One Piece (2023) 1x08

One Piece (2023) 1x08

Mit „One Piece“ ist Netflix eine Anime-Adaption gelungen, die genau das leistet, was sie leisten soll: Newbies - wie mich - an Bord holen. Die Realfilmserie mit Iñaki Godoy, Emily Rudd und Mackenyu quillt geradezu über vor Charme.

Iñaki Godoy als Monkey D. Luffy in der Serie „One Piece (2023)“
Iñaki Godoy als Monkey D. Luffy in der Serie „One Piece (2023)“
© Netflix

Die Animeserie One Piece (genauso wie die dazugehörige Mangaserie) bereichern seit knapp 25 Jahren nicht nur die japanische Popkultur. Für mich persönlich waren die Abenteuer der Strohhut-Piratenbande rund um Monkey D. Luffy/Ruffy aber stets ein blinder Fleck - an dem ich aber auch nichts ändern wollte, weil die Aussicht, mehr als 1000 Episoden nachzuholen, abschreckend erschien. Dass nun ausgerechnet die Realfilm-Serien-Adaption von Netflix den perfekten Einstieg bietet, kam in Anbetracht früherer Adaptionen wie Cowboy Bebop (2021) oder „Death Note“ ziemlich überraschend.

Matt Owens (Luke Cage) und Steven Maeda (Helix), die zwei Showrunner von One Piece (2023), gingen ein großes Risiko ein, sich bei einer so überdrehten Swashbuckler-Story so nah am Originalton zu halten. Die achtteilige Auftaktstaffel, die am 31. August bei der Streaming-Plattform Premiere feierte, steckt voller Anime-Anspielungen, die sogar ein Grünschnabel wie ich erkennt. Der netteste Pirat der Welt und seine Crew haben alle einen Traum, den sie durch die Kraft der Freundschaft auch erreichen können.

Neben dem Mut zur Kindsköpfigkeit, was das neue „One Piece“ vermutlich auch zu einem geeigneten Stoff für „Fluch-der-Karibik“-Fans macht, ist der ganz sicher größte Schatz daher das Ensemble. Angeführt wird es vom mexikanischen Youngster Iñaki Godoy (Wer hat Sara ermordet?, The Imperfects), dem im Lauf der Season mit uns Zuschauer:innen dasselbe gelingt wie mit seiner Bande: Erst geht er uns mit seiner „toxischen Positivität“ gehörig auf die Nerven, bis wir ihn einfach lieben lernen.

Was geschieht in der 1. Staffel der Serie „One Piece“?

Wer unsere Besprechung zum Auftakt gelesen hat, ahnt wohl schon, dass die Serie ein bisschen Anlaufzeit braucht. Zu Beginn, wenn wir mit Luffy (Godoy) noch nicht ganz warm sind, reißen uns seine ständigen Flashbacks immer wieder raus. Zumal uns die entscheidenden Aspekte seiner mysteriösen Herkunft bis zum - dafür umso stärkeren - Staffelfinale vorenthalten werden. Soll heißen: Obwohl wir so viel aus seiner Kindheit sehen, lernen wir nur wenig.

Bei der - am liebsten mit verdeckten Karten spielenden - Kartografin Nami, gespielt von „Fear Street“-Star Emily Rudd, ist es genau andersrum: Hier wünscht man sich anfangs mehr Transparenz, weil sie so ein spannender Charakter ist. Andererseits geht die Rechnung später, als ihre Backstory für den ersten großen Showdown gegen den tollen Sägefisch-Schurken Arlong (McKinley Belcher III) nachgeholt wird, mit größtmöglichem emotionalen Impact auf.

Szenenbild aus „One Piece“
Szenenbild aus „One Piece“ - © Netflix

Beim Piratenjäger Roronoa Zoro (Mackenyu) ist die Sache etwas unkomplizierter: Passend zur Verschwiegenheit des einsamen Seewolfs, der den Mangel der von ihm gesprochenen Worte mit der Vielzahl der von ihm getragenen Schwerter wettmacht, erfahren wir hier früh alles. Sein Traum ist im Prinzip der simpelste, was nicht heißt, dass sein Weg ein leichter sein wird. Wenn er den gefürchteten Dracule Mihawk (Steven John Ward) als mächtigsten Krieger der Welt ablösen will, muss er noch viel lernen, jeden Tag trainieren - und vor allem darf er niemals aufgeben. Ein perfekter Anime-Arc also.

Zwei Leute fehlen noch in Luffys Mannschaft, mit der er sich auf seinem bezaubernden Schiff, der Going Merry, zur gefährlichen Grand Line aufmachen will, um den legendären Schatz von Gold Roger (Michael Dorman) zu finden und damit zum König der Piraten zu werden. Zum einen ist das notorische Seemannsgarnspinner Usopp (Jacob Romero Gibson), zum anderen der etwas schmierige Schiffskoch Sanji (Taz Skylar). Im Gegensatz zum zentralen Trio schmelzen unsere Herzen für sie vermutlich erst in Staffel zwei dahin...

Und dann ist da noch Vice Admiral Garp (Vincent Regan), der mit seinem Schützling Koby (Morgan Davies), der Autorität der Weltregierung und einem zunächst unklaren Motiv, Luffy und Co im Fahrwasser verfolgt. Natürlich kommen sie immer ein My zu spät, genauso wie unsere Held:innen auch stets den Bösewichten ein Schnippchen schlagen können. In sie hat die Masken- und Kostümabteilung der Serie übrigens besonders viel Liebe gesteckt, wie man auch am Katzenbutler Kuro (Alexander Maniatis) sowie an Buggy dem Clown (Jeff Ward) merkt.

Welchen Eindruck hinterlässt die Netflix-Adaption?

Alles in allem legt das neue One Piece (2023) bei Netflix eine erfolgreiche Jungfernfahrt hin. In nur acht Episoden - der Anime hat wie gesagt schon über 1000 - stellen uns die Serienmacher die charmanten Hauptfiguren, die wirklich wunderbar besetzt wurden, und zudem die ursprünglich vom Mangakünstler Eiichiro Oda geschaffene Piratenwelt vor, die visuell wie inhaltlich vollkommen einzigartig zu sein und unendlich viel Potential zu haben scheint. Nach der ersten Staffel bleibt das schöne Gefühl: Jetzt geht es eigentlich erst richtig los!

Wir haben es hier mit der vielleicht ersten wirklich gelungenen Anime-Adaption als Realfilm-Serie zu tun, die genau davon profitiert, die Vorlage nicht „erwachsener“ oder ernster machen zu wollen, sondern die unschuldige Freude vom Original reproduziert. Der junge Hauptdarsteller Iñaki Godoy verkörpert dieses Kunststück in sich selbst am besten. Seine positive Ausstrahlung überstrahlt jeden Anflug von Zynismus. Viereinhalb von fünf Totenköpfe für diese lustige Abenteuerserie, die vor allem auch für Neulinge im Franchise funktioniert.

Vielleicht darf man nun sogar für die bei Netflix geplante Neuauflage von Avatar: The Last Airbender optimistisch sein.

One Piece: Deutscher Serientrailer

Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur Serie „One Piece“, die nun auch hierzulande beim Streamingdienst Netflix an den Start gegangen ist:

Verfasser: Bjarne Bock am Dienstag, 10. Oktober 2023
Episode
Staffel 1, Episode 8
(One Piece (2023) 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Wanted
Titel der Episode im Original
Worst in the East
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 31. August 2023 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 31. August 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 31. August 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 31. August 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 31. August 2023
Autoren
Matt Owens, Steven Maeda, Eiichirô Oda, Ian Stokes
Regisseure
Marc Jobst, Marc Jobst, Emma Sullivan, Emma Sullivan

Schauspieler in der Episode One Piece (2023) 1x08

Darsteller
Rolle
Emily Rudd
Mackenyu
Jacob Gibson
Taz Skylar

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?