New Blood 1x01

Mit New Blood präsentiert uns TV-Veteran Anthony Horowitz bei der BBC einen äußerst generischen Verschwörungsthriller, dessen Pilotepisode keine großen Anstrengungen macht, die vermeintlich komplexe Handlung übersichtlicher zu gestalten. Es gibt zwei aufstiegshungrige Polizisten, die offensichtlich talentiert sind, von ihren Vorgesetzten aber missbilligend behandelt werden. Es gibt ein riesiges Pharmaunternehmen, das sich anscheinend einiger Probanden entledigen will. Es gibt große Rennradbegeisterung und es gibt - natürlich - eine Romanze.
Nobody looks cool in Radlerhosen
Das cold open findet in einer indischen Metropole statt, wo sich mehrere Rucksacktouristen bereiterklären, gegen Bezahlung an einem Medikamententest für das Pharmaunternehmen Green Fern teilzunehmen. Schon in der ersten Nacht kommt es jedoch zu dramatischen Unregelmäßigkeiten. Einer der Teilnehmer, Henry (Ian Bonar), verlässt sein Krankenbett und sticht während der Flucht einen behandelnden Arzt ab. Die übrigen Teilnehmer scheinen davon nichts mitzubekommen, denn sie verabreden sich danach noch zum unbeschwerten Sightseeing.
Nach einem Zeitsprung von sechs Jahren landet ein weiterer Teilnehmer tot auf einer verregneten Londoner Straße. Der leitende Ermittler Derek Sands (Mark Addy aka Robert Baratheon aus Game of Thrones), ein unwirscher Grobian, diagnostiziert sogleich Selbstmord, wogegen der auszubildende Grünschnabel Rash (Ben Tavassoli) Einspruch erhebt. Er hat Spuren von Klebeband an den Handgelenken des Opfers gefunden, was ein Hinweis auf eine Gewalttat sein könnte. Diese Auffassungsgabe soll ihm später die ersehnte Beförderung einbringen.
Vom anderen Ende rollt Stefan (Mark Strepan) den Fall auf. Er ist Beamter im Serious Fraud Office und arbeitet als verdeckter Ermittler bei der nationalen Gesundheitsbehörde NHS, wo er sich als nur gebrochenes Englisch sprechender polnischer Hilfsarbeiter ausgibt. Er soll die Verbindungen zwischen der NHS und dem Pharmakonzern UK Remicon in Augenschein nehmen, die vom aalglatten David Leese (Chris New) personifiziert werden. Schnell ist klar, dass zwischen Rash und Stefan eine buddy cop-Dynamik entstehen wird - spätestens dann, als sie bei einem Duathlon gegeneinander antreten.

Der Zweikampf beweist leider, dass es nahezu unmöglich ist, einen Sport, der in Radlerhosen ausgeführt wird, spannend zu inszenieren. Überdies bleibt die Kameraarbeit weit hinter dem zurück, was heutzutage möglich ist, was angesichts des offensichtlich beschränkten Budgets der Serie hinnehmbar wäre, gäbe es dafür nicht eine ganz einfache Lösung - das Radeln einfach weglassen. Dieses Hobby der Protagonisten trägt nichts zur Plotentwicklung bei, sie hätten sich auch auf ganz andere, herkömmlichere Weise kennenlernen können.
Nobody likes a smart-ass
Um die Gewöhnlichkeit dieser Beziehung abzurunden, darf eine Romanze nicht fehlen. Also verliebt sich Stefan in Rashs Schwester Leila (Aiysha Hart), was dem natürlich ordentlich gegen den Strich gehen muss. Die übrigen Charakterzeichnungen verharren in ähnlicher Klischeehaftigkeit. Es gibt die uneinsichtigen Vorgesetzten, die taffe Chefin, die aufgeregten Eltern, die peinlichen Freunde. Sie alle entstammen dem Werkzeugkasten des generischen Drehbuchschreibens.
Wäre der Plot ein bisschen entschlackt, hätten Rash und Stefan ein paar Probleme weniger, könnte aus New Blood durchaus eine unterhaltsame Sommerserie werden. Die beiden Hauptdarsteller verfügen über ausreichend Charisma, um ein solches Format zu tragen. Leider werden sie von allen Seiten mit dürftiger Figurenzeichnung und gewöhnlichen Handlungsbögen bombardiert, sodass ihnen kaum Zeit bleibt, um sich der eigenen Geschichte zu widmen. Ständig wird ein neuer sinistrer Bösewicht eingeführt, der die Erzählung komplexer machen soll, sie aber nur unnötig verkompliziert.
Im Laufe der Episode stellt sich heraus, dass UK Remicon Auftragskillerinnen angestellt hat, um sich sämtlicher Probanden aus dem cold open zu entledigen. Es gibt eine mögliche Verbindung zwischen höchsten politischen Ämtern und ebenjenem Konzern. Ein solcher Plot ruft unweigerlich den Vergleich mit dem hervorragenden und leider viel zu früh abgesetzten britischen Verschwörungsthriller Utopia hervor, der für New Blood leider sehr ungünstig ausfällt. Dem neuen Format fehlt beinahe alles, was das abgesetzte so herausragend machte - tolles Sounddesign, hinreißende visuelle Umsetzung, erzählerische Originalität, Witz, Tempo und eine innovative Figurenzeichnung.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 10. Juni 2016New Blood 1x01 Trailer
(New Blood 1x01)
Schauspieler in der Episode New Blood 1x01
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