Open Your Eyes: Review der Netflix-Pilotepisode

Open Your Eyes: Review der Netflix-Pilotepisode

Eine 17-Jährige erwacht ohne Erinnerungen in einer angeblichen Amnesieklinik. Aber ist die Einrichtung wirklich das, wofür sie ausgegeben wird? Erfahrt mehr über die neue Netflix-Serie Open Your Eyes in unserem Review zur ersten Episode...

Poster zur Serie Open Your Eyes (c) Netflix
Poster zur Serie Open Your Eyes (c) Netflix
© oster zur Serie Open Your Eyes (c) Netflix

Vorhang und Augen auf für Open Your Eyes (Originaltitel: „Otworz Oczy“), hieß es heute bei Netflix, bei welchem die polnische Eigen-Produktion mit sechs Folgen online ging. Sie basiert auf dem Young-Adult-Roman „Druga Szansa“ („Zweite Chance“) von Autorin Katarzyna Berenika Miszczuk und wurde von Anna Jadowska („Ultraviolet“) und Adrian Panek („Kod Genetyczny“) für den internationalen Streamingdienst gedreht. Doch ist sie auch überhaupt einen Blick wert?

Die Story beginnt dem Serientitel entsprechend mit einer 17-jährigen jungen Frau (Newcomerin Maria Wawreniuk), die in einem modern eingerichteten, aber alten Anwesen aufwacht und von einer Computerstimme an bestimmte Eckpfeiler aus ihrem Leben erinnert wird. Sie selbst besitzt nämlich keinerlei Erinnerungen daran, wer oder wo sie ist. Die erste Episode des Mystery-Formats lässt sich dann auch Zeit damit, uns als Publikum einzuweihen, denn bis die junge Hauptfigur sich angezogen, die Räumlichkeiten unter die Lupe genommen hat und die zeitaufwändige Tanzeinlage eines weiteren Patienten über sich ergehen ließ, geht eine ganz schöne Weile ins Land.

Auch die anderen jungen Patient:innen leiden unter Gedächtnisverlust, doch irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen. Warum müssen alle die gleiche Pille gegen „alles“ einnehmen? Warum wirkt die verantwortliche Dr. Zofia (Marta Nieradkiewicz) so kühl und distanziert? Warum scheinen alle Amnesie-Kids ein besonderes Talent zu besitzen? Und warum versucht eine verängstlichte Patientin, panisch zu fliehen? Hier scheint nicht nur etwas medizinisch Zwielichtiges, sondern etwas regelrecht Black Mirror-Dubioses vor sich zu gehen.

Netflix
Netflix - © Netflix

In der Therapiesitzung erfährt NN, wie das Waisenmädchen genannt wird, dass sie sich schon vier Tage lang in der Einrichtung befindet und in den letzten Sessions bereits verschiedene Informationen aus ihrem Gehirn bergen konnte, die ihr morgens als Erinnerungsstütze vom Band vorgespielt werden. Dieses Mal scheint sie sich vor allem an ihre Tante zu erinnern, nach der sie benannt sein soll. Auf ihren Namen soll sie aber selbst noch kommen, weshalb man ihr diesen vorerst vorenthält. Auch erinnert sie sich nicht an den vermeintlichen Unfall, durch den sie hier gelandet ist, oder an ihre Eltern, die auf tragische Art und Weise ums Leben gekommen sind, wie man ihr sagt.

Wer schon mehr als eine Netflix-Serie gesehen hat, wird jedenfalls sehr viele Deja-vus und Erinnerungsmomente beim Ansehen von „Open Your Eyes“ bekommen, denn die Style-Bibel des Streamingdienstes, die man scheinbar auch den Macher:innen internationaler Eigenproduktionen an die Hand gibt, kommt hier visuell so deutlich zum Tragen, dass man sie optisch mit zahlreichen anderen Netflix Originals verwechseln könnte - vor allem von der Beleuchtung her. Ein Look, der sich allmählich alt und nach dem letzten Jahrzehnt anfühlt, was natürlich nichts ausmacht, solange die Story stimmt.

Wodurch sich die Serie wiederum vor allem nach einem Young-Adult-Titel anfühlt, ist das Schauspiel des jungen Casts und die verspielte, aber gleichzeitig gestelzte Interaktion der jugendlichen Charaktere. So darf natürlich auch das love interest für NN nicht fehlen, das sich als Ausreißer Adam (Ignacy Liss) entpuppt. Der war kurz zuvor aus der Anstalt ausgebüxt, ist nun zurück und weckt sowohl Erinnerungen als auch Gefühle in NN, die sich nach ihrem knisternden Treffen an das Klavierspielen und sogar an ihren echten Namen erinnert...

Was man von Anfang an vermutet, bewahrheitet sich am Ende des Auftakts natürlich, denn es wird enthüllt, dass NNs Hintergrundgeschichte nicht der Wahrheit entspricht und die Verantwortlichen nicht unbedingt Gutes mit den vergesslichen Kids vorhaben, nachdem die nicht erfolgreiche Ausbrecherin sie explizit warnt und wir zusätzlich einen Einblick in die finsteren Machenschaften von Dr. Zofia erhalten. Aber was wäre eine abenteuerliche YA-Jugendgeschichte auch ohne die erwachsenen powers that be als Gegenspieler?

Fazit


Open Your Eyes sieht aus wie die meisten Netflix-Serien (it's fine... whatever), kommt aber für eine Young-Adult-Story zu langsam aus den Puschen. Bedenkt man, dass ähnliche Filme für ein jugendliches Publikum nach der Laufzeit des Auftakts bereits zur Hälfte vorbei sind, passiert hier einfach zu wenig - zumal von Anfang an klar ist, dass etwas nicht ganz koscher ist in der zwielichtigen Anstalt. Eine emotionale Bindung zu den Klinikkindern, wie etwa bei Club der roten Bänder, tut dem Ganzen gut, bei nur sechs Folgen sollte die Dichte der spannenderen Thriller-Plotpunkte aber spätestens ab der nächsten Episode drastisch zunehmen, sonst wenden sich die Augen sicherlich ganz schnell wieder ab.

Die Serie wird übrigens im polnischen Original mit verschiedenen Untertiteloptionen angeboten, aber auch in verschieden Synchronfassungen, zu denen ebenso eine deutsche Sprachauswahl zählt.

Hier abschließend noch der Trailer zur nun angelaufenen neuen Serie „Open Your Eyes“ auf Netflix:

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