October Faction 1x01

© zenenfoto aus der US-Serie October Faction (c) Netflix
In der Auftaktepisode Presidio der neuen Netflix-Serie October Faction zieht es Familie Allen zu den Wurzeln ihres kleinen Heimatortes zurück. Dort angekommen werden die Eltern nicht nur mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, sondern geraten durch eine Zufallsbegegnung mit ihrem geheimen Job in Verbindung, bei dem es im Zuge ihres Doppellebens schon einmal ein wenig blutiger zugehen kann, als man es von zwei angeblichen Versicherungsangestellten vermuten würde.
Was geschieht in der Pilotepisode?
Das Ehepaar Deloris (Tamara Taylor) und Fred Allen (J. C. MacKenzie) fühlt sich von seiner Tätigkeit als Monsterjäger für die Geheimorganisation Presidio ausgebrannt, wodurch ihnen eine Pause von ihrer Aufgabe, ganz gelegen kommt. Der Anlass dazu ist allerdings eher trüb, denn Freds Vater ist verstorben, was die Familie von ihrer aktuellen Residenz im japanischen Osaka zurück in ein Anwesen in einer amerikanischen Kleinstadt führt. Mit auf diese Reise nehmen sie auch ihren Sohn Geoff (Gabriel Darku) und ihre Tochter Viv (Aurora Burghart), die als junge Erwachsene und Zwillinge ihre sozialen Zirkel aufgrund ihrer vielen Reisen schon oftmals wechseln mussten.
Während die Zwillinge das alte Haus erforschen, betrachten Fred und Deloris den waffenstarrenden Nachlass von Freds Vater, welcher ebenfalls für Presidio tätig war. Nach der Beerdigung und vor der anschließenden Trauerfeier auf dem Anwesen lassen sich auch Freds Mutter und die eher mäßig trauernde Witwe Maggie (Wendy Crewson) blicken, welche ihren Anspruch auf das Haus geltend machen will. Die Trauerfeier selbst verbringen die Zwillinge auf ihre eigene Weise, denn während Geoff jemandem, zu dem er sich spontan hingezogen fühlt, näherkommt, so leitet Viv nach einem kleinen Schubser ihres Bruders eine Séance mit der anwesenden Jugend ein, die allerdings auf gewisse Art wesentlich erfolgreicher ist, als sie es für möglich gehalten hätte.
Nachdem Deloris den angetrunkenen Fred nach draußen führt, um ein wenig Luft zu schnappen, sehen sie sich aufgrund akuter Knappheit von Snacks und anderen Kleinigkeiten dazu genötigt, einen Ausflug in den lokalen Supermarkt zu machen. Dort werden die beiden zu ihrer Überraschung auf ein als Menschen getarntes Monsterpaar aufmerksam, welches bereits ein Opfer im hinteren Teil des Ladens ins Visier genommen hat. Im Zuge der Konfrontation bringt sein Gegenüber Fred beinahe dazu, ihn ohne Konflikt gehen zu lassen, doch Deloris sorgt dafür, dass genau wie dessen Partnerin, dieser nicht dazu kommt, seine spitzen Zähne in die Allens zu bohren.
The Family Business
Presidio mischt sehr viele Elemente und Tropen in seine Monsterhatz, die einem schnell bekommt vorkommen: Dabei erhalten wir in der Auftaktepisode weniger ein Supernatural-Gefühl als eher Parallelen zu einer anderen Netflix-Serie geliefert, denn ähnlich wie in The Umbrella Academy führt der Tod eines Vaters eine Familie in ein großes Anwesen, was ein kleines Déjà-vu zur Folge hat. Doch October Faction versucht, sein ganz eigenes Ding durchzuziehen, denn schließlich gibt es hier (noch) keinen Superkräfte-Aspekt und man macht schnell deutlich, dass man wesentlich mehr Wert auf Horrorelemente legt.
Durch das Casting und das Drehbuch verlagert man zusätzlichen seinen Fokus auf Themen wie Homosexualität, Xenophobie und vor allem Rassismus, die nach meinem kurzen Blick in die Comicvorlage zumindest nicht ganz so explizit darin vorkommen dürften. Das Ganze geschieht aber auch mit dem Segen von Schöpfer Steve Niles, der unter anderem für „30 Days of Night“ bekannt ist und der während des kreativen Prozesses eng beteiligt war. Ob man diesem zusätzlichen Fokus nun etwas abgewinnen kann, ist schlussendlich auch Geschmackssache.

Etwas spalten könnte unter anderem die Performance von J. C. MacKenzie als Vater Fred, denn bisher könnte man seine Darbietung trocken als im schlimmsten Fall lustlos oder am anderen Rand des Spektrums als charaktergetreu interpretieren. Nach nur einer Episode darüber bereits ein Urteil zu fällen, wäre mir zu früh, denn während er dadurch schon auffällt, stieß es mir bisher jedoch nicht unangenehm auf. Grundsätzlich stimmt die Chemie zwischen den Familienmitgliedern schon, auch wenn niemand ganz besonders auf sich aufmerksam macht.
Als eine der Stärken der Serie zeichnet sich schon jetzt ihr trockener und düsterer Humor ab, der an den Stellen besonders hervorsticht, an denen die Allens mit der Monsterwelt konfrontiert werden. Dies wird sicherlich zusammen mit den schon recht gruseligen Horrorelementen dafür sorgen, dass man ordentlich unterhalten wird. Schade ist jedoch, dass uns nach der ersten Folge nur ein ganz rudimentärer Rahmen der übernatürlichen Unterwelt und der Existenzgrundlage von Presidio gewährt wird, denn, um mehr darüber zu erfahren, wie die Welt von „October Faction“ und ihre Bewohner so ticken, muss man schon dranbleiben. Zumindest schafft man es aber, Interesse dafür zu wecken und zu suggerieren, dass wir nur an der Oberfläche kratzen und uns noch einiges mehr erwartet. Wichtig wäre es, wenn die beiden Zwillinge früh in das Familiengeschäft einsteigen und mit erwähnter Unterwelt konfrontiert werden, denn diese ist bisher wesentlich spannender als die Coming-of-Age-Plotansätze des Einstands. Welche Elemente schließlich dominieren werden, bleibt jedoch abzuwarten, denn, ob es nun mehr in Richtung Horror oder Drama abdriftet oder vielleicht auch durch abgefahrene Ideen ein Stück Trash in sich aufnimmt: All das liegt durchaus im Bereich des Möglichen.
Fazit
October Faction leidet ein wenig darunter, dass man so manches Klischee und diverse Genre-Tropen im Debüt vorfindet, an denen man sich in letzter Zeit schon ein wenig sattgesehen haben könnte. Dennoch macht der Einstand aber auch nichts fürchterlich falsch, denn ein gewisser Unterhaltungsfaktor ist über die Länge der kompletten Episode definitiv vorhanden und mehr Interesse an der angedeuteten Welt kann schon geweckt werden. Genrefreunde kommen hier sehr wahrscheinlich auf ihre Kosten, denn: Wer übernatürlichem Monsterhorror oder Horror ganz generell sowie schwarzem Humor, gepaart mit einem Stückchen Familendrama, etwas abgewinnen kann, für den kann es nicht schaden, einmal hineinzuschnuppern.
Hier abschließend noch der Trailer zur ersten Staffel der neuen US-Serie October Faction:
Verfasser: Tim Krüger am Donnerstag, 23. Januar 2020October Faction 1x01 Trailer
(October Faction 1x01)
Schauspieler in der Episode October Faction 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?