
2004 eroberte der Film „Napoleon Dynamite“ einige Zuschauer im Sturm und wurde zu einem viel zitierten Kultfilm. 2012 kommt nun beim amerikanischen Sender FOX eine Zeichentrickfortsetzung ins Programm, die das Geschichtenuniversum fortsetzt - und das mit einer großen Portion Fantasie und der Entfernung von jeglichem Realismus.
Inhalt der Episode „Thundercone“ (1x01)
Der 16-jährige Napoleon Dynamite (Jon Heder) lebt mit seinem 32-Jahre alten Bruder Kip (Aaron Ruell) bei seiner Oma. Ständig streiten sich die beiden Brüder über Dinge wie das letzte Stück Hähnchen. Denn Kip ist bereits in der Vergangenheit sehr selbstsüchtig aufgetreten und hat Napololeon Dinge weggenommen oder Wege versperrt. Auch beim Streit um das letzte Hähnchenstück zieht Napoleon den Kürzeren und die fettige Hähnchenhaut landet auf seiner Stirn. Die Konsequenz: fiese Pickel. Sein Onkel Rico (Jon Gries) empfiehlt ihm in einer Drogerie die Akne-Creme „Rack-U-Tane“, die jedoch, laut dem Verkäufer, nicht mehr frei im Handel verkauft werden darf. Die Creme bringt die behandelte Stelle zum Dampfen und hat die Nebenwirkung, die Wut des Nutzers zu entfachen und seine Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren.
Im Sportunterricht kommt ihm die dadurch entfachte Angriffswut und Leidenschaft gerade gelegen und bald wird Napoleon in einen geheimen Untergrund-Fight-Club „Pioneer Punch Club“ eingeweiht, der seit den Zeiten der Pioniere besteht und seinen Höhepunkt unter dem „Thundercone“, also einer maiskolbenförmigen Kuppel findet.
Kip hat derweil online eine Frau namens Misty kennengelernt, die eigentlich auf bad boys steht. Er führt sie in ein Pizzalokal mit singenden Animatronic-Figuren aus und zunächst läuft es auch sehr gut. Doch als Misty später Napoleons wütendes Ich erblickt, verfällt sie dem angeblichen Bad Boy. Dies kann der egoistische Bruder nicht auf sich beruhen lassen. Bald heißt es Bruder gegen Bruder unter dem „Thundercone“...
Kritik
Napoleon Dynamite fügt sich gut in die bisherigen Serien der „Animation Domination“ ein. Man nimmt es nicht so ernst mit dem Realitätsgrad, streut ein paar Popkultur-Referenzen an „Mad Max“, „Fight Club“ und die American Gladiators ein und bleibt sonst bei den Figuren, die bereits aus dem Film bekannt sind. Auch wenn sie hier etwas übertriebener auftreten. Dazu gehört beispielsweise, dass Figuren meterweit durch die Luft geschleudert werden, Napoleon bei seinem Training sein Haus-Lama für Gewichtheberübungen benutzt oder die bereits genannte Wunder-Akne-Creme zur dampfenden Stirn führt. In der zweiten Episode Scantronica Love geht es dann fließend weiter, mit einer abgefahrenen Wasser-Ski-Szene und wildgewordenen Neureichen, die Deb zu einem blondierten Zombie umwandeln wollen. Es wäre wünschenswert wenn man sich in diese Richtung weiterentwickelt und die kreativen Freiheiten, die man als Animationsserie genießt, ausgekostet werden.
Stimmen und vor allem die Intonation, Sprüche und Charaktermerkmale stimmen größtenteils mit der Filmvorlage überein und schaffen eine gewisse Vertrautheit. „You guys are idiots“, „Out of my way, fans“, „Geez“, „Gosh“ „Hi Napoleon“ und ähnliche Zitate kamen bereits im Film vor und es ist anzunehmen, dass man weiterhin mit diesen arbeiten wird. Die Figuren sind merkwürdig, aber durchaus liebenswürdig und fallen alle dadurch auf, dass sie Außenseiter und Loser mit deutlichen Schwächen sind. Sie setzen sich damit von einigen 08/15-Figuren und Familien anderer FOX-Zeichentrickserien ab.
Was etwas merkwürdig erscheint ist, dass es keinerlei formale Einführung der Figuren gibt, sondern der Zuschauer direkt ins kalte Wasser geworfen wird. Dies legt den Verdacht nahe, dass FOX wieder einmal mit der Ausstrahlungsreihenfolge experimentiert hat und statt des Serienpilotens eine andere Folge als erste gezeigt hat.
Auch die zweite an diesem Abend ausgestrahlte Folge stürzte sich sofort ins Geschehen und war sogar unterhaltsamer als die erste, vor allem die Handlung um die japanische Austauschschülerin Tokiko und den „Scantronica“ stellt eine ziemlich lustige Idee dar. Nun heißt es abwarten, ob FOX mehr Episoden als die ursprünglichen sechs in Auftrag geben wird. Zumindest der Auftakt war aus Quotensicht gelungen, wenn auch der Faktor Football eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielte „37203“.
Fazit
Insgesamt sind die ersten beiden ausgestrahlten Episoden von Napoleon Dynamite zwar nicht der absolute Brüller, aber sie zeigen doch Potential für die Zukunft. Außerdem fehlt seit dem Ende von King of the Hill eine Zeichentrickserie, die sich dem „White Trash“ widmet, der in Zeichentrickform durchaus liebenswert und unterhaltsam sein kann. Fans von Beavis & Butt-Head, Family Guy und The Simpsons können also durchaus mal einen Blick riskieren. Denn im Vergleich zur Serie Allen Gregory, die inzwischen abgesetzt wurde, kann man sich durchaus auch mit den Figuren anfreunden.