One Piece: Kritik der Pilotepisode der Netflix-Serie, die man ab sofort streamen kann

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Die Live-Action-Adaption One Piece (2023) ist mit allen acht Episoden jetzt auf Netflix verfügbar. Los geht es mit der Episode Romance Dawn, in der Gummipirat Monkey D. Luffy (Inaki Godoy) zu seinem großen Abenteuer aufbricht. Dabei sammelt er auch seine zukünftigen Crewmitglieder Zoro (Mackenyu) und Nami (Emily Rudd) unterwegs auf.
Was geschieht im Auftakt von One Piece?
Nachdem das Setting der Serie mit einem kurzen Rückblick auf die Exekution des berüchtigten Piraten Gold Roger (Michael Dorman), dessen letzten Worte die Suche nach seinem großen Schatz (das titelgebende „One Piece“) und damit den Anbruch des Zeitalters der Piraten auslösten, eingeleitet wurde, springen wir in die Gegenwart zu unserem Protagonisten Luffy. Dieser schmuggelt sich an Bord eines Piratenschiffes unter Führung der fiesen Kapitänin Alvida (Ilia Isorelys Paulino), wo er auch den jungen Koby (Morgan Davies) kennenlernt, dessen Freiheit er erwirkt, indem er an Bord mittels seiner speziellen Gummikräfte ordentlich aufräumt. Kurz darauf erfahren wir in einem weiteren Flashback, dass er an diese Fähigkeiten kam, indem er als kleiner Junge eine besondere Teufelsfrucht verschlang.
Kurze Zeit später landen die beiden in einem Hafen mit großem Marinestützpunkt, aus dem Luffy eine Karte der Grand Line entwenden will, um auf diesem gefährlichen und riesigen Seeabschnitt nach Gold Rogers Schatz zu suchen. Sein Ziel ist es, der größte Pirat aller Zeiten zu werden und mit seiner Crew Abenteuer zu erleben. Aber dafür braucht er erstmal eine solche Crew und zwei sehr geeignete Kandidaten findet er während der Suche seiner Karte auf dem Marinestützpunkt: Die Diebin und potentielle Navigatorin Nami, die sich ebenso auf den Stützpunkt schleicht, um die gleiche Karte zu entwenden und der berühmte Kopfgeldjäger Roronoa Zoro, der mit dem Kommandanten Morgan (Langley Kirkwood) und dessen Sohn aneinander gerät. Mit beiden schließt er sich zusammen, um gegen Morgan und seine Leute zu bestehen.
Welchen Eindruck hinterlässt die Pilotepisode?
Bekanntermaßen hat Netflix mit Adaptionen aus dem Manga- und Animebereich mit Produktionen wie den Live-Action-Versionen von „Death Note“ und dem kurzlebigem Cowboy Bebop (2021) nicht die größten Erfolge feiern können, von der Qualität ganz zu schweigen. Eine Umsetzung von One Piece galt aufgrund von vielen Faktoren besonders was die Erzählstruktur oder auch die Optik angeht, als besonders schwierig. Das sind keine einfachen Voraussetzungen, unter denen sich One Piece (2023) behaupten muss. Aber so mancher dieser Faktoren könnte sich sogar als kleiner Vorteil herausstellen, so hat man zum Beispiel durch das Setting nicht den gleichen Anspruch an ein etwas realistischeres Gefühl, wie es zum Beispiel das geerdetere Cowboy Bebop hatte. Und im Vergleich dazu hat man sich hier den kompletten Segen von Serienschöpfer Eiichiro Oda eingeholt und nicht nur einfach nur eine Unterschrift unter einem Vertrag.
Die Atmosphäre der Vorlage einzufangen, von der übrigens circa 100 Mangakapitel in acht einstündigen Episoden festgehalten werden, ist ganz bestimmt alles andere als einfach, aber die Serie macht einige Dinge relativ gut. So darf man getrost das Casting loben, denn die Crewmitglieder, die wir in Form von Nami (Emily Rudd) und Zoro (Mackenyu) in der Pilotepisode kennenlernen, machen einen guten Eindruck. Vor allem Inaki Godoy bringt die unbeschwerte Leichtigkeit und das Selbstbewusstsein von Luffy wirklich passend auf den Bildschirm und sorgt somit für einen gewissen Anteil der One-Piece-Atmosphäre.
Auch die Actionszenen, ein essenzieller Bestandteil der Serie, können sich wirklich sehenlassen. Die Kämpfe sind sehr gelungen und dynamisch choreografiert und die CGI-Effekte fügen sich passabel genug ein, um nicht wie ein Fremdkörper zu wirken wenn Luffy seinen Gegnern mit der „Gum-Gum-Pistole“ einen auf die Zwölf gibt. Die Kostüme sind ebenso gelungen und obwohl man der Serie anmerkt, dass Netflix ordentlich Geld für die Produktion hat springen lassen, hätte man was Farben und Umgebung angeht, ruhig noch ein wenig bunter und ausgefallener werden dürfen, denn der etwas fade und wenig kontrastreiche Eindruck, den viele Netflix-Serien gemein haben, tritt hin und wieder auf.
Ganz anders als in der Vorlage, ist sicherlich das Pacing, das für ein kürzeres Serienformat angepasst wurde, so lernen wir vergleichsweise ziemlich schnell einiges über Luffys Vergangenheit, um vor allem One-Piece-Neulingen einen einfacheren Einstieg und frühen Kontext zu liefern. Während diese Anpassung nachvollziehbar ist, wird es sicher noch einige Momente und vor allem Figuren geben, die einfach besser in eine animierte Welt passen. Manche Aspekte, die Fans natürlich nichts ausmachen, aber neue Zuschauer und Zuschauerinnen speziell in Live-Action-Form ein wenig suspekt sein dürften, sind klassische Tropen aus der Shonen-Ära der 90er, aus der die Serie entstammt, wie etwa Figuren, die ihre Special-Moves laut ansagen. Dafür dürfen diese sich aber auch über den normalen Wahnsinn wie etwa telepathische Schneckentelefone und viele andere liebevolle Details der Welt von Eiichiro Oda freuen.
Fazit
Wie gut einem der Einstand von „One Piece“ gefällt, hängt sehr mit der Erwartungshaltung zusammen, mit der man sich auf die Serie einlässt. Was die Adaption erreichen will, ist One Piece für eine breitere Zuschauerschaft zugänglich zu machen und eventuell anzuregen, dem Manga und der Animeserie eine Chance zu geben. Fans ist sicher klar, dass in einem anderen Medium in kurzer Zeit nicht der gleiche epische Status der Vorlage erreicht werden kann und schaut man auf das Wesentliche, nämlich den kurzweiligen Unterhaltungsfaktor, so kommt man dank des sehr solidem Casts und der gelungenen Action auf seine Kosten. Für den Rest der Staffel bleiben wir nach Sichtung der Pilotepisode optimistisch und vergeben für den Einstand 3,5 von 5 Strohhüten.