Nancy Drew 1x01

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Josh Schwartz und Stephanie Savage haben mit Serien wie The OC und Gossip Girl bereits bewiesen, dass sie ein HĂ€ndchen fĂŒr das Drama von Jugendlichen haben. Daher erzĂ€hlen sie in Nancy Drew auch keine einfache Krimigeschichte, sondern mischen, gemeinsam mit Noga Landau (The Magicians), noch eine Wagenladung Drama und eine Prise Grusel hinein. Hauptfigur Nancy Drew (Kennedy McMann) hat, seit sie klein war, ein GespĂŒr fĂŒr mysteriöse FĂ€lle und Geheimnisse, doch, als unerwarteterweise ihre Mutter stirbt, hĂ€ngt sie ihr Hobby an den Nagel. Zumindest so lange, bis sie und eine Gruppe von Jugendlichen in einem Mordfall als TĂ€ter verdĂ€chtigt werden und Nancys detektivische FĂ€higkeiten gefragt sind, um den ĂŒbernatĂŒrlichen Fall zu lösen.
Mysteries were everywhere and I loved solving them
Als Titelheldin steht und fĂ€llt die Serie natĂŒrlich mit der Figur von Nancy Drew, aus deren Perspektive die Geschichte fast ausschlieĂlich erzĂ€hlt wird. Nancy wird als eine kluge, aufgeweckte und willensstarke junge Frau prĂ€sentiert, der man zu jeder Zeit ihre Neugier fĂŒr KriminalfĂ€lle abnimmt. Hier und da gibt es zwar Szenen, in denen Nancy einen fĂŒr ihr junges Alter zweifelhaften Scharfsinn an den Tag legt, aber dank des ĂŒberzeugenden Schauspiels von Kennedy McMann fĂ€llt es einem leicht, diese LogiklĂŒcke zu akzeptieren. Besonders erfreulich ist es, dass Nancy mit ihren Entscheidungen aktiv die Geschichte vorantreibt und keine Protagonistin ist, die zufĂ€llig in handlungsrelevante Situationen gerĂ€t, wenn es das Drehbuch verlangt. Die Off-Stimme, mit der Nancy hĂ€ufig das Geschehen und den Fall kommentiert, bindet die Figur noch mehr an den Zuschauer, so dass ihre Motivationen und GefĂŒhle immer klar sind. Wer Nancys Cleverness hingegen als anstrengend empfindet, wird von dem stĂ€ndigen Fokus auf ihre Figur aber genervt sein.
Die anderen Jugendlichen, die mit Nancy zusammen verdĂ€chtigt werden, haben zwar alle individuelle Motivationen und Eigenschaften, aber keiner ist so lebendig geschrieben wie Nancy. Allerdings ist bei allen das Potential vorhanden, ebenso interessant zu werden. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Potential in den nĂ€chsten Folgen vollends ausgeschöpft wird. Der Cliffhanger am Ende der Episode, der die ganzen Geheimnisse in der Kleinstadt andeutet, ist auf jeden Fall vielversprechend. Positiv sticht im Piloten bereits hervor, dass Konflikte zwischen den Figuren aus den Charaktermotivationen heraus entstehen - und nicht durch erzwungene MissverstĂ€ndnisse. Es ist deutlich, dass die Autoren ein komplexes Netz aus Geheimnissen und Mysterien geplant haben, in das sich Nancy von Folge zu Folge weiter verstricken wird. Deshalb scheint es auch so, als ob die Beziehungen der Figuren das Spannendste in „Nancy Drew“ werden könnten.

Wirklich schade ist, mit welchem Tempo Nancys Hintergrundgeschichte erzĂ€hlt wird. Innerhalb der ersten fĂŒnf Minuten erfĂ€hrt man ziemlich alles, was man ĂŒber Nancy wissen muss: Warum sie Detektivin ist, wie ihre Mutter gestorben ist und dass Nancy eigentlich keine FĂ€lle mehr lösen, sondern aufs College gehen will. Es hĂ€tte dem Rhythmus der Serie wirklich gutgetan, wenn sich die Macher bei der Etablierung von Nancys Figur mehr Zeit gelassen hĂ€tten und einige wichtige Punkte erst in den folgenden Episoden eingebaut hĂ€tten. Denn die Pilotfolge ist so voll gepackt mit Informationen, dass man als Zuschauer kaum eine Sekunde Pause hat, das Gesehene zu verarbeiten.
Teenie-Drama, Krimi und... Horror?
Zu dem Kriminalfall und dem Drama unter den Figuren kommt auch noch eine Prise ĂŒbernatĂŒrlicher Grusel und Horror dazu. In der Kleinstadt in Maine spukt es nĂ€mlich. Dead Lucy, wie der Geist genannt wird, war ein junges MĂ€dchen, das in der Nacht ihrer Krönung zur alljĂ€hrlichen „Sea Queen“ von Horsehoe Bay verschwindet und an den Klippen nur ihr blutiges Kleid zurĂŒcklĂ€sst. Der mysteriöse Tod von Lucy steht mit dem aktuellen Fall in Verbindung und Nancy wird immer wieder durch geisterhafte Erscheinungen auf die richtige Spur gebracht. Diese ĂŒbernatĂŒrlichen Elemente sind als solide Gruselmomente inszeniert, die immer funktionieren. Allerdings hĂ€tte „Nancy Drew“ auch auf das Rumgespuke verzichten können, da der Fall und die Figurendynamiken ausreichend Spannung bieten. Die Nebelschwaden, Kinderreime und jump scares passen hervorragend in die AtmosphĂ€re, aber es muss sich noch zeigen, ob die nĂ€chsten Folgen es schaffen, eine Balance zwischen Drama, Krimi und Grusel herzustellen. EnttĂ€uschend ist leider, dass der Pilot sehr konventionell inszeniert ist. Jede Einstellung, jeder Schnitt und jeder Song sitzt, es bleibt aber nichts Bestimmtes in Erinnerung. NatĂŒrlich muss nicht jede Serie neue inszenatorische MaĂstĂ€be setzen, doch besonders in den Mystery- und Gruselmomenten ist noch Luft nach oben.
Wer nichts mit Teenie-Dramen anfangen kann und bei „Nancy Drew“ einen knallharten Krimi erwartet, wird enttĂ€uscht werden, denn dafĂŒr legen Schwartz, Savage und Landau zu viel Fokus auf die Beziehungen der Figuren und stellen den eigentlichen Mordfall erst hinten an. Die Serie erinnert daher stilistisch an ein Riverdale mit einer Detektivgeschichte als Grundlage und etwas Grusel als SahnehĂ€ubchen. Unterhaltsam ist die Pilotfolge auf jeden Fall. Ob „Nancy Drew“ aber auch wirklich auĂergewöhnlich ist, mĂŒssen die nĂ€chsten Folgen zeigen.
Verfasser: Mira Winthagen am Donnerstag, 10. Oktober 2019Nancy Drew 1x01 Trailer
(Nancy Drew 1x01)
Schauspieler in der Episode Nancy Drew 1x01
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