Vielfach haben Fans und Verantwortliche im Zusammenhang mit der neuen Serie The Nine Lives of Chloe King des Senders ABC Family den Vergleich mit Buffy - The Vampire Slayer bemüht. Ein Vergleich, mit dem man der neuen Serie keinen Gefallen tut.

Skyler Samuels als Titelfigur in der Serie „The Nine Lives of Chloe King“ / (c) ABC Family
Skyler Samuels als Titelfigur in der Serie „The Nine Lives of Chloe King“ / (c) ABC Family

Chloe King (Skyler Samuels) ist ein halbwegs durchschnittlicher Teenager: Sicher, sie ist adoptiert, ihr Adoptiv-Vater hat sie und ihre Mutter Meredith (Amy Pietz) vor zehn Jahren verlassen. Aber Chloe hat zwei beste Freunde, jobbt und tagträumt vor ihrem 16. Geburtstag vom ersten „richtigen“ Kuss.

Eben bis kurz vor ihrem sweet sixteen Ehrentag: Plötzlich fühlt sich Chloe ungewöhnlich kraftvoll. Entdeckt, dass sie plötzlich mehr aus ihrem Körper holen kann als bisher und über ein „Super-Gehör“ verfügt - und sogar echte Klauen ausfahren kann. Natürlich kommt das nicht ohne Preis: Chloe wird ermordet.

Und ihr „zweites Leben“ ist dann auch ein recht radikaler Neuanfang: Chloe entdeckt, dass sie als gebürtige Ukrainerin genau genommen nicht nur ein Fremdling in den Vereinigten Staaten ist, sondern auch unter Menschen - sie ist ein Mai: Mitglied einer alten Rasse, die glaubt, von einer ägyptischen Göttin abzustammen. Und ein herausragendes Mitglied ihrer Rasse zudem: Denn als einzige hat sie mehr als ein Leben und scheint damit die Erfüllung einer alten Prophezeiung über einen Mai mit neun Leben zu sein.

So oder so: Als Mai kann Chloes Kuss tödlich für Menschen sein. Chloe hat zudem scheinbar eine eigene Nemesis, die ihren (zehnfachen) Tod will. Und von jetzt an muss sie ihr Teenager-Leben mit der Bestimmung, ein mystisch prophezeiter Heilsbringer zu sein, unter einen Hut bringen.

Kritik

Die Auftaktepisode der Serie The Nine Lives of Chloe King ist vollgestopft mit Exposition: Chloe in ihrer bürgerlichen Existenz, als Schülerin mit zwei besten Freunden, einer alleinerziehenden Mutter, der über wenige Tage dauernde Wandel vom normalen Menschen zum Mai, zwei Romanzen und zudem die gesamte Mysteryhandlung. Kein Wunder, dass dabei für die einzelnen Teile nicht viel Zeit geblieben ist.

Der Vergleich zu Buffy the Vampire Slayer drängt sich in der Tat auf: In beiden Serien geht es um eine junge Frau, die eine mystische Bestimmung hat, dazu übermenschliche Fähigkeiten um besagte Bestimmung zu erfüllen. Chloes beide besten Freunde, Amy (Grace Phipps) und Paul (Ki Hong Lee) entspringen den selben erzählerischen Notwendigkeiten, wie seinerzeit die Scooby-Gang aus Xander und Willow. Natürlich gehört ein langfristiger Gegenspieler - „Big Bad“ - in die Serie, ebenso wie Unterstützer aus den eigenen Reihen, die nach und nach mehr über die Mythologie hinter der Existenz der Protagonistin preisgeben können - und Jungs!

Chloe steht ganz offensichtlich zwischen zwei Jungs: dem Mai Alek und dem Mensch Brian - der ein düsteres Geheimnis hat. ©%26nbsp;ABC Family
Chloe steht ganz offensichtlich zwischen zwei Jungs: dem Mai Alek und dem Mensch Brian - der ein düsteres Geheimnis hat. ©%26nbsp;ABC Family

Doch gerade in dem Vergleich mit Buffy the Vampire Slayer machen sich eben die Schwächen bei The Nine Lives of Chloe King deutlich bemerkbar: Die Figuren wirken sehr plakativ, klischeehaft. Bereits der Auftakt der Serie ist mit Mysterien überladen, was durch einen Doppelschlag am Ende noch verschlimmert wird - Chloes Vater ist nicht nur am Leben, sondern gibt auch noch kryptische Warnungen und einer der beiden neuen Jungs in Chloes Leben gehört der Gegenseite an.

Stark unter der Platznot im Serienpiloten hat sicherlich die Einführung der Hauptfigur gelitten. Während deren Leben sich zu ihrem 16. Geburtstag auf geradezu beängstigende Art ändert, nimmt Chloe dies ohne großes Wundern hin. Bemerkenswert: Chloes spontane Akzeptanz gegenüber ihrer plötzlichen sportlichen Fähigkeiten und vor allem den Krallen.

Ebenso wie die Figuren sind im Serienauftakt die genretypischen Sprüche noch alles andere als organisch - welcher gefesselte Mensch würde schon unter Hinweis auf seine mangelnde „upper body strength“ um Befreiung bitten?

In Sachen Action fällt das Urteil noch zwiegespalten aus. Die ungewöhnlichen körperlichen Fähigkeiten von Chloe werden mit der mittlerweile nicht mehr ganz so ungewöhnlichen Sportart Parkours - die Bewegung durch die Umgebung unter Einbeziehung von Weghindernissen - ordentlich eingebunden, verliert dabei allerdings auch das „Übernatürliche“. Den großen Kampf im Serienauftakt haben die Produzenten dann aber doch lieber in guter alter B-Serien-Tradition im Dunkeln ausfechten lassen.

Die Hauptfiguren der Serie %26bdquo;The Nine Lives of Chloe King%26ldquo; Jasmine (Alyssa Diaz); Alek (Benjamin Stone); Chloe (Skyler Samuels); Paul (Ki Hong Lee); Amy (Grace Phipps) und Brian (Grey Damon) © ABC Family
Die Hauptfiguren der Serie %26bdquo;The Nine Lives of Chloe King%26ldquo; Jasmine (Alyssa Diaz); Alek (Benjamin Stone); Chloe (Skyler Samuels); Paul (Ki Hong Lee); Amy (Grace Phipps) und Brian (Grey Damon) © ABC Family

Den jungen Darstellern an der Seite von Skylar Samuels mag man in der Auftaktepisode das hölzerne Spiel noch nachsehen. Allerdings darf bei Benjamin Stone doch schon mal angemerkt werden, dass der Darsteller der Sportskanone Alek zwar sportlich aussieht, sich aber nicht sonderlich elegant zu bewegen weiß.

Fazit

Fernsehserien leben davon, Altbekanntes zu nehmen und in überraschender Weise neu zu kombinieren. Im Idealfall mit einer gewissen Weiterentwicklung. Bei The Nine Lives of Chloe King scheinen recht deutlich drei Inspirationen durch: Die Serie Buffy the Vampire Slayer dient als Vorlage für das Grundkonzept. Dark Angel gibt einige weitere Elemente vor, etwa dass die Hauptfigur durchaus katzenartig ist, ihre Küsse für zumindest einen Mann in ihrem Leben tödlich sind oder dass es für ihre normalsterblichen Freunde extrem gefährlich werden dürfte, sich in der Nähe der Heldin aufzuhalten.

Darüber hinaus ist erstaunlicherweise How I Met Your Mother anzuführen: So wie man bei der dortigen „Slap-Bet“ auf die fünf Ohrfeigen wartet, die im Laufe der Zeit verteilt werden, dürften es bei „Chloe King“ die neuen Leben sein, die nach und nach heruntergezählt werden. Passenderweise hat Chloe das erste Leben dann auch gleich mal im Serienauftakt ausgehaucht bekommen.

Es gibt nun zwei Arten, wie Fernsehserien mit ihren Vorbildern umgehen können: Durch das Hinzufügen von gewagten Elementen kann einerseits der Fernsehgeschichte ein weiteres Kapitel hinzugefügt werden. Oder durch das wahllose Vermischen und Verwässern der Vorlagen wird kurzlebige Feierabendunterhaltung geschaffen. Nach dem Serienpiloten befindet sich The Nine Lives of Chloe King sicherlich auf letzterem Weg: Unterhaltung für eine Altersgruppe, die die Vorbilder nicht mehr unbedingt kennt.

Diese Serie passen auch zu «The Nine Lives of Chloe King»