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SerienBiz: RTL streicht nach der Sky-Übernahme 500 weitere Stellen

SerienBiz: RTL streicht nach der Sky-Übernahme 500 weitere Stellen

RTL Medienunternehmen Firmensitz am Kölner Messeturm.
RTL Medienunternehmen Firmensitz am Kölner Messeturm. © IMAGO / HMB-Media

Paramount erwägt den Umzug aus Kalifornien, SkyShowtime steht zur Disposition und RTL Deutschland streicht weitere 500 Stellen.

Eine Woche, in der gleich mehrere Konzerne ihre Grundfesten verschieben. In Hollywood eskaliert der Streit um die größte Medienfusion der Gegenwart, in Europa wackelt ein ganzer Streamingdienst, und in Köln und Unterföhring zählt man die Arbeitsplätze. Dazu kommt eine Bündelwelle im amerikanischen Streaming, die das Verhältnis zwischen Plattformen und Anbietern neu sortiert. Wir haben die wichtigsten Geschäftsmeldungen der Woche zusammengetragen.

Paramount droht mit dem Auszug aus Kalifornien

Paramount hebt den Streit um die Übernahme von Warner Bros. Discovery auf die politische Ebene. Schon im August drohte Konzernchef David Ellison mit dem Abzug aus Hollywood, jetzt wird daraus ein Plan. Kalifornien würde das Studio nach über hundert Jahren verlassen, sollte der Bundesstaat seine Klage nicht zurückziehen. Intern gilt das laut Deadline als ernst gemeint. Informiert wurde auch Generalstaatsanwalt Rob Bonta, der zwölf klagende Bundesstaaten anführt. Der Prozess um den 110 Milliarden US-Dollar schweren Zusammenschluss beginnt im März 2027.

SkyShowtime steht zur Disposition

Der erste sichtbare Kollateralschaden der Fusion trifft Europa. Der Verwaltungsrat des Gemeinschaftsunternehmens von Paramount und Comcast hat eine Prüfung strategischer Optionen für SkyShowtime eingeleitet, die ausdrücklich eine Abwicklung einschließt. The Hollywood Reporter zitiert aus dem Brief an Geschäftsführer Monty Sarhan, wonach noch keine Entscheidung gefallen sei. Der Dienst startete vor gut vier Jahren als Zugang zu jenen europäischen Märkten, in denen weder Paramount+ noch Peacock verfügbar waren. Neben der Abwicklung gilt auch ein Verkauf als denkbar.

Amazon und Roku treiben die Bündelwelle

Innerhalb von zwei Tagen haben zwei Plattformen ihre bislang größten Paketangebote vorgestellt. Amazon Prime Video bündelt erstmals fünf Dienste in einem Abo, darunter AMC+, BritBox, MGM+ und Starz, für 29,99 US-Dollar im Monat. Das entspricht einer Ersparnis von knapp 39 Prozent gegenüber Einzelabos, zum Bestand gehört unter anderem „Outlander“. Einen Tag später öffnete Roku seinen Abobereich für 30 neue Kombinationen mit HBO Max, Fox One und anderen. Laut Zahlen des Analysehauses Antenna wären 76 Prozent dieser Anmeldungen ohne die Plattform nicht zustande gekommen.

Disney sortiert das Streaminggeschäft neu

Bei Disney fallen innerhalb von zwei Tagen drei Personalentscheidungen an der Spitze. Adam Smith verantwortet das Direktgeschäft künftig allein und wird Chairman Direct-to-Consumer, sein bisheriger Co-Chef Joe Earley wechselt in eine neue Rolle für Markenstrategie im Fernsehgeschäft. Eric Schrier gibt die internationalen Originals ab. Einen Tag später berief Disney seinen ersten Technikvorstand, Karandeep Anand. Der kommt ausgerechnet von Character.AI, jener Firma, die Disney vor einem Jahr wegen geschützter Figuren abgemahnt hatte. Zuletzt sorgte ein Vorschlag für Unruhe im Konzern.

RTL Deutschland streicht 500 weitere Stellen

Die größte deutsche Meldung der Woche kommt aus Köln und Unterföhring. RTL Deutschland baut bis Ende 2027 rund 500 weitere Stellen ab, den größeren Teil davon noch in diesem Jahr. Etwa 150 entstehen durch auslaufende Verträge und unbesetzte Stellen, wie der Konzern gegenüber DWDL.de bestätigte. Hintergrund sind die nach der Übernahme von Sky angekündigten Einsparungen von 250 Millionen Euro pro Jahr. Was der Zusammenschluss für Kunden bedeutet, haben wir hier aufgeschrieben. Der DJV spricht von über tausend Kündigungen binnen eines Jahres.

Alle SerienBiz-Kolumnen im Überblick

Snäxx startet am 1. November

Aus Freiburg kommt Konkurrenz im europäischen Mikrodrama-Geschäft. Black Forest Studios bringt am 1. November die App Snäxx für iOS und Android an den Start, im Beirat sitzt zum Beispiel Schauspieler Boris Kodjoe. Zum Launch stehen 16 abgeschlossene Serien bereit, darunter „Black Forest Royale“ und das Arztdrama „Mountain Medical Klinik“. Die Plattform will Europas erste Premium-Adresse des Genres sein.

Constantin vor dem Teilverkauf, MFE mit Werbeschwäche

In München bereitet sich Constantin Film auf einen neuen Investor vor. Jüngste Beschlüsse erlauben dem Mehrheitsgesellschafter, ein Drittel der Anteile abzugeben. Beta Film gilt seit Monaten als Interessent, Geschäftsführer Moritz von Kruedener sagte DWDL.de dazu nur, man beobachte die Situation. Bei der ProSiebenSat.1-Mutter MFE fiel der Halbjahresumsatz derweil um 6,1 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro. Der Nettogewinn stieg dank strikter Kostendisziplin von 6,9 auf 50,5 Millionen Euro. Die Werbeerlöse geben in allen Märkten nach, am stärksten in der DACH-Region.

Deutscher Bezahlmarkt stagniert, Leonine sucht neue Erlöse

Der VAUNET musste seine Prognose kassieren. Statt der erwarteten 5,8 Milliarden Euro blieb der deutsche Pay-TV- und VoD-Markt 2025 bei 5,5 Milliarden stehen, für dieses Jahr rechnet der Verband nur mit einem kleinen Plus. Leonine wiederum nennt 2026 das schwerste Geschäftsjahr seit der Gründung. Firmenchef Fred Kogel fordert eine Investitionsverpflichtung und einen Steueranreiz nach europäischem Vorbild und drängt mit dem Konzern ins Geschäft mit Kreativen im Netz. Das Umsatzziel liegt weiterhin bei 500 Millionen Euro.

Klagen gegen Streamer, mehr Gratiskanäle bei Vodafone

Der Wiener Verbraucherschutzverein kündigt Verbandsklagen gegen Netflix, Apple TV und WOW an. Die Anbieter hätten Preise laufender Abos mehrfach erhöht, ohne erneut die Zustimmung der Kunden einzuholen. Angestrebt werden Rückzahlungen zwischen 200 und 700 Euro pro Kunde, Netflix widerspricht der Darstellung. Bei Vodafone wächst unterdessen das kostenlose Angebot. Auf GigaTV kommen 13 neue FAST-Kanäle dazu, darunter mehrere von ARD Plus. Werbefinanzierte Gratiskanäle sind inzwischen fester Bestandteil jeder deutschen Plattform.

Britischer Werbepakt und neue Lobby in Washington

In Großbritannien schließen sich erstmals zwei öffentlich-rechtliche Sender in der Werbevermarktung zusammen. Channel 4 übernimmt künftig den Verkauf für Paramounts Sender 5 samt MTV, Comedy Central und Nickelodeon. Der bisherige Vertrag mit Sky läuft zum Jahresende aus. Gehaltskürzungen im eigenen Vorstand plant Channel 4 trotz 340 gestrichener Stellen nicht. In Washington gründeten Netflix, YouTube und Amazon gemeinsam die Streaming Access and Choice Alliance, eine eigene Interessenvertretung für Streamingplattformen.

Netflix verliert zwei Partner, Hollywood hofft auf Steuergeld

Netflix trennt sich einvernehmlich von Skydance Animation. Der 2023 geschlossene Filmvertrag endet, „Cosmic Motors“ von John Lasseter wandert stattdessen in den Kinostart über Paramount Pictures. Wenige Tage später verließ Regisseur Noah Baumbach nach fast zehn Jahren den Streamingdienst und unterschrieb bei Warner Bros. einen Vorkaufsvertrag ab 2027. Unterdessen beziffert eine Studie der Motion Picture Association den Effekt eines bundesweiten Steueranreizes bis 2035 auf knapp 250 Milliarden US-Dollar. Im Kino läuft es ohnehin rund, zwei Hits trieben das Einspiel über 6,6 Milliarden.

Neue Anbieter drängen in den Markt

Gleich drei Häuser starten eigene Dienste. Der Streaming-Führer JustWatch wird im Oktober selbst Anbieter und startet ein werbefinanziertes und transaktionales Angebot in zwölf Ländern, Deutschland, Österreich und die Schweiz eingeschlossen. Die Mikrodrama-App Snäxx des deutschen Hauses Black Forest Studios folgt am 1. November, zu den Beratern zählt Schauspieler Boris Kodjoe. Und Charles D. Kings Produktionsfirma Macro übernimmt den AVoD-Dienst AllBlk von AMC Networks und steigt damit ins Direktgeschäft ein.

Kurz notiert aus Spanien, Korea und Australien

Telefónica und DAZN verlängern ihr Abkommen über die spanische Fußballliga bis 2032. Der Vertrag umfasst 1,65 Milliarden Euro und im Schnitt 330 Millionen pro Saison, nach zuvor rund 280 Millionen. In Südkorea legen Disney und Kakao Entertainment einen gemeinsamen Fonds auf und planen mittelfristig rund zehn Projekte rund um K-Pop. Und in Australien kündigte Nine Entertainment für seinen Streamingdienst Stan eine Neuauflage von „McLeod's Daughters“ an, dazu ein Anwaltsdrama mit Rachel Griffiths.

Personalkarussell

Ingrid Heisserer wird im Februar 2027 Finanzvorständin von ProSiebenSat.1 und kommt von RTL Deutschland, wo sie zuletzt Finanzen und Personal verantwortete. Bei DAZN verlässt Alice Mascia zum Jahresende die DACH-Spitze, Felix Krause kehrt von ProSiebenSat.1 zurück. Thorsten Beyer übernimmt die Geschäftsführung für Verkauf und Markenpartnerschaften bei Banijay Media Germany. Christopher Kaiser wird Vorstandschef der Score Media Group. Sara Geater verlässt All3Media nach der Fusion mit Banijay, und Peter O'Connell wird neuer Chef des australischen Bezahlsenders Foxtel.

SerienBiz täglich: Die Einzelmeldungen der Woche

Drei Geschäftsmeldungen haben wir diese Woche bereits einzeln behandelt. Die Freigabe der amerikanischen Medienaufsicht für Staatsfonds aus Saudi-Arabien, Katar und Abu Dhabi, den drohenden Wechsel der Emmy-Verleihung zu Amazon und den Zeitdruck, unter dem Paramount im Kartellverfahren steht.

Paramount bekommt ausländisches Kapital für die Megafusion

Emmys verlieren Publikum und könnten zu Amazon wechseln

Sieben Millionen Dollar pro Tag: Warum Paramount die Zeit davonläuft

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Mariano Glas

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