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Filmkritik von einem Fan seit 30 Jahren: Warum „Mortal Kombat 2“ mich im Kino überrascht hat

Filmkritik von einem Fan seit 30 Jahren: Warum „Mortal Kombat 2“ mich im Kino überrascht hat

„Mortal Kombat 2“ macht Fans mit blutigen Fights und Fanservice glücklich.
„Mortal Kombat 2“ macht Fans mit blutigen Fights und Fanservice glücklich. © Warner Bros./New Line Cinema

Eines der beliebtesten Fighting Games aller Zeiten wird im Kino fortgesetzt. Sollte man Geld in den Automaten werfen oder das Game Over riskieren?

Die Messlatte bei „Mortal Kombat“-Adaptionen liegt nicht hoch. Der Film aus dem Jahr 1995 mit Christopher Lambert als Raiden war lange Zeit das Höchste der martialischen Gefühle. Schlechte und trashige Adaptionen wie „Mortal Kombat: Annihilation“ oder die Serie „Mortal Kombat: Conquest“ (in Deutschland bei RTLZWEI zu sehen) konnten erst durch Fanprojekte wie „Mortal Kombat: Legacy“ ein wenig in den Hintergrund gedrängt werden, auch wenn die schwachen Direct-to-Video-Fortsetzungen immerhin einige GIFs und Memes geschaffen haben (Stichwort: „Your soul belongs to me!“).

Derweil wurden die Spiele selbst immer cinematischer und story-lastiger. „Mortal Kombat X“, „11“ und „MK1“ (sowie auch der DC-Ableger vom gleichen Entwicklerteam rund um Franchise-Vater Ed Boon „Injustice 2“) erzählen inzwischen kinoreife Cutscenes und elaborierte Epen, die natürlich noch ab und zu etwas Camp-Faktor haben, aber Fans doch glücklich machen dürften. Mir geht es zumindest so. Viel Fan-Service, Gaga-Fehden, epische Momente, brutale Finisher-Momente, immer mächtigere Big Bads, große Verluste, Wiederbelebungen sowie alte und neue Bündnisse gehören zum guten Ton der „Kombat“-Reihe, die ich eigentlich seit den 90ern mehr oder weniger treu verfolge. Ebenfalls Fan seit 35 Jahren: Filmkritik zu „Der Super Mario Galaxy Movie“.

Wie erfolgreich war „Mortal Kombat“ 2021 eigentlich?

Johnny Cage und die Kämpfer von Earthrealm im Film „Mortal Kombat 2“
Johnny Cage und die Kämpfer von Earthrealm im Film „Mortal Kombat 2“ - © Warner Bros./New Line Cinema

Dann kam 2021 Regisseur Simon McQuoid mit der Hilfe eines Drehbuchs von Greg Russo und Dave Callaham ins Earthrealm und brachte auch die Kino-Seite mit hartem R-Rating endlich zurück. Er inszenierte einen Film, der so nah an der Vorlage war wie nie zuvor, vieles - für das Franchise - schon richtig machte, aber inmitten der Coronavirus-Pandemie ins Kino kam und deswegen „nur“ 84 Millionen Dollar verdiente. Aktuell kann man den ersten Teil beim Streamingdienst HBO Max sehen Jetzt das Angebot von Max entdecken (Affiliate-Link).

Allerdings wurde er in der Zeit von Lockdowns, in Märkten, in denen HBO Max bereits zur Verfügung stand, viel gestreamt (via Deadline Hollywood/Samba). Da der Film nicht auf große Namen setzt, dürfte das Budget auch überschaubar gewesen sein, so dass 2026 nun die Fortsetzung „„Mortal Kombat 2““ zu den Kinozuschauern wie die Figur Scorpion schreit: „Get over here!“, womit der Kinosaal gemeint ist. Lohnt sich der Besuch oder sollte man nach dem Abspann sagen: „Finish Them“?

Worum geht es im Film „Mortal Kombat 2“?

Kitana im Film „Mortal Kombat 2“
Kitana im Film „Mortal Kombat 2“ - © Warner Bros./New Line Cinema

New Line Cinema und Warner Bros. Pictures bringen die erfolgreiche Video-Spielreihe „Mortal Kombat“ mit einer neuen, hochkarätigen Verfilmung zurück auf die große Leinwand - brachial, kompromisslos und in voller blutiger Wucht. In „Mortal Kombat II“ kehren die Fanlieblinge zurück, härter, entschlossener und diesmal unterstützt von niemand Geringerem als Johnny Cage persönlich. Die Helden stellen sich einem unerbittlichen, blutgetränkten Kampf, der alles Bisherige übertreffen soll. Ihr Ziel: die Schreckensherrschaft von Shao Khan zu beenden. Doch der Einsatz könnte nicht höher sein - es geht um das Überleben von Earthrealm und das Schicksal seiner letzten Verteidiger.

An der Seite von Karl Urban („The Boys“, „Star Trek“) als Johnny Cage spielen Adeline Rudolph („Chilling Adventures of Sabrina“, „Resident Evil“) als Kitana, Jessica McNamee („The Meg“, „Battle of the Sexes“) als Sonya Blade, Josh Lawson („House of Lies“, „The Campaign“) als Kano, Ludi Lin („Power Rangers“, „Aquaman“) als Liu Kang, Mehcad Brooks („Supergirl“, „True Blood“) als Jackson „Jax“ Briggs, Tati Gabrielle („You“, „The 100“) als Jade, Lewis Tan („Into the Badlands“, „Wu Assassins“) als Cole Young, Damon Herriman („Mindhunter“, „Justified“) als Quan Chi sowie Chin Han („The Dark Knight“, „Skyscraper“) als Shang Tsung, Tadanobu Asano („Thor“-Reihe, „Ichi the Killer“) als Lord Raiden, Joe Taslim („Der Überfall“, „Fast & Furious 6“) als Bi-Han und Hiroyuki Sanada („The Last Samurai“, „Westworld“) als Hanzo Hasashi alias Scorpion.

Für die Fortsetzung seines explosiven Kinoabenteuers von 2021 kehrte Regisseur Simon McQuoid erneut auf den Regiestuhl zurück. Das Drehbuch schrieb Jeremy Slater, basierend auf dem Kult-Video-Spiel von Ed Boon und John Tobias. Produziert wurde „Mortal Kombat II“ von Todd Garner, E. Bennett Walsh, James Wan, Toby Emmerich und Simon McQuoid, ausführende Produzenten sind Michael Clear, Judson Scott, Jeremy Slater, Ed Boon und Lawrence Kasanoff. Wie zwischen Teil eins und zwei der Originalspiele kommen auch im zweiten Teil viele neue Spielfiguren zum Einsatz, während andere etwas mehr in den Hintergrund rücken. Der erste Teil war noch ein POV-Film von Cole, der quasi eine neue Figur war, die aber mit Scorpion in Verbindung gebracht wurde. Diesmal stehen eher Johnny Cage, Liu Kang und Kitana im Mittelpunkt.

Wer ist der oder die Auserwählte?

Der Big Bad: Khaaaaaaaaaaaaan im Film „Mortal Kombat 2“
Der Big Bad: Khaaaaaaaaaaaaan im Film „Mortal Kombat 2“ - © Warner Bros./New Line Cinema

Das bringt mich auch schon zu einem für mich spannenden Punkt: Wenn Cole unwichtiger wird, wer ist dann die Hauptfigur? Das Marketing macht Johnny Cage zum neuen Protagonisten. Die Games haben oftmals Liu Kang im Zentrum. Der Film wählt jedoch einen anderen Weg, den ich nicht auf dem Schirm hatte, welcher hierbei früh angedeutet und dann auch gut durchgezogen wird. Kitana erhält als Figur überraschend viel Screentime. Wir sehen, wie der Vater als letzter übriggebliebener Kämpfer gegen Shao Khan in die Arena geschickt wird, ihre Mutter zur Figur Sindel mutiert und Kitana für den Rest ihres Lebens traumatisiert wird. Neben Urban als Cage finde ich die Kitana-Darstellerin tatsächlich auch mit am stärksten, was Schauspiel, Präsenz und Charisma angeht. Zusammen mit Liu Kang ist sie in manchen Spielen ohnehin mindestens eine sekundäre oder gar wichtige Figur im Kampf gegen die finsteren Kämpfer aus den anderen Realms.

Die Kampfszenen sehen oftmals gut aus, aber - besonders, wenn Urban involviert ist und mal nicht in Nahaufnahmen gezeigt wird - kommen nicht immer ganz rund daher. Da muss das Team öfter mal drumherum schneiden oder einige Cuts zu viel einsetzen, um ihn halbwegs gut aussehen zu lassen. Bei Kämpfen mit Kitana oder Khan ist das nicht unbedingt so, wenn Urban also nicht involviert ist. Das heißt nicht, dass er ein Störfaktor ist. Als abgehalfterter Actionstar aus den 90ern, man denke an Sly, JCVD, Dudikoff oder Seagal, liegen seine besten Zeiten längst hinter ihm. Als Raiden und Co mit der Einladung zum tödlichen Turnier eintrudeln, reagiert er sehr menschlich, denn es geht ja um Leben und Tod - ohne große Verarbeitung.

Cage erhält einen netten, manchmal überraschenden Arc und mit - Spoiler - dem wiedererweckten Kano einen überraschend witzigen Szenenpartner. Die beiden sind jedenfalls sprachlich nicht zimperlich und machen auch die eine oder andere Referenz für das Boomer/Millennial-Publikum. Kanos Akzent finde ich zudem herrlich. Bei Liu Kang gibt es das Problem, das auch manche „„Street Fighter““-Umsetzungen schon hatten: Während Ryu und Ken in Japan oder in vielen Spielen die absoluten Protagonisten sind, muss man hier anderen weichen - Guile oder Cage/Cole eben. Ich hatte schon das Schlimmste befürchtet, doch die Drehbuch-autoren schaffen es irgendwie, bei den Figuren auf mehreren Hochzeiten zu tanzen und jedem einen Tanzpartner/eine Aufgabe/einen Mini-Arc zu bieten, der dann im Verlauf des Films durchgezogen wird oder sogar einen etwaigen dritten Teil (es gibt keine Post-Credits-Szene, aber trotzdem immer wieder Teaser auf Schurken) andeutet.

Wer ist hier der (final) boss?

Apropos Rückkehrer: Figuren, die verstorben sind, müssen im Lore/Canon von MK nicht tot bleiben. Da gibt es nämlich Necromancer und Magie, die sie wiederbeleben kann und zu sogenannten Wiedergängern/Remnants macht. Es ist nicht nur Kano, den das ereilt, sondern gleich eine gute Handvoll von Figuren und Fanlieblingen. Nur eine Figur ereilt ein überraschend endgültiges Schicksal, was aber durchaus als Signal an die Kritiker des Vorgängers gelesen werden kann. Wer die klassischen Fighting Games gespielt hat, der weiß, dass meist pro Teil ein neuer Big Bad auf der Bildfläche erscheint. Hier ist es Khan, der extrem gut aussieht und seine Arroganz und Coolness aus den Games sowie seine Imposanz und seinen Hammer behalten darf. Auch Formwandler Shang-Tsung und Hexer Shinnok, die jeweils in anderen Teilen Bosse sind, werkeln im Hintergrund und bringen sich für Comebacks in Position.

Toasty!

Ein kleines Problem in der englischen Fassung bei Khan und anderen Figuren ist, dass man sie akustisch wegen Nachbearbeitung, Duktus oder Akzenten teilweise schwerer versteht als nötig. Khan erinnert an Tom Hardys Bane, Raiden und Scorpion (der großartige Shogun-Star Sanada) sprechen mit teils dicken Akzenten und manche Cast-Mitglieder sind schlicht begabter als die schwächsten Glieder (hier würde ich tatsächlich den Raiden-Darsteller anklagen).

Licht und Schatten

Im Showdown mischen dann auch gewisse Ninja-Figuren mit, aber nicht ganz wie zuvor, sondern mit einem netten Twist.

Dann kommt aber auch teilweise ein leichter Greenscreen-Overkill hinzu. Aber das alles gehört auch zur großen Portion Fanservice, der auf dem blutigen Silbertablet geliefert wird. Aus der Franchise-Geschichte kommen einige neue Aspekte, Figuren und Identitäten, die ich teilweise mehr gefeiert habe, als ich im Vorfeld erwartet hätte. Stages, Special Moves, Catchphrases und Verwandtschafts- oder Verfeindungsverhältnisse passen. Dazu kommen Kameraeinstellungen, die wie die einleitenden Cutscenes der Games sind, eine Art HUD, das zeigt, wie der Zwischenstand beim Turnier ist, und oftmals bessere Action und Momente, als ich den Machern zugetraut habe.

Fazit - Finish Him!?!

Scorpion und Kano und Cage im Film „Mortal Kombat 2“
Scorpion und Kano und Cage im Film „Mortal Kombat 2“ - © Warner Bros./New Line Cinema

Wie man als aufmerksamer Leser merkt, gibt es also durchaus Licht und Schatten und der Film ist kein absolutes cinematisches Meisterwerk, aber womöglich eine der besten Adaptionen, die aktuell möglich sind, wenn man die Waage zwischen Reverenz und dem Abholen des Mainstreams halten möchte. Einige kleine Cameos konnten sich die Macher übrigens selbst nicht verkneifen, so taucht Ed Boon als Bartender auf. Neben Kitana fällt nur auf, dass es mit Sonya, Jade und Sindel zwar durchaus einige coole weibliche Figuren unterschiedlichster Gesinnung gibt, viele davon aber neben Kitana nur eine zweite Geige spielen.

Gespannt kann übrigens Ende des Jahres auf das direkte Duell mit der neuen „Street Fighter“-Adaption geblickt werden, die diesmal auch mehr wagt und näher an der Vorlage dran sein möchte als jemals zuvor. Für „Mortal Kombat 2“ gebe ich den Wertungs-Cheatcode „Up up down down left right left right B A start“ ein und werte das Sequel mit dreieinhalb von fünf K.-O.-Schlägen und dem Finisher friendshíp. Peter-Pan-Komplex & Schönheits-OPs: Der neue Film „Michael“ zeigt die ganze Tragik des gefallenen Pop-Giganten.

Adam Arndt

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