Nikita 3x03

Das geschieht in der Nikita-Episode True Believer:
Mia (Scottie Thompson, Trauma) ist eine Division-Agentin, die noch zu Percys Zeiten verdeckt in eine linke Terrorgruppierung namens Der dritte Weg eingeschleust worden ist. Ryan (Noah Bean) hat die Operation nach dem Führungswechsel bei Division auf den ausdrücklichen Wunsch Mias hin weiterlaufen lassen. Bei einer FBI-Razzia wird sie jedoch festgenommen.
Nikita (Maggie Q) und Alex (Lyndsy Fonseca) wollen sie aus dem Gefängnis befreien. Alles läuft auch weitestgehend wie geplant. Bis Mia sich plötzlich absetzt - und vorher noch Alex anschießt. Offenkundig tut sie nicht nur so, als würde sie zur Terrorgruppe gehören, sondern hat tatsächlich die Seiten gewechselt. Joshua (David Meunier, Justified), der Anführer der Terroristen, plant einen Anschlag auf einen US-Senator. Nikita ist wild entschlossen, ihn und Mia aufzuhalten. Als sie Mia stellt, erlebt sie jedoch eine Überraschung...
Selbstzweifel
Mit True Believer verhält es sich so ähnlich wie schon mit den beiden vorangegangenen Folgen der dritten Staffel: Betrachtet man die Folge von den Figuren her, so ist sie durchaus nicht uninteressant. In Mia erkennt Nikita so etwas wie ihr Spiegelbild. Eine Agentin, die sich, nachdem sie sich ihrer schrecklichen Untaten bewusst geworden ist, von Division abgewandt und einen Kampf für eine tatsächlich oder vermeintlich gute Sache aufgenommen hat. Mit einem Unterschied: Mia ist eine True Believer. Sie ist felsenfest von der Richtigkeit ihres Kampfes überzeugt, während Nikita dagegen inzwischen von Selbstzweifeln geplagt ist.
Die letzten Jahre hat sie mit dem Kampf gegen Division verbracht. Nun arbeitet sie für eine modifizierte Version von Division. Ist das aber wirklich eine Sache, an die sie glaubt? Für die sie sterben würde? Als es darum ging, Percy zu bekämpfen, da war sie bis zum Äußersten motiviert. Doch nun kommt es ihr so vor, als habe sie ihren Biss verloren.
Dieser figurenzentrierte Strang sorgt für die beiden wohl schönsten Szenen der Folge: Das Gespräch zwischen Nikita und Alex, welches damit endet, dass sie einander nach den Händen greifen - und sich damit des gegenseitigen Halts versichern. Und der Dialog zwischen Alex und Sean (Dillon Casey), in dem Alex ein klares Bekenntnis dazu abgibt, woran sie glaubt: nämlich an Nikita. Und zwar wegen ihrer Selbstlosigkeit. Obwohl Mia sie aus dem Fenster geworfen hat, versucht sie immer noch, ihr zu helfen. Anders als es die Terroristen offenbar gegenüber ihrem Anführer handhaben, ist Alex' Loyalität nicht blind, sondern wohlfundiert und -überlegt.
Ziellos
So schön diese Szenen - natürlich darf hier auch die sich anbahnende Bromance zwischen Michael (Shane West) und Sean nicht unerwähnt bleiben - auch sind, um ein tieferes Verständnis für die Figuren und ihre Beziehungen untereinander zu entwickeln, so können sie das eklatante Defizit, welches die Folge in puncto Spannung aufweist, doch nicht aufwiegen.
Im Grunde bringt die Folge ein zentrales Problem dabei selbst zur Sprache: Nikita ist einfach nicht mehr gut genug motiviert. Und das eben auch im dramaturgischen Sinne. Die große Schlacht gegen Percy ist geschlagen. Und nun weiß sie selbst nicht so recht, was sie ist oder soll. Natürlich darf der Held / die Heldin einer Geschichte auch mal Selbstzweifel haben. Aber nur so lange es für ihn - in den Augen des Zuschauers - ein oder mehrere dramaturgische Ziele zu erreichen gilt. Dann sind Selbstzweifel sogar ein sehr gutes Mittel, um die Spannung zu steigern. Wir wünschen uns für den Helden, dass er an sein Ziel kommt, aber ein innerer Konflikt steht ihm dabei im Weg. Das ist super.
Das Problem mit Nikita ist jedoch, dass auch wir Zuschauer im Augenblick kein großes dramaturgisches Ziel für unsere Heldin sehen. Und dann sind Selbstzweifel und Motivationsschwäche auf ihrer Seite in der Tat tödlich. Denn wie soll Spannung entstehen, wenn unsere Heldin nicht 100 Prozent motiviert ist?
Das Ziel, die verbliebenen Division-Agenten einzusammeln, ist nur von einer sehr geringen persönlichen Relevanz für Nikita. Entsprechend schwer fällt es nicht nur ihr, sondern auch uns, das als ein drängendes Problem wahrzunehmen, welches wirklich maximalen Einsatz erfordert.
Spannungsverlust
Umgekehrt sind auch die Hindernisse, mit denen sie sich konfrontiert sieht, einfach unwürdig. Ganz abgesehen davon, dass der Links-Terrorismus einem wie ein Relikt aus den 70er Jahren vorkommt, trägt auch das ganze Gerede davon, dass Joshua mal ein Delta gewesen ist, nicht wirklich dazu bei, ihn als ernsthafte Gefahr auszuweisen. Zu klein und unbedeutend wirken er und seine Leute im Vergleich zu den Gegnern, mit denen es Nikita & Co. bislang zu tun hatten. Die leeren Ränge in der Arena - offenbar reichte das Geld weder für ausreichend Statisten noch für CGI, um das zu beheben - tragen schließlich das Ihrige dazu bei, um dem finalen Showdown jeden Anschein einer großen abzuwendenden Bedrohung zu nehmen. Damit tendiert der Spannungswert gegen Null.
Fazit
Ich bin über mich selbst erschrocken, aber zum ersten Mal habe ich während dieser Folge gedacht: Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn The CW die dritte Staffel nicht bestellt hätte...
Zumindest der Trailer für die nächste Folge macht ein bisschen Hoffnung.
Trailer zu Folge 3x04 „Consequences“
Verfasser: Christian Junklewitz am Sonntag, 4. November 2012(Nikita 3x03)
Schauspieler in der Episode Nikita 3x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?