Nikita 3x16

Das passiert in der Nikita-Folge Tipping Point:
Michael (Shane West) hat eine Adresse ausfindig gemacht, wo das Hauptquartier der geheimen Organisation von Dr. Heidecker (John Billingsley, Star Trek: Enterprise) liegen könnte, welche von Birkhoff (Aaron Stanford) in Anlehnung an Stephen King „The Shop“ getauft wurde. Als Michael und Nikita (Maggie Q) nachschauen, ist der Wissenschaftler-Geheimbund jedoch schon ausgeflogen. Zurückgelassen hat er jedoch ein Geschenk für Michael: eine aus seiner eigenen DNA geschaffene Hand-Prothese. Einziger Haken: Angebracht werden kann die Hand nur von „The Shop“ selbst - und dafür stellen die Wissenschaftler vertreten durch eine Videonachbildung des verblichenen Dr. Heideckers eine Bedingung. Division soll für sie Prionen, wie man sie in der medizinischen Forschung, aber auch gegebenenfalls zur Herstellung biologischer Waffen verwendet, aus einem chinesischen Laboratorium stehlen.
Sonya (Lyndie Greenwood) kann unterdessen knapp einen Sabotageakt im Serverraum von Division verhindern. Die von Alex (Lyndsy Fonseca) verbreitete Botschaft, dass die Regierung Division mit der sofortigen Auslöschung bedroht, sollte etwas von der Existenz der Einrichtung publik werden, hat offenbar dazu geführt, dass sich einige Agenten schon etwas eher absetzen wollen...
The Shop
Tipping Point ist eine sehr durchwachsene Folge, an der es manches zu loben, aber doch auch sehr viel zu kritisieren gibt. Fangen wir mit dem Lob an. Es gibt einige sehr schöne und überraschende Twists, wie etwa die Enthüllung, dass sich das chinesische Forschungsunternehmen mit Absicht hat beklauen lassen, weil es offenbar mit „The Shop“ unter einer Decke steckt - und dabei hinter dem Rücken der Regierung in Peking handelt. Auch scheint es keineswegs so zu sein, dass es sich bei „The Shop“ nur um einen Think Tank von (US-) regierungstreuen Wissenschaftlern handelt.
O Alex!
Ebenfalls eine Überraschung ist natürlich die Tatsache, dass Alex hinter der Meuterei in Division steht. Wobei das durchaus Sinn ergibt: schließlich ist sie seit dem Einsatz in Süd-Ossetien (The Life We've Chosen) sehr kritisch, was Nikitas Entscheidungen und die Leitung von Division angeht. Und in Inevitability ist sie es gewesen, die sich gegen den übrigen Führungszirkel gestellt und im Alleingang die Belegschaft von Division über den Regierungsplan aufgeklärt hat. So weit, so gut.
Was dann kommt, lässt einen jedoch die Haare raufen: Alex schießt Ryan (Noah Bean) über den Haufen - und ein Mini-Flashback suggeriert, dass sie wohl doch irgendwie unter dem Einfluss von Amanda (Melinda Clarke) steht. Das ist so ärgerlich, dass man am liebsten den Bildschirm schütteln würde: Bis hierhin hatte Alex wiederholt - zuletzt auch noch mal im Gespräch mit Sean (Dillon Casey) - darauf hingewiesen, dass man auch mal komplett anderer Meinung als Nikita sein kann, ohne dass dies gleich bedeutet, dass man selbst von irgendwelchen finsteren Mächten manipuliert worden ist. Das war ein sehr guter, ein sehr reifer, ein sehr erwachsener Standpunkt, den Alex hier vertreten hat. Welcher nun aber durch den Amanda-Flashback und Alex' geradezu erratisches Verhalten komplett konterkariert wird. Wie gesagt: sehr ärgerlich!
Visionär?
Nebenbei gesagt: Nikitas Reaktion auf Ryans Verwundung fällt maßlos überzogen aus. Dass sie darüber betroffen ist, geht ja in Ordnung. Auch ein hohes Maß an Besorgnis ist angesichts ihrer Freundschaft zu ihm angebracht. Aber die Tränen? Die Rede voller Pathos auf den „Visionär“ Ryan Fletcher? Das wirkt doch sehr übertrieben. Dieser Eindruck geht natürlich möglicherweise auch darauf zurück, dass der Rezensent das Konzept der dritten Staffel mit ihrem „Wir müssen Division abwickeln“ und „Wir müssen abtrünnige Agenten einsammeln“ nie wirklich sonderlich überzeugend oder spannend gefunden hat. Weshalb ihn dann auch alle Elogen auf den Architekten dieser Neuausrichtung - innerhalb der Fiktion - entsprechend kalt lassen.
Freiheit ist wie Radfahren
Ach ja, die Tatsache, dass die „Meuterer“ in Tipping Point darauf hoffen, durch ein Zerstören des Tracking-Servers ihre Freiheit zu erlangen, erinnert einen als Zuschauer schmerzlich daran, dass Nikita & Co. seit Beginn der Staffel eigentlich auch selbst an einem Plan hätten arbeiten können, um sich aus dem Würgegriff der Regierung zu befreien. Das hätte eine so viel spannendere Geschichte ergeben können. Aber nun... vergossene Milch.
SpyFi
Die Macher von Nikita haben in Tipping Point offenkundig erkannt, das ihnen zuvor, in Brave New World, ein eigentlich unverzeihlicher Fehler unterlaufen ist: man hätte eine so wunderbar vielschichtige Figur wie Dr. Heidecker natürlich niemals schon nach bloß einer Folge sterben - und damit auch einen so wundervollen Gastdarsteller wie John Billingsley ziehen lassen dürfen. In Tipping Point versuchen sie diesen Fehler dadurch wettzumachen, dass sie Dr. Heidecker als digitale Videomaskierung wiederauferstehen lassen, was insbesondere zu Beginn auch sehr schön dadurch gelöst ist, dass immer mal wieder die Stimme des echten Gegenübers durchzukommen scheint.
Zugleich macht dieses Verfahren jedoch auf ein großes Problem aufmerksam, welches Tipping Point in seinem Hauptplot mit sich herumträgt: Nikita ist immer ein bisschen SpyFi gewesen. So bezeichnet man das Untergenre der Agentenserie, welche Beimischungen von Science Fiction enthält (dazu gehören etwa auch „Mit Schirm, Charme und Melone“, Alias - und immer wieder auch James Bond, etwa in „Moonraker“). In Tipping Point geht Nikita aber einfach ein Stück zu weit: Eine vollautomatische Roboter-OP mit Laserstrahlen? Ein fahrerloses Auto? Es soll gar nicht in Abrede gestellt werden, dass diese Dinge vielleicht möglich sind. Aber es erweckt doch den Eindruck, als ob hier in Sachen SciFi einfach ein bisschen zu dick aufgetragen wurde.
Fazit
Die Folge Tipping Point hat ihre Momente, zum Beispiel als Michael Nikita gegenüber eingesteht, wie sehr er ihre gemeinsamen Außenmissionen vermisst. Doch gleichzeitig gehen auch so manche Dinge in der Episode gehörig schief.
Trailer zu Folge 3x17 „Masks“
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 7. April 2013(Nikita 3x16)
Schauspieler in der Episode Nikita 3x16
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?