Oktoberfest 1900 1x01

Oktoberfest 1900 1x01

Die aktuellen Wiesn-Wirte sind ganz und gar nicht begeistert von der neuen ARD-Miniserie Oktoberfest 1900. Als Serienjunkie darf man durchaus gespannt sein auf das opulent inszenierte Werk. Zu hohe Erwartungen sind jedoch nicht empfehlenswert.

Oktoberfest 1900 (c) ARD/BR/Zeitsprung GmbH
Oktoberfest 1900 (c) ARD/BR/Zeitsprung GmbH
© ktoberfest 1900 (c) ARD/BR/Zeitsprung GmbH

Deutsche Geschichte hat sich auch in jüngster Vergangenheit wieder als vielversprechende Quelle für Serien und Filme bewiesen. Die Macher der Eventserie Oktoberfest 1900 wagen sich nun an ein hochgradig regionales Thema aus dem Freistaat Bayern. Über sechs Episoden erleben wir, wie das Oktoberfest mit dem Kapitalismus als Steigbügelhalter zum größten Volksfest der Welt wurde.

Worum geht es?

Der Nürnberger Großbrauer Curt Prank (Misel Maticevic) hat eine Vision: Er möchte das traditionsreiche Münchener Oktoberfest zum größten Volksfest der Welt machen. Dafür plant er, ein Riesenzelt für 6000 Personen zu bauen, für das er fünf Plätze braucht. Der Münchener Festbeauftragte Alfons Urban (Michael Kranz) kann darüber nur milde spötteln. Immerhin ist es üblich, dass viele Münchener Brauer in kleinen Zelten ihre Getränke anbieten. Und außerdem ist der Franke nicht einmal von hier. Doch das Spötteln vergeht ihm, als Prank ihn mit einem unehelichen Sohn erpresst und wir erkennen: Hier ist weniger ein Visionär als eher ein früher Vertreter des gierigen Kapitalismus am Werk, der Menschenleben nicht verschont, um Profit zu machen.

Während Curt nun durch kleine und große Verbrechen durch die Stadt walzt, kommt seine Tochter in München an. Die junge Clara (Mercedes Müller) freut sich auf die Metropole. Zumindest bis sie feststellt, dass der Vater sie nur hergebeten hat, um einen angemessenen Ehemann zu finden. Um dabei auf dem rechten Weg zu bleiben, wird als Anstandsdame Colina Kandl (Brigitte Hobmeier) eingestellt. Die hat sich die gut bezahlte Stelle durch allerlei Tricks ergaunert, denn sie ist eigentlich weit davon entfernt, eine Gouvernante zu sein. Um sich bestens in die Reihe derer mit wackeliger Moral einzugliedern, erpresst auch Clara selbst ihre Anstandsdame und zwar dazu, sie auf eine wilde Fete der Bediensteten mitzunehmen. Dort lernt die junge Frau Roman (Klaus Steinbacher) kennen, einen attraktiven Jüngling, mit dem sie schnell durch einen heißen Flirt zu einer heftigen Romanze eilt. Doch auch Roman hat ein Geheimnis, denn er ist ebenfalls weit davon entfernt, ein Bediensteter zu sein. Er ist der Sohn der Traditionsbrauerei Deibel. Ausgerechnet sein Vater hält den letzten der fünf Plätze besetzt, die Carl so dringend sein eigen nennen möchte. Während Roman und Clara also nun ihre Zuneigung zueinander entdecken, hat Romans Vater ein folgenreiches Treffen mit einem Handlanger von Curt Prank und das Oktoberfest wird nie wieder so sein wie es vorher war.

Wie kommt es rüber?

Oktoberfest 1900 wartet mit einer Opulenz und Wucht auf, die man auf der deutschen Mattscheibe so selten findet. Noch besser wird es nur, wenn man feststellt, dass die Umsetzung durchaus gekonnt - wenn auch nicht klischeefrei - daherkommt. Das Oktoberfest der Serie ist ein Ort der Machtgier, München ein düsteres, nebliges Pflaster, in dem verlockende Gefahren und große Gefühle lauern. Das bringen die Serienmacher galant in die ausladende, manchmal surreale Szenerie ein. Unterstützt werden sie dabei von der exzellent ausgewählten Musik, die besonders bei Nicht-Bayern wohl für Aufhorchen sorgt. Denn „folklorefreie Volksmusik“, wie die Band Dreiviertelblut sie ins bestechende Titellied einbringt, hört man nicht alle Tage im Öffentlich-Rechtlichen.

Die Bilder, die Lieder, die Töne setzen sich fest und klingen nach. Hier wurde an nichts gespart und das hat sich gelohnt.

Schwächer sieht es bei der Story an sich aus. Sie schneidet den hohen Anspruch der Optik ins Bein, wenn auch auf eine wenig störende Art. Denn das ist schon Meckern auf hohem Niveau. Die Geschichte der zwei jungen Menschen, die sich in verfeindeten Familien wiederfinden, ist dennoch alles andere als neu und auch die Serienmacher versuchen nicht, die Vorhersehbarkeit ihrer Geschichte zu verstecken.

Die Darsteller haben glücklicherweise bis in die Riege der Nebendarsteller die Fähigkeit, mehr Leben und Leiden aus den Figuren zu kitzeln, als es das Drehbuch hergibt. Es gibt also viele gute Gründe, dranzubleiben, wenn auch das Liebesleben der Figuren nicht zu den wichtigsten gehört.

Wenig erfreut von der kostenlosen Aufmerksamkeit sind jedoch die aktuellen Wiesn-Wirte und -Verantwortlichen. Denn wer möchte sich schon sagen lassen, dass das eigene Vermächtnis auf Mord, Gier und Vetternwirtschaft fußt. Dabei ist die Geschichte um den Krieg der Wirte so überzeichnet, dass man hoffen möchte, es stecke nicht viel Wahrheit drin. Am Ende kann jedoch auch dieser Aspekt der Story nur wenig Spannung herauskitzeln, es sei denn, man interessiert sich schon ohnehin für die Historie der Stadt oder des Festes.

Fazit

Die ARD-Serie Oktoberfest 1900 überragt das, was man normalerweise an einem Werktag abends im öffentlich-rechtlichen Fernsehen findet, um Längen. Durch die starken Bilder, die eindringlichen Lieder und das gute Schauspielhandwerk darf man sich durch den Abend tragen lassen.

Die sechs Episoden der Serie sind noch bis Ende des Jahres in der ARD-Mediathek abzurufen. Heute Abend startet außerdem die lineare Ausstrahlung in Doppelfolgen.

Hier abschließend noch der Trailer zur Serie:

Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Dienstag, 15. September 2020
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Oktoberfest 1900 1x01)
Titel der Episode im Original
Die Vision
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 15. September 2020 (Das Erste)
Autoren
Christian Limmer, Michael Proehl
Regisseur
Hannu Salonen

Schauspieler in der Episode Oktoberfest 1900 1x01

Darsteller
Rolle
Misel Maticevic
Martina Gedeck
Klaus Steinbacher
Francis Fulton-Smith
Brigitte Hobmeier

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