinem Enkel beinahe hilflos die richtigen Werte im Leben zu vermitteln versucht. Ein paar mehr Dialoge zwischen den beiden, die Nando vielleicht hier und da einmal ins Grübeln gebracht hätten, hätten dem Plot sicherlich gutgetan und uns die Hauptfigur nähergebracht. So bleibt nur ein kaum einzuholender Abstand zum Publikum, der das Desinteresse an seinem Schicksal nährt und uns am Ende mit der Frage zurücklässt, warum man diesen Vierteiler denn nun weiterschauen sollte?

Fazit

Das war wohl nichts. „Operation Marea Negra“ verfügt weder über eine interessante Figurenzeichnung noch über eine spannend erzählte Einleitung oder gar eine mitreißende Geschichte. Das Thema an sich klingt ja spektakulär, nur warum wird es nicht entsprechend aufbereitet? Nando ist - um es einmal in aller Härte auszudrücken - ein Idiot, für den man nur schwerlich Sympathie entwickelt. Seine Cousine Gema ist wiederum einen Hauch zu cool, um Spaß zu machen und Dani und ihr Kollege nichtssagend und sogar langweilig.

Die Miniserie mag sich im Verlauf der nächsten drei Episoden der Staffel ja durchaus noch entwickeln, aber in Zeiten der Horizontalerzählungsschwemme muss ein Format schnell greifen, um Lust auf die folgenden Episoden zu machen. Das gelingt Schnelles Geld aber eben nicht. Was bleibt, ist der Eindruck, dass man die Serie mal gesehen haben kann, aber bei weitem nicht muss, weil es da draußen so vieles Besseres gibt.

Zweieinhalb von fünf Halbtauchern

Diese Serie passen auch zu «Operation Marea Negra»