Mysterious Benedict Society: A Bunch of Smart Orphans - Review

© zenenfoto aus der Serie Mysterious Benedict Society (c) Disney+
Die amerikanische Popkultur liebt Geschichten über Waisen. Man muss gar nicht lange nachdenken und kommt schnell auf eine große Zahl von Heldinnen und Helden, die elternlos aufgewachsen sind: Dorothy in „Der Zauberer von Oz“, „Batman“, „Superman“, „Spider-Man“, die Figuren aus „Star Wars“ und zahlreiche weitere Beispiele lassen sich hier aufzählen. Die Adaption des Romans Mysterious Benedict Society - nebenbei: der deutsche Titel, den man zwingend in die Suche bei Disney+ eingeben muss, wenn man fündig werden will, lautet „Die geheime Benedict-Gesellschaft“) - macht nun quasi eine ganze Serienprämisse daraus. Denn eine Gruppe von Waisen soll undercover für einen Weltrettungsaufrag eingesetzt werden.
Benedict (Tony Hale) ist Erzähler und Titelgeber, doch im Auftakt A Bunch of Smart Orphans stehen vielmehr die schlauen Kinder im Mittelpunkt. Die große Gefahr heißt im Original „The Emergency“ und ist eine mysteriöse globale Krise. Doch das wissen die Rekruten anfangs noch gar nicht...
Die Serie basiert auf dem Beststeller von Trenton Lee Stewart und wird produziert von Sonar Entertainment, 20th Television, Jamie Tarses, Karen Kehela Sherwood, Matt Manfredi (Autor und Co-Schöpfer) und Phil Hay (Autor/Co-Schöpfer). Die Showrunner sind Darren Swimmer und Todd Slavkin.
Warum geht es im Auftakt von The Mysterious Benedict Society?

Die erste Folge stellt den Zuschauern vor allem Reynie Muldoon (Mystic Inscho) vor, ein für andere Kinder manchmal etwas sonderbares Waisen-Wunderkind, das durch eine Lehrerin die Chance erhält, das eigene Potential auszureizen. Eine Reihe von Eignungstestes an der Boatwright Academy besteht dabei häufig nur er und kommt so Runde zu Runde weiter.
Auf dem Weg dahin muss er einige Fallstricke und Versuchungen überwinden und beweisen, dass er ein Weltenretter sein könnte. Denn es gibt zahlreiche strenge Regeln, was mitgebrachtes Material, Pünktlichkeit oder Sprechen während des Tests angeht. Reynie ist stets bemüht, anderen zu helfen und riskiert dabei auch seine eigenen Chancen, etwa, als die „Schülerin“ Rhonda (MaameYaa Boafo) der Stift in ein Gitter fällt. Reynie zerbricht einfach seinen Bleistift und hofft, dass es einen Anspitzer gibt. Als Dank will sie ihre Antworten mit ihm teilen, doch auch dieser Versuchung widersteht er meisterlich. An dem Druck, der auf manchen Teilnehmern lastet, zerbrechen einige, denn es kommen wirklich nur die wenigsten weiter. Später gibt es weitere Prüfungen, die das logische Denken herausfordern oder kreative Lösungsansätze fordern. Für die junge Zielgruppe ist das sicherlich relativ clever und überraschend.
Allerdings erkennen ältere Zuschauer einige Muster, die man in anderen Filmen oder Serien schon gesehen haben könnte. Die „X-Men“, The Umbrella Academy, „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Miss Peregrine's Home for Peculiar Children“ von Tim Burton und vor allem der Manga und Anime Hunter x Hunter oder Naruto fielen mir beim Schauen der Prüfung ein. Andererseits: sicherlich nicht die schlechtesten Referenzen. Besonders, die Hunter-Prüfung von „HxH“ mit einigen Twists und doppelten Böden macht viel des Charmes des Vorbilds aus und anders ist es bei der neuen Disney-Serie auch nicht.
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Mysterious Benedict Society: Band 1
Clever oder abgedroschen?

Ziemlich von Anfang ist klar, dass die Zielgruppe von „Mysterious Benedict Society“ relativ jung sein solle. Ich würde denken, zwischen acht und 14 sollte man sein, um das Format wertzuschätzen. Wobei Junggebliebene sicherlich auch ihre Freude daran haben können. Denn der Cast rund um Inscho ist durchaus sympathisch, bis auf eine Last-Minute-Ergänzung, die aber auch nur für Stunk integriert wird. Das Kindertrio wird komplettiert durch George „Sticky“ Washington (Seth Carr), der sich Infos und Bilder blitzschnell merken kann sowie Kate Weatherall (Emmy DeOliveira), deren Eimer am Gürtel alles hat, was man für Problemlösungen gebrauchen kann. Solche breit angelegten Figuren bleiben heranwachsenden Serienfans sicherlich in Erinnerung. Allerdings muss man sicherlich Alleinstellungsmerkmale präsentieren, wenn es Konkurrenz wie „Fortnite“, „Minecraft“, „League of Legends“ oder zahlreiche YouTube-Creator gibt.

Zumal auch einige charismatische erwachsene Schauspieler an Bord sind. Neben Tony Hale in einer Doppelrolle wirkt etwa auch Ryan Hurst (Sons of Anarchy, The Walking Dead) als Benedicts Verbündeter Milligan mit und Kristen Schaal (Bob's Burgers, The Last Man on Earth) ist die schrullige Number Two, die die Regeln ausführt und eine Vorliebe für Gurkenwasser hat.
Der Pilot könnte das Problem haben, das man viele clevere Einfälle bereits verpulvert hat. Denn so eine Prüfungssituation hat schon etwas Besonders. Bleibt zu hoffen, dass die Autoren viele weitere schöne Ideen haben, um die Zuschauer bei der Stange halten. Das vorgelegte Tempo ist okay und nicht zu gehetzt. Es ist ein klassischer Auftakt, der die Prämisse anreißt, aber noch nicht vollständig einführt und die Zuschauer dann direkt mit einem Cliffhanger entlässt, welcher wiederum die Figuren vor vollendete Tatsachen stellt. So kann man viele wahrscheinlich zum Dranbleiben animieren.
I believe that children are our future!
Die Grundzutaten stimmen also. Und man muss sagen, dass man - recht typisch für Disney - eher noch jüngere Figuren ins Zentrum stellt, als es beispielsweise Amazon Prime Video oder Netflix mit ihren zahlreichen Young-Adult- und Coming-of-Age-Formaten gemacht haben. Im Kern ist und bleibt Walt Disney eben Familienunterhaltung und da kann man sich auch auf historische Stärken konzentrieren. Filme wie „A World Beyond“ oder „Artemis Fowl“ sind zwar nicht die größten Erfolge gewesen, aber so gibt man dieser Zielgruppe die Chance, sich in einem Stoff wiederzufinden. Zumal man hier auffällig bunt durchmischt. Die Vorlage kenne ich persönlich nicht, dennoch wirkt es so, als ob man möglichst viele junge Zuschauer und Zuschauerinnen ansprechen möchte. Noch konsequenter wäre nur, wenn man eine weibliche Heldin präsentiert hätte, wie in zahlreichen Animationsfilmen des Studios in der letzten Zeit - man denke hier nur mal an Raya, Elsa, Moana, Judy und Vanellope.
Fazit
A Bunch of Smart Orphans ist ein solider Auftakt für eine abenteuerlastige und durchaus clevere Serie für eine jüngere Zuschauerschaft. Manchmal merkt man wahrscheinlich etwas die Tatsache, dass es eine Buchvorlage gibt, was aber sicherlich nicht negativ ist, denn so kann man die potentiellen Zuschauer im besten Fall zum Lesen animieren.
Die Darsteller und die Charaktere wecken das Interesse zum Dranbleiben und das Episodenende macht neugierig. Wer ein bisschen harmlosen Eskapismus sucht, könnte hier also fündig werden.
Hier abschließend noch der Trailer zur gerade neu angelaufenen Serie „Mysterious Benedict Society“ auf Disney+:
Hier könnt Ihr Die geheime Benedict-Gesellschaft sofort bei Disney+ anschauen.