Nicht eine mehr: Review der Pilotepisode der spanischen Netflix-Serie

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Die Dramaserie Nicht eine mehr erlebt gerade einen Hype, der nicht ganz so zu erwarten war. In den Netflix-Charts steht sie auf dem ersten Platz. Ist das rein den Ähnlichkeiten zu anderen Erfolgsformaten wie 13 Reasons Why und Elite zu verdanken oder steckt mehr dahinter?
Wovon handelt die Serie „Nicht eine mehr“?
Wir lernen Alma (Nicole Wallace) kennen, wie sie die Schule mit einem Plakat schockiert. Es geht drum, dass sie jemandem Vergewaltigung vorwirft. Wen sie beschuldigt, das lässt sie offen. Nur, dass er sich in der Schule befindet, das verrät sie.
Mit dieser starken Szene beginnt die Pilotepisode der neuen, spanischen Serie. In der darauffolgenden Dreiviertelstunde gehen wir mit Alma durch einen zunächst recht üblich wirkenden Teenageralltag.
Sie hat zwei beste Freundinnen, Freigeist Greta (Clara Galle) und Nata (Aïcha Villaverde). Erstere versucht Alma halb spielerisch mit wiederholten Küssen zu einer lesbischen Beziehung zu bewegen, nimmt es aber mit Humor, dass Alma mehr an ihrem Bruder, dem Drogendealer David (José Pastor) interessiert ist. Nata hat vor allem mit ihrem Freund Alberto (Gabriel Guevara) zu kämpfen. Die Beziehung der beiden schwankt zwischen Idylle und großen Szenen im Einkaufszentrum. Doch los kommt sie dennoch nicht von ihm...
Almas Eltern machen sich zunehmend Sorgen um ihre Tochter, deren Schulnoten abfallen und die Warnungen der Lehrer daher immer lauter werden. Doch Alma hat keine Lust auf Familienleben, auch wenn sie in den früheren Zeitebenen trotzdem immer sehr liebevoll mit ihrem kleinen Bruder umgeht und auch zu ihren Eltern ein halbwegs gutes Verhältnis pflegt.
Im Einkaufszentrum trifft Alma eines Tages auf Berta (Teresa de Mera), eine alte Freundin, die mittlerweile auf eine andere Schule geht. Alma ist dieser Freundschaft entwachsen, während Berta zwar mit ihrer neuen Kunstschule auf den ersten Blick sehr glücklich wirkt, aber Alma trotzdem nicht ganz loslassen möchte.
In der Pilotepisode kommt es zu einem kleinen Showdown, als Almas Eltern ihr nach einem positiven Drogentest Hausarrest verpassen - genau an dem Abend, an dem David Alma und Greta zu einer coolen Party eingeladen hat. Alma schleicht sich aus dem Haus, um zu feiern. Doch sie verpasst den Bus und bekommt schließlich ein Mitfahrangebot von zwei undurchsichtigen Bekannten von David...
Wie kommt es rüber?
Die Serie Nicht eine mehr rollt die Story von hinten auf. Auch nach der ersten Episode (und einigen weiteren) weiß man nicht wirklich, was zwischen den Zeitsträngen geschehen ist. Immer wieder wird damit gespielt, dass es ein Davor und ein Danach gibt - vor der Vergewaltigung und danach eben.
Doch, was wir schnell erahnen können, sind die doppelten Böden, die die Autoren einbauen, um die gesellschaftlichen Erwartungen zu entkräften. So kann man natürlich erwarten, dass Alma Böses widerfährt, als sie ins Auto zu den beiden zwielichtigen Gestalten steigt. Doch die wahre Bedrohung versteckt sich in ihrem Schulgebäude...
Um wem es sich dabei handelt, das bleibt lange offen. Anders als zum Beispiel 13 Reasons Why versucht die spanische Serie nicht, auf Schockeffekte zu setzen, sondern punktet mit Schmerz, Brutalität und Gefühlen, die wir aus den Dialogen, den Gesichtern, dem Subtext lesen und eher weniger aus schockierenden Szenen.
Im Zentrum stehen die unterschiedlichen jungen Frauen und ihre gemeinsame und einzelne Reise durch eine Welt, in der sie vielen Gefahren ausgesetzt sind.
Wir vergeben daher für die neue Produktion: drei von fünf Drogentests