
Selten zuvor sah man dem Weltuntergang so fröhlich entgegen wie in No Tomorrow, der jüngsten Dramedy des Networksenders The CW. Geschaffen wurde die Serie von der Produzentin Corinne Brinkerhoff, die ihr Können in der Vergangenheit schon bei Formaten wie The Good Wife, Elementary und Jane the Virgin unter Beweis stellte. Als Koschöpfer werden ihre weniger erfahrenen Kollegen Scott McCabe und Tory Stanton aufgeführt. Im Mittelpunkt der Serie steht ein frisch verliebtes Pärchen, das seine vermeintlich letzten Tage auf Erden gemeinsam auskosten will.
Listen up, everybody, the clock is ticking!
Protagonistin Evie (Tori Anderson) ist der Prototyp einer Langweilerin: Sie hat einen öden Bürojob bei einem großen Versandhaus, eine fiese Chefin, eine liebevolle Familie, eine On-off-Beziehung mit einem schüchternen Technikgeek und eine Handvoll Freunde, die sie von der Arbeit kennt. Sie ist Anfang dreißig, hat keine Kinder und will allzu bald noch keine kriegen. Große Pläne für die Zukunft hat sie auch nicht. Zwar hofft sie auf eine Beförderung, die es ihr ermöglichen würde, etwas mehr zu reisen, doch für besonders aussichtsreich hält sie ihre Chancen nicht.
Ganz anders ist da Xavier (Joshua Sasse): Er geht nicht arbeiten und das aus freien Stücken, Teile seiner Familie sitzen im Gefängnis oder reden nicht mit ihm, er hat zahlreiche Affären, verrückte Hobbys und trotz all dieses Chaos' einen genauen Plan, wie die nächsten acht Monate seines Lebens aussehen sollen. Denn diese werden seinen eigenen Berechnungen nach seine letzten auf Erden sein. Deshalb hat er eine bucket list geschrieben, mit all den Dingen, die er vor der Apokalypse noch erleben will - eine „Apocalyst“, wie er sie nennt. Darauf stehen Punkte wie Karaoke singen mit Bill Murray, den Nordpol besuchen, ein Feuerwehrauto fahren, Drogen ausprobieren oder an einer „Eyes Wide Shut“-Orgie teilhaben.
Zum ersten Mal aufeinander treffen Evie und Xavier bei einem Bauernmarkt in der Nähe von Seattle, wo die beiden leben. Auf Anhieb fallen sie einander auf: Er ihr wegen seines guten Aussehens, sie ihm wegen ihrer schüchternen, charmanten Art. Zu einem richtigen Gespräch kommt es jedoch noch nicht, da sie aus Verlegenheit die Flucht ergreift. Umso unglaublicher der „Zufall“, der sie später zum zweiten Mal zusammenführt...

Vor Evies Haus liegt nämlich ein Paket, das eigentlich an einen gewissen Xavier Holliday adressiert ist. Für sie die perfekte Gelegenheit, das Paket persönlich abzugeben und ihren Traummann besser kennenzulernen. Durch dessen charmante Fassade mit britischem Akzent und modischer Finesse blitzt jedoch schon rasch das wahre Wesen durch: ein verrückter Lebemann und Verschwörungstheoretiker, der ihr anhand einer Präsentation mit über 200 Folien erklären will, dass die Apokalypse naht. Er habe alles genau ausgerechnet und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass in exakt acht Monaten und zwölf Tagen ein Asteroid auf die Erde stürzen wird.
Für Evie sollten spätestens jetzt die Alarmglocken läuten, was im wahrsten Sinne des Wortes sogar passiert. Trotzdem ergreift sie nicht die Flucht, sondern lässt sich auf das riskante Abenteuer, Zeit mit solch einem Mann zu verbringen, ein. Wahrscheinlich ist sie selbst nicht ganz zurechnungsfähig - und so passen diese beiden doch eher unterschiedlichen Menschen perfekt zusammen. Sie beginnen schließlich, die ersten Punkte von Xaviers Liste abzuarbeiten - rasen zum Beispiel mit einem Geländewagen durch die Einöde. Evie springt dabei immer wieder über ihren eigenen Schatten, was beweist, dass Xavier ihr in gewisser Weise doch guttut.
Doch von langer Zeit ist ihr Glück nicht, da Xavier einen Schritt zu weit geht: In Evies Namen schreibt er eine Kündigung an deren Chefin Diedre (Amy Pietz), damit sie noch mehr Zeit mit ihm verbringen kann. Schockiert wendet sich Evie nun wieder an ihren stillen - so still, dass er manchmal sogar Untertitel braucht - Freund Timothy (Jesse Rath), der noch immer auf ihre Antwort hinsichtlich seines Heiratsantrags wartet. Er hilft ihr, dabei, den Job zurückzukriegen. Am Ende gehen beide aber trotzdem getrennte Wege, weil Evie Xavier doch nicht widerstehen kann. Mit ihm zusammen will sie noch mehr Abenteuer erleben, macht ihm vorher aber klar, dass er gewisse Grenzen einhalten muss. Mal sehen, wie schnell sie das bereut...
Fazit
No Tomorrow ist bunt, zuweilen absurd und oft erfrischend komisch. Diese Attribute gemischt mit der schwerwiegenden Weltuntergangsthematik dürften bereits Grund genug sein, der Serie eine Chance zu geben, wenngleich keine tiefgründigen Erkenntnisse zu existenzialistischen Fragen erwartet werden sollten. Mit ihrem Pilot legt die Dramedy zwar einen weniger eindrucksvollen Auftakt als ihre Schwesterserien Crazy Ex-Girlfriend oder Jane the Virgin (ebenfalls ein Format von The CW, das auf einer südamerikanischen Idee basiert) hin, dafür trifft sie aber einen vergleichbaren Ton. So sollten Liebhaber dieser Serien auch hier auf ihre Kosten kommen.
No Tomorrow kann außerdem mit einer vortrefflichen Darstellerriege aufwarten, angeführt von Tori Anderson (Killjoys) und Joshua Sasse (Galavant), zwischen denen man ausreichend Chemie wahrnimmt, so dass die Serie als „Romcom“ funktionieren kann. Komplettiert wird der Cast durch lustige Nebendarsteller wie Amy Pietz und Jesse Rath. Lobenswert sind auch das hohe Erzähltempo, die soliden Dialoge und die aufwändigen Setdesigns. Für die Zukunft bleibt abzuwarten, ob das Abarbeiten der „Apocalyst“ interessant genug ist, um mehrere Episoden oder gar ganze Staffeln zu füllen. Spannend dürfte aber auch sein, ob Xavier am Ende wirklich Recht behält...