Neo Yokio: Pilot - Review der Episode 1x01 der Animeserie

© aden Smith als Kaz Kaan in „Neo Yokio“ / (c) Netflix
In der Pilot-Episode der Netflix-Animeserie Neo Yokio hat es Kaz Kaan (Jaden Smith) nicht einfach, denn er muss gleichzeitig die Stadt vor lästigen Dämonen beschützen, während er durch den High-Society-Dschungel des futuristischen Neo Yokio navigiert und zusätzlich um eine Beziehung trauert.
Worum geht es?
Kaz Kaan lebt in einer an New York angelehnten futuristischen Stadt als reicher Society-Star im Wohlstand. Nebenbei verdient er sich der Familientradition entsprechend als Dämonenjäger, denn die Stadt wird regelmäßig von boshaften Entitäten heimgesucht, die den verwöhnten Bürgern ihr wohlbehütetes Leben schwer machen.
Das lenkt ihn jedoch ab von den eigentlich wichtigen Problemen, wie etwa die Rangliste der begehrtesten Junggesellen der Stadt anzuführen, als Hockeyspieler zu dominieren und der Damenwelt sowie der Konkurrenz zu zeigen, dass Kaz Kaan ein besonders toller Hecht ist. Unterstützung erhält er dabei von seinen Sidekicks (Desus Nice und The Kid Mero) und seiner schroffen Tante Agatha (Susan Sarandon).

Wie kommt es rüber?
Die Animeserie versteht sich als Genreparodie und Kapitalismus- und Society-Satire, offensichtlich inspiriert von Jaden Smiths persönlichen Erfahrungen und Observationen und garniert mit dessen Weisheiten. Ob Sprüche wie „I can barely navigate the hellish vortex between breakfast and dinner“ nun pseudointellektuelle Peinlichkeiten oder missverstandene Selbstsatire sein sollen, weiß wohl nur Smith selbst. Die gewollt trockene und emotionslose Darbietung seiner Figur macht es jedenfalls nicht einfach, dem Ganzen als Zuschauer mit Enthusiasmus beizuwohnen. Um die Wahl des Mediums zu rechtfertigen, werden hier und da ein paar flache Klischees eingestreut, die uns durch angedeutete Pantyshots oder leichtes Nasenbluten zeigen sollen, dass die Macher mit einigen klassischen Tropen vertraut sind.
Die Figuren und speziell deren Gesichter wirken äußerst steif und gerade bei den spärlich gesäten Actionsequenzen hätten ein paar Bilder mehr wirklich gutgetan, damit die Animation flüssiger wirkt. Speziell an Kaans „Gundam“-Mech ist zu erkennen, wie trist und wenig detailliert an mancher Stelle gearbeitet wurde. Der klassische Soundtrack wirkt zwar ein wenig aufgesetzt, passt aber zur Gesamtpräsentation des melancholischen Hauptcharakters. Doch weder Kaans dämonisches Treiben noch das triviale High-Society-Geplänkel schaffen es, einen in die zugegeben interessant anmutende Welt der Stadt richtig hineinzuziehen, so dass ein Bedürfnis weiterzuschauen mehr auf einer Neugier basiert, was sonst noch an unsinnigen Ideen als Unterhaltung deklariert und durchgewunken wurde, um den Zuschauer zu verzücken.
Gibt es auch was Positives?
Das Design der Welt beziehungsweise der Stadt von Neo Yokio, wie etwa ein Stadtteil Unterwasser, ist gut gelungen. Außerdem kann sich der Cast mit Stimmen von Susan Sarandon, Jude Law, Steve Buscemi und allen voran Jason Schwartzman als Kaans Konterpart Arcangelo Corelli wirklich hören lassen. Angesichts der Gesamtqualität der Serie hätten diese ihre Talente und Zeit aber auch gerne in ein anderes Projekt stecken können.
Fazit
Alle, die Jaden Smith für ein missverstandenes, tiefgründiges Teenagergenie halten, der mit seinen poetisch-nihilistischen Twitter-Ergüssen die Seele seiner Follower berührt, könnten der Serie vielleicht etwas abgewinnen. Für den Rest taugen die sechs Episoden bestenfalls zum hate-watching, denn alles Gezeigte gibt es bereits in besserer Form. Wer auf der Suche nach einer guten Animeparodie ist, der ist mit Serien wie One-Punch Man oder „Gintama“ wesentlich besser beraten. Sechs Episoden von Neo Yokio klingen zumindest für mich mehr nach Strafe denn nach Privileg.
„How can mirrors be real if our eyes aren't real“ - Jaden Smith
Trailer zur Serie „Neo Yokio“: