Nightflyers: Review der Pilotepisode

Nightflyers: Review der Pilotepisode

George R. R. Martins Science-Fiction-Horror-Novelle Nightflyers ist bei Syfy zur Serie geworden. Wir haben uns die Pilotfolge angesehen und verraten Euch, was an Bord des Raumschiffs Unheimliches vor sich geht.

Die Crew aus „Nightflyers“ (c) Syfy
Die Crew aus „Nightflyers“ (c) Syfy
© ie Crew aus „Nightflyers“ (c) Syfy

Game of Thrones-Autor George R. R. Martin hatte überhaupt nicht auf dem Schirm, dass er die Fernsehrechte an seiner Novelle Nightflyers ebenfalls verkauft hatte, als es Mitte der 80er Jahre um die Umsetzung der Filmversion ging, wie er kürzlich im Interview mit der New York Times offenbarte. Einige Rechteinhaber später wurde das Serienprojekt nun von Dexter-Showrunner Daniel Cerone für Syfy realisiert. Mit einigen Ausarbeitungen und Änderungen, denn wie für den Genre-Autor typisch, müssen die Wissenschaftler seiner Sci-Fi-Horrorgeschichte in kürzester Reihenfolge die Löffel abgeben.

Dass vermutlich auch die Serie kein gutes Ende nehmen wird, suggeriert das Intro, welches uns in einen Flashback mitnimmt, in dem die vermutlich letzte Überlebende der Crew, Dr. Agatha Matheson (Gretchen Moll), ums Überleben kämpft, während ihr Kollege Rowan (Angus Sampson) sie wie in einem Slasher-Film mit einer Axt verfolgt. Ihr gelingt es gerade noch, eine Warnung ins All hinauszuschicken, ehe sie aufgibt und sich mit einer Kreissäge auf sehr unschöne Weise das Leben nimmt. Wie in Westeros scheint auch im Weltall das Motto „All men must die“ zu gelten.

Syfy
Syfy - © Syfy

Zurück am Anfang der Geschichte schreiben wir das Jahr 2093. Die Erde ist durch den Einfluss des Menschen in keinem guten Zustand. Als letzte Hoffnung der Menschheit wird ganz wie in Lost in Space ein Raumschiff entsandt. Es soll Kontakt mit den Aliens namens Volcryn aufnehmen, die bislang aus unerfindlichen Gründen Funkstille halten. In der Hoffnung, auf andere Weise mit ihnen kommunizieren zu können, bringt die Psychologin Dr. Matheson den jungen Telepathen Thale (Sam Strike) an Bord, was den Rest der Crew in helle Aufregung versetzt. Sind die sogenannten L-1-Personen doch nicht ganz ungefährlich, gerade wenn es sich dabei um einen rebellischen jungen Mann wie Thale handelt?

So verwundert es nicht, dass der Junge bald für verantwortlich gehalten wird, als es wiederholt zu unerklärlichem Spuk auf dem Raumschiff kommt. Nur ist für den Zuschauer recht offensichtlich, dass bis auf ein paar Streiche und Notwehraktionen vonseiten Thales etwas anderes dahinterstecken muss. Nicht ganz vertrauenswürdig wirkt zum Beispiel auch Captain Roy Eris (David Ajala), der sich nur als Projektion auf dem Schiff blicken lässt und die anderen wie HAL 9000 aus „2001: A Space Odyssey“ durch rotäugige Kameras überwacht. Oder handelt es sich bei ihm in Wirklichkeit um das Schiff-Interface mit künstlicher Intelligenz? Auch das Raumschiffdesign mit seiner zentrifugalen, künstlichen Schwerkraft, in der sogar als direkte Referenz gejoggt wird, erinnert an den berühmten Film von Stanley Kubrick.

Ein besonderes Interesse hat der Captain für die genetisch für Weltraumreisen optimierte Melantha (Jodie Turner-Smith), die körperlich und vielleicht sogar romantisch mehr an der geschlechtlich ambivalenten Lommie (Maya Eshet) interessiert ist, die per Neuro-Port mit dem Schiff verbunden werden kann. Bahnt sich etwa auch noch ein Eifersuchtsdrama an? Übrigens ist auch Biologe Rowan als etwas mürrischer, aber noch wenig mordlustiger Xenobiologe an Bord, was anzudeuten scheint, dass hier jemand oder etwas von den Menschen Besitz ergreift. Vielleicht sind die unnahbaren Aliens doch nicht so kommunikationsfaul wie bisher gedacht...

Mit die ersten Horrorelemente kommen durch den Astrophysiker Karl D'Branin (Eoin Macken) an Bord. Er hat seine Tochter verloren und wird von der unheimlichen Macht am Schiff von Visionen gequält, die ihn seine tote Tochter sehen lassen. Das Ganze spielt sich jedoch weniger wie in Solaris ab und hat mehr mit dem klassischen Horrorfilm „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ gemein, in welcher die scheinbar spukende Tochter sogar einen ähnlichen roten Regenmantel trägt. Ihm ist auch der effektive Gruselmoment gewidmet, als die Kommunikation mit seiner Frau abbricht und der Bildschirm-Glitch ihr Gesicht in eine furchteinflößende Fratze verwandelt.

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Syfy - © Syfy

Wie im kürzlich auf YouTube Premium veröffentlichten Origin haben wir es hier mit einem Genremix zu tun, der sich nicht mehr ganz frisch anfühlt und an viele bereits dagewesene Sci-Fi-Horrorfilme wie „Event Horzion“ erinnert. Immerhin wirken die Charaktere in dieser Version von Anfang an etwas interessanter und mit einem größeren Spektrum an Emotionen ausgestattet als in „Origin“, auch wenn wir uns wohl nicht zu sehr an sie gewöhnen sollten. Gleichzeitig drängt sich die Frage auf, ob eine dünne Novelle mit Slasherfilm-Rhythmus genügend Grundstoff für eine zehnteilige Serie bietet und womit diese für die Laufzeit aufgeblasen werden kann.

Die erste Stunde von Nightflyers kann jedenfalls als recht unterhaltsam verbucht werden und liegt wie zuletzt The Expanse über dem Syfy-Durchschnitt, was Ausstattung und production value angeht.

Hier der Trailer zu „Nightflyers“:

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