„No Good Deed“ ist locker, aber spannend - und deshalb sehenswert

© Netflix
Das passiert in der Comedy-Crime-Serie „No Good Deed“
Paul Morgan (Ray Romano) und seine Frau Lydia (Lisa Kudrow) sind in der Serie No Good Deed fast pleite und müssen ihr schickes Haus in einer privilegierten Gegend von Los Angeles verkaufen. Der erste Besichtigungstag läuft eigentlich ganz gut, bis plötzlich der frisch aus dem Knast entlassene Mikey (Denis Leary) auftaucht und genau in die versteckte Kamera grinst, durch die die Morgans die Bewerber beobachten.
Einen Tag später taucht er auf Pauls Arbeit auf und fordert bis zum nächsten Tag 80000 Dollar Schweigegeld für eine Tat, die vor drei Jahren im Haus geschah und die nicht an die Öffentlichkeit gelangen darf. Von nun an stecken Paul und Lydia mächtig in der Klemme, denn woher sollen sie so viel Geld nehmen, wenn sie ihre ganze Hoffnung auf den Verkauf des Anwesens setzen? Da sind Verwicklungen vorprogrammiert...
Von Liz Feldman
Wer Dead to Me beim Streamingdienst Netflix gesehen hat, weiß in etwa, welche Tonlage einen erwartet, wenn man „No Good Deed“ einschaltet. Zu den altbewährten tragikomischen Elementen gesellt sich nun allerdings noch ein Schuss Krimi hinzu, der dem Ganzen einen neuen Twist verleiht.
Die Geschichte beginnt an sich recht harmlos in der Episode Besichtigungstag mit der Vorstellung der meisten Protagonisten, die sich soeben das Haus der Morgans anschauen, um es eventuell käuflich zu erwerben. Schon hier fällt auf, dass die Macher die Geschichte nicht ganz ernst nehmen wollen - eine Feststellung, die allerdings mehr im Score als in den Bildern zum Tragen kommt.
Der Score
Bevor wir weiter auf den Plot eingehen, schwenken wir an dieser Stelle aber zunächst einmal auf besagten Score von Siddhartha Khosla ein, auf dessen Konto immerhin die Soundtracks von so bekannten Formaten wie Only Murders in the Building, This Is Us und aktuell Elsbeth gehen. Das sind eigentlich gute Referenzen, deshalb verstehe ich auch nicht, warum Khosla in diesem Format so gnadenlos überpaced.
Ständig fliegen uns Klänge um die Ohren, die eindeutig dem Comedyserien-Spektrum zuzuordnen sind (in Spiccato oder Pizzicato gespielte Geigen und Cellos in betont beschwingt geheimnisvoller Notation und Ähnliches). Dabei ist es völlig egal, ob die jeweilige Szene dies hergibt oder nicht. Selbst eigentlich dramatische Momente können so mit einer Musik unterlegt sein, die nicht so ganz zur Situation passen will.
Das wirkt schon in den ersten 36 Minuten der insgesamt acht kurz angelegten Episoden nervig, es bleibt daher zu hoffen, dass der Komponist im Verlauf der rund 250 Minuten ein wenig zurückfährt und die Bilder zwischendurch einfach mal für sich sprechen lässt. Manchmal ist weniger eben doch mehr.
Der Bösewicht und die Neugierige

Das bedeutet nun aber nicht, dass sich die oben erwähnte Beobachtung durch die gesamte Folge zieht. Nach etwa 25 Minuten erleben wir beispielsweise mit, wie die allzu neugierige Leslie Fisher (Abbi Jacobson) regelrecht den Garten der Morgans infiltriert, um zu erfahren, was sich hinter einer verschlossenen Tür im Haus befindet.
Hier kommt zum ersten Mal eine fein getimte Situations-Comedy-Szene zum Einsatz, die musikalisch auf den Punkt untermalt ist und die den Witz der Szene perfekt unterstreicht. Überhaupt ist es interessant, dass Liz Feldman den Fokus so stark auf die Kaufbewerber legt. So erfahren wir schon früh mehr über Dennis (O. T. Fagbenle) und seine Frau oder eben über Leslie.
Die interessanteste Figur dürfte allerdings die bissige und relativ skrupellose Margo (Linda Cardellini) sein, die das Haus - warum auch immer - um jeden Preis haben möchte und dafür auch trotz Ehemann mit ihrer vorgeblich besten Freundin schläft. Freundschaft scheint für sie indes weniger als zweitrangig zu sein, vielmehr geht es ihr darum, ihren Willen durchzusetzen und dafür die Personen zu benutzen, die gerade dafür nötig sind.
Damit kommen wir zum möglichen Hauptantagonisten Mikey, der das düstere Geheimnis kennt, das Lydia und Paul vor der Welt verbergen... In einer kurzen Flashbacksequenz erfahren wir, dass in dem Haus jemand erschossen wurde. Doch was hat das mit dem vor drei Jahren verstorbenen Sohn der Morgans zu tun - und gibt es überhaupt einen Zusammenhang?
Solche und ähnliche Fragen lässt die erste Folge freilich unbeantwortet, da sie die eigentliche Triebfeder des Plots darstellen. Wie dem auch sei erweist sich Mikey als nicht gerade freundlicher Patron. Er droht Paul nicht nur mit der Enthüllung seines Geheimnisses, sondern hat auch keine Scheu, dessen Finger kurz in eine laufende Kreissäge zu halten.
Erfreulicherweise hält sich die Serie an dieser Stelle mit einem zu argen Blutfluss zurück, obwohl diese über eine FSK-16 verfügt und daher möglicherweise noch einige etwas härter angelegte Szenen auf uns zukommen könnten. Das ist zu diesem Zeitpunkt jedoch pure Spekulation und soll deshalb nicht weiter ausgeführt werden.
Der Humor
Abschließend sei noch einmal kurz auf den humoristischen Aspekt von „No Good Deed“ eingegangen, der zwar fraglos vorhanden, aber im Grunde genommen nur sehr rudimentär eingebaut ist. Bis auf die oben erwähnte Szene, in der Leslie durch den Garten der Morgans schleicht und eine unangenehme Begegnung mit dem Bewegungsmelder sowie mit der Sprinkleranlage des Grundstücks hat, bleibt nämlich nicht viel Erwähnenswertes.
In Verbindung mit dem Score entsteht so ein spürbarer Bruch in der Erzählung, zumal Liz Feldman und Silver Tree (Fatal Attraction) quasi permanent irgendwelche Gags andeuten, diese aber letztlich nicht durchziehen und das Publikum sozusagen im Regen stehen lassen.
Klar, im Kern haben wir hier ein Crime-Drama vor uns, doch wenn man sich komödiantisch gibt, ist es nicht ganz falsch, auch lustig zu sein. Das geschieht indes viel zu selten, wobei die erste Episode auch nur 36 Minuten kurz ist und wir noch sieben Folgen in einer Länge zwischen 30 und 35 Minuten vor uns haben. Da kann also noch eine Menge geschehen.
Fazit

Das Debüt der Serie „No Good Deed“ hinterlässt alles andere als einen schlechten Eindruck, wirkt aber stellenweise aufgrund er oben erwähnten Aspekte irgendwie inhomogen. Das mag sich im Verlauf der ersten Staffel der Produktion durchaus noch ändern, fällt in der Pilotfolge jedoch extrem auf...
Gleichwohl ist der Cast super, die Geschichte verspricht einige hübsche plot points und offene Fragen gibt es mehr als genug. Für ein, zwei unterhaltsame Abende dürfte es also auf jeden Fall langen, wenn vielleicht auch nicht zu einem Superhit.
Wir verteilen bisher dreieinhalb von fünf Immobilien.