I Am the Night: Pilot - Review

I Am the Night: Pilot - Review

Die neue Miniserie I Am the Night präsentiert sich als ein Thriller im Noir-Stil und rollt dabei als von wahren Ereignissen inspirierte Geschichte den Black-Dhalia-Mordfall aus Sicht eines abgehalfterten Reporters und einer jungen Frau mit Verbindung zu einem Verdächtigen auf.

India Eisley und Jefferson Mays in „I Am the Night“ (c) TNT
India Eisley und Jefferson Mays in „I Am the Night“ (c) TNT
© ndia Eisley und Jefferson Mays in „I Am the Night“ (c) TNT

In der Pilotepisode findet die Schülerin Pat (India Eisley) im Jahr 1965 heraus, dass sie adoptiert wurde und sich ihre Familie in den High-Society-Kreisen Hollywoods bewegt. Nach einem kurzen Telefonat mit ihrem Großvater George Hodel (Jefferson Mays) beschließt sie, dessen Einladung anzunehmen und nach Los Angeles zu reisen, um mehr über sich und ihre Herkunft herauszufinden. Gleichzeitig bekommt der abgehalfterte Reporter Jay Singletary (Chris Pine) einen Anruf, der ihn zurück auf eine alte Spur und zu einem grausamen Mordfall führt.

Worum geht es in der Pilotepisode von „I Am the Night"?

Als Kind einer schwarzen Mutter hat die ethnisch gemischte Schülerin Pat mit vielen Vorurteilen und Rassismus aus allen Lagern zu kämpfen. Doch, als sie eines Abends an ihre Geburtsurkunde gelangt, stellt sie fest, dass sie adoptiert wurde und entlockt ihrer Adoptivmutter Jimmy Lee (Golden Brooks) auch gleich Details über ihre leibliche Familie, die in Hollywoods High Society kein unbeschriebenes Blatt sind. Unter ihrem richtigen Namen, Shauna Hodel, kontaktiert sie ihren Großvater George, der sie daraufhin nach Los Angeles einlädt. Zuvor lauert er ihr jedoch inkognito an der Bushaltestelle auf, um sie ein klein wenig auszufragen, ohne sich zu erkennen zu geben. Angekommen in der Stadt der Engel erhält sie jedoch eine Warnung, dass George Hodel ein gefährlicher Mann sei, von dem sie sich besser fernhalten soll...

Gleichzeitig fristet der Reporter Jay Singletary ein heruntergekommenes Dasein und hält sich mit schlecht bezahlten und moralisch mindestens im grauen Bereich angesiedelten Jobs über Wasser. Doch, bevor er einen Schlussstrich unter sein Leben ziehen kann, erhält er einen anonymen Anruf von Jimmy Lee, die ihn wieder auf die Spur und den Fall von George Hodel bringt, welcher ihn damals mental in den Abgrund trieb.

Hintergrundwissen zum Fall

George Hill Hodel gehörte zu den Verdächtigen im Falle des berühmten und bis heute ungeklärten Black-Dhalia-Mord, in dessen Zügen eine junge Frau namens Elizabeth Short im Januar 1947 ermordet und verstümmelt aufgefunden wurde. Hodel wurde als einer von insgesamt 25 Verdächtigen unter anderem wegen seines medizinischen Wissens unter die Lupe genommen, nachdem er zwei Jahre zuvor bereits unter Mordverdacht an seiner Sekretärin gestanden hatte. Im Laufe der Jahre erhärteten sich die Indizien zunehmend, vornehmlich, als sein Sohn Steve Hodel, ein erfahrener Detective der Mordkommission des LAPD, ihn aufgrund seiner Ermittlungen mehrerer Morde bezichtigte, unter anderem dem an Short. Im Gegensatz zum fiktiven Jay Singletary ist Fauna Hodel eine reale Person, die unter anderem ein Buch über ihre Erlebnisse schrieb. Sie verstarb im Jahr 2017, war aber bis zuletzt an der Produktion der Serie beteiligt. Ein Begleitpodcast zur Serie namens „Root of Evil“ wird unter Beteiligung ihrer Tochter Rasha herausgegeben.

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I Am the Night teilt seine erste Episode zwischen seinen beiden Protagonisten auf und stellt im Fall von Pat/Shauna (India Eisley) zum einen deren Beziehung zu ihrer Adoptivmutter und dem Rassismus inklusive Schwierigkeiten mit ihrer Identitätsfindung in den Fokus. Ebenso geht es andererseits um den Anfang ihrer Suche nach ihrer leiblichen Familie. Die andere Hälfte baut die Persönlichkeit und den aktuellen Lebensstil von Reporter Jay Singletary (Chris Pine) auf, wobei dessen desolater Zustand mehr als deutlich betont wird...

Dabei setzt man auf einen Noir-Stil in Anlehnung an Filme wie „L.A. Confidential“ und baut Stück für Stück eine bedrohliche Atmosphäre auf, die bisher allerdings noch auf relativ geringer Flamme läuft. Das ist auch eines der Hauptmankos der insgesamt circa 54-minütigen Debütepisode, denn man lässt sich für den Aufbau in einem sehr gemächlichem Tempo doch sehr viel Zeit... Die Erzählung sprüht vor Potential, kann aber aufgrund des pacing kaum etwas davon abrufen und man wird mehr oder weniger mit einem Versprechen zurückgelassen, dass uns noch jede Menge Exzentrik und explizitere Sequenzen in Hollywoods düsterem Untergrund bevorstehen. Dieser könnte durchaus eine magische Anziehungskraft ausüben, wenn es dann so weit ist.

Während India Eisley ihre Sache bisher ordentlich macht, bekommt Chris Pine die Gelegenheit, sich richtig in seine Rolle hineinzuknien, da der mehr als nur angeschlagene Gemütszustand seines Charakters bereits früh deutlich zur Geltung kommt. Das nutzt er aufgrund der stärkeren Dramatisierung voller Inbrunst aus und hinterlässt damit einen bleibenden Eindruck. Wie die Chemie zwischen den beiden aussieht, lässt sich noch nicht sagen, da sie sich ihre Figuren zum Ende der Episode noch nicht getroffen haben. Viel wird auch von der Performance von Jefferson Mays als George Hodel abhängen, der in der True-Crime-Story eine klare Antagonistenrolle einnehmen wird.

Chris Pine in I Am the Night
Chris Pine in I Am the Night - © TNT

Set- und Kostümdesign fangen die Atmosphäre der 60er Jahre bisher gelungen ein und das allgemeine Produktionsniveau spricht durchaus für sich, was von der dezenten, aber gleichzeitig auch präsenten Sounduntermalung unterstrichen wird. Ob das düstere Drama das Niveau von aktuellen Genrekonkurrenten wie Sharp Objects oder True Detective erreicht, ist noch schwer zu sagen, dazu müsste man aber definitiv noch einen Gang zulegen.

Fazit

I Am the Night schickt sich an, Freunde von Crime-Storys und Noir-Thrillern etwas zu bieten. Das bisherige Erzähltempo mit seiner sehr gemächlichen Gangart könnte jedoch berechtigterweise so manchen abschrecken, auch wenn der Eindruck erweckt wird, dass sich die Geduld auszahlt, denn die düstere Geschichte der exzentrischen Hodel-Familie birgt eine spürbar große Menge an Potential in sich. Solide Unterhaltung wird andererseits ja durchaus jetzt bereits geboten. Ob man darüber hinaus noch weiter nach oben greifen kann, bleibt abzuwarten...

Der Serientrailer zu „I Am the Night":

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