NYC 22 1x01

Sechs Polizisten, frisch von der Akademie, treten ihren Dienst im 22. New Yorker Polizeirevier an. Unter Anleitung von Sergeant Dean (Terry Kinney), genannt Yoda, versehen sie ihren Dienst auf den StraĂen der Stadt, was bisweilen wenig glamourös ist. So werden Jayson (Harold House Moore) und Jennifer (Leelee Sobieski) erst mal dazu abgestellt, die Toilette einer Polizistenwitwe von einer Verstopfung zu befreien. Aber natĂŒrlich gibt es fĂŒr die jungen Cops auch interessantere Aufgaben: so bekommen Ahmad (Tom Reed) und Kenny (Stark Sands) den Auftrag, eine Gruppe Jugendlicher im Auge zu behalten, da die Auseinandersetzung zweier Gangs zu eskalieren droht.
Unterdessen sollen Tonya (Judy Marte) und Ray (Adam Goldberg) in einer Wohnung einen halbverwesten Leichnam bis zum Eintreffen der Kollegen bewachen. Als Tonya wegen des Gestanks befehlswidrig die Wohnung verlÀsst, gerÀt sie in der Nachbarwohnung mitten in einen gewalttÀtigen hÀuslichen Konflikt...
NYC 22 ist eine gute, aber nicht herausragende Serie. Das ist wohl das gröĂte Problem der neuen CBS-Produktion „39469“. Die Pilotepisode ist durch und durch solide erzĂ€hlt. Handwerklich gibt es nichts an ihr auszusetzen. Autor Richard Price (The Wire) und Regisseur James Mangold („Cop Land“) wissen schon genau, was sie da tun. Was dem Piloten jedoch fehlt, ist das Besondere, das Einzigartige.
Eine Serie ĂŒber PolizeianfĂ€nger zu machen, ist ja per se erst mal keine schlechte Idee (auch wenn es so etwas schon auf ABC mit Rookie Blue gibt). Auch gegen den Look und den auf Realismus bedachten ErzĂ€hlansatz gibt es nichts zu sagen.
Was einem jedoch etwas Kopfschmerzen bereiten kann, sind die Charaktere. Diese sind nĂ€mlich exakt so zusammengestellt, wie man es schon vorab erwarten wĂŒrde: Da ist der strenge Sergeant, der aber im Grunde doch so etwas wie der weise Ratgeber und „Papa“ der Truppe ist. Da ist die Irak-Veteranin, weil nunmal jede aktuelle US-Serie irgendwie einen Kriegsveteranen braucht. Da ist der Schwarze, der natĂŒrlich bis zu einer Sportverletzung Profi-Basketballer war. Die Latina, die aus einer Familie mit kriminellem Hintergrund stammt. Dann der Kollege, der umgekehrt aus einer traditionsreichen Polizistenfamilie kommt. Der (Ex- ?) Alkoholiker. Und schlieĂlich der gebĂŒrtige Afghane, der mit den dummen SprĂŒchen und latenten Feindseligkeiten mancher Kollegen klarkommen muss.
Jeweils fĂŒr sich allein genommen ist jede dieser Figuren durchaus nicht uninteressant. SchlieĂlich hat jede von ihnen etwas, das sie sich und/oder ihrer Umgebung beweisen will. Ergo: die Figuren sind persönlich motiviert, was fĂŒr das emotionale Engagement des Zuschauers schon mal keine schlechte Voraussetzung ist.
Als Gruppe machen sie jedoch ein bisschen den Eindruck, als wĂ€re jemand das Schema F durchgegangen und hĂ€tte jeweils kleine HĂ€kchen gesetzt. Ich bitte das ausdrĂŒcklich nicht als eine Kritik an einer vermeintlich zu groĂen political correctness der Serie zu verstehen. Es geht hierbei ausschlieĂlich darum, dass die Art und Weise, auf welche die DiversitĂ€t der Gruppe hergestellt wird, einfach nicht sonderlich originell wirkt. Das gilt auch fĂŒr das VerhĂ€ltnis von Jayson und Jennifer. Letztere lĂ€sst ihren Partner bei dessen AnnĂ€herungsversuchen erst mal abblitzen; aber natĂŒrlich sieht man am Ende doch die Funken zwischen ihnen fliegen.
Durch die Stereotypen in der Darstellung der Figuren geht leider genau das verloren, was die Geschichten, die sie erleben, gerade so auszeichnet: Das Ăberraschungsmoment der RealitĂ€t. Der Einsatz, der Tonya und Ray in das Haus fĂŒhrt, hat nichts mit dem Fall zu tun, in den sie rein aus Zufall geraten. Das hat etwas erfrischend Unkonstruiertes - und reflektiert eine ganz alltĂ€gliche Erfahrung: dass Dinge, anders als in Film- und TV-DrehbĂŒchern, uns eben sehr oft rein zufĂ€llig widerfahren.
Die vielleicht stĂ€rkste Szene des Piloten ist die - ebenfalls zufĂ€llige - Begegnung von Ray mit dem gesuchten Killer in der Kneipentoilette. Er erkennt den Verbrecher, er greift sogar halbherzig zur Waffe. Doch, beschwipst wie er ist (und frisch zusammengestaucht von seinem Sergeant), traut er sich offenbar nicht die Festnahme des gefĂ€hrlichen Killers zu. Er lĂ€sst ihn an sich vorbeigehen. Das ist spannend, das ist verblĂŒffend - und es ist, wenn man darĂŒber nachdenkt „Was wĂŒrde ich als Polizei-Neuling nach meinem ersten Tag im Einsatz machen?“, absolut nachvollziehbar.
Fazit
Von den erzÀhlten Geschichten her ist NYC 22 ein gar nicht mal so uninteressantes Projekt. Einzig bei den Figuren hapert es noch etwas.
Promo zur Serie
Verfasser: Christian Junklewitz am Dienstag, 17. April 2012NYC 22 1x01 Trailer
(NYC 22 1x01)
Schauspieler in der Episode NYC 22 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?