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Serienbiz: Paramount kauft sich frei, die Warner-Übernahme steht

Serienbiz: Paramount kauft sich frei, die Warner-Übernahme steht

Warner Bros. Discovery auf dem Smartphone vor Paramount+ Logos
Warner Bros. Discovery auf dem Smartphone vor Paramount+ Logos © IMAGO / Cover-Images

Zwölf US-Bundesstaaten und die Autorengewerkschaft ziehen ihre Klagen zurück. Paramount Skydance zahlt dafür mit Zusagen über fünf Jahre.

Die größte Fusion der Hollywood-Geschichte hat ihr letztes juristisches Hindernis genommen. Paramount Skydance hat sich am Montag mit zwölf Generalstaatsanwälten und der Autorengewerkschaft WGA auf einen Vergleich geeinigt. Konzernchef David Ellison rechnet damit, die 111 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Warner Bros. Discovery in rund zwei Wochen abzuschließen.

Ein Wochenende Verhandlung beendet den Kartellstreit

Kalifornien und elf weitere Bundesstaaten hatten im Juli geklagt, nachdem die Bundesaufsicht die Übernahme durchgewunken hatte. Vor Gericht kam sie überraschend gut an und nährte bei den Fusionsgegnern die Hoffnung auf ein Verbot. Nach einem Verhandlungswochenende steht ein Vergleich, den ein Richter aber so noch bestätigen muss. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta betonte, die Einigung sei kein Segen für die Fusion, sondern ein Paket erzwungener Zusagen. Die Auflagen laufen bis zum Ende des fünften Kalenderjahres nach dem Vollzug, bei einem Abschluss noch 2026 also bis Ende 2031.

Dreißig Kinofilme pro Jahr, sonst muss Miramax weg

Der Kern des Pakets betrifft das Kino. Der fusionierte Konzern muss jährlich mindestens 30 Filme ins Kino bringen, davon in den ersten beiden Jahren 20, ab Jahr drei 21 von 32. Vier davon müssen Independent-Produktionen sein, die Hälfte aller Filme muss in Koproduktion entstehen. Dazu kommen 300 Millionen Dollar zusätzliche Produktionsausgaben pro Jahr in den USA, gemessen am Niveau von 2025, macht 1,5 Milliarden über fünf Jahre. Verfehlt der Konzern die Vorgaben, muss er nach sechs Monaten Gnadenfrist seinen kompletten Anteil an Miramax verkaufen. Jeder gestartete Film bekommt ein Kinofenster von 45 Tagen. Auf einer Abo-Plattform wie Paramount+ darf er frühestens 90 Tage nach dem Kinostart laufen. Für den Ankauf unabhängiger Filme richtet das Unternehmen einen Fonds ein und zahlt fünf Jahre lang je fünf Millionen Dollar ein. Für jeden fehlenden Film unterhalb der vereinbarten Schwelle werden 30 Millionen Dollar an die Gesundheits- und Rentenkassen von WGA, IATSE, DGA und Teamsters fällig.

Studiogelände bleiben, BET und Comedy Central stehen als Pfand

Die Produktionsgelände an der Melrose Avenue in Los Angeles und am Warner Boulevard in Burbank müssen beide bis mindestens Ende 2031 erhalten bleiben. Für die Kabelsender schreibt der Vergleich getrennte Vertriebsverhandlungen über fünf Jahre vor, samt Verbot, Vertragsdaten des einen Hauses in den Verhandlungen des anderen zu verwenden. Reißt der Konzern diese Auflage, muss er BET samt Ablegern, VH1, Comedy Central, Smithsonian und Science abgeben. Pluto TV bleibt unangetastet. Für die Nachrichtensender entsteht ein „News Editorial Independence Board“, das redaktionelle Grundsätze für den neuen Konzern festlegen soll. Ein interner Compliance-Beauftragter und ein unabhängiger Treuhänder überwachen die Einhaltung, dazu kommt ein Ausschuss aus fünf Bundesstaaten. Connecticuts Generalstaatsanwalt bestätigte, dass einzelne Staaten einen Verkauf von CNN und CBS gefordert hatten und sich nicht durchsetzen konnten. Pressefreiheits-Organisationen nennen die Auflagen wertlos und verlangen von Ellison, die Klage von CNN gegen das Weiße Haus zu unterstützen.

Die WGA gibt als Letzte auf

Kurz nach den Bundesstaaten hat auch die Autorengewerkschaft WGA ihre eigene Kartellklage zu den Akten gelegt. Paramount Skydance zahlt 17,5 Millionen Dollar in den WGA-Gesundheitsfonds, übernimmt die Anwaltskosten und darf fünf Jahre lang keine Autoren in der Broadcast-Sparte von CBS News entlassen. Die Gewerkschaft hält die Fusion weiter für schädlich, sah sich als gemeinnützige Organisation nach dem Rückzug der Staaten aber außerstande, allein weiter zu prozessieren. Ein Fonds über 47,5 Millionen Dollar soll Beschäftigte auffangen, die durch die Fusion ihren Job verlieren.

Warner legt elf Prozent zu, Paramount rutscht ab

An der Börse fiel die Reaktion gespalten aus. Warner-Bros.-Discovery-Papiere stiegen um elf Prozent, wie es bei einem Übernahmekandidaten üblich ist. Die Paramount-Aktie legte zunächst zehn Prozent zu und rutschte in den letzten beiden Handelsstunden ab. Sie schloss bei 9,91 Dollar und damit auf dem tiefsten Stand seit einem Monat. Paramount schuldet den Warner-Aktionären für jeden Tag nach dem 1. Oktober rund sieben Millionen Dollar.

Analysten staunen über die milden Bedingungen

In der Branche überwiegt das Erstaunen darüber, wie glimpflich Paramount davonkommt. Die Zusagen zu Produktion, Kinostarts und Unabhängigkeit gelten als reine Verhaltensauflagen, nicht als strukturelle Eingriffe. Kein einziger Sender muss verkauft werden, kein Studio abgegeben, die Drohkulisse greift erst bei Verstößen. Das Bündnis Block the Merger zeigte sich enttäuscht, Schauspieler Mark Ruffalo meldete sich zu Wort. Ellison hatte gedroht, Kalifornien zu verlassen, falls der Deal nicht bis zum 1. Oktober steht. Jetzt bleibt der Hauptsitz in Los Angeles.

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Mariano Glas

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