
Laura Diamond (Debra Messing) ist eine taffe Polizistin, die versucht, ihre Karriere und ihr chaotisches Familienleben, als sich im Scheidungsprozess befindende Mutter von zwei Söhnen, unter einen Hut zu bringen. Immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, beweist sie darüber hinaus eine ausgeprägte Spürnase und ein gutes Auge für Details in ihren Fällen.
Everyday normal mom
So leicht bringt Laura Diamond nichts aus der Fassung. Bevor eine Geiselnahme außer Kontrolle geraten kann, schießt sie dem Bösewicht kurzerhand in Dirty-Harry-Manier einen Teil des Ohres ab, schließlich hat sie auch noch andere Dinge zu erledigen. In Form ihrer zwei Söhne im Vorschulalter hat sie es nämlich mit zwei ganz besonderen Delinquenten zu tun. Für diese muss sie aufgrund multipler Vergehen einen neuen Kindergarten suchen. Wenig hilfreich ist dabei ihr Ehemann Jake (Josh Lucas), der weder die Scheidungspapiere unterschreiben will, noch sonderlich konstruktives und nützliches zur Erziehung seiner Söhne beitragen kann.
Der erste Fall, den die Zuschauer begleiten dürfen, führt Laura zusammen mit Captain Dan Hauser (Ex-Marshmallow Enrico Colantoni, Veronica Mars, Flashpoint) dem lockeren Chef ihres Polizeireviers, zum Anwesen eines reichen Computermoguls. Dieser bekam bereits mehrere Todesdrohungen und bittet die Polizei um Hilfe. Die hätte er auch bitter nötig gehabt, denn als Laura und Dan nach ein paar Fragen das Anwesen verlassen möchten, wird er vom Personal ermordet aufgefunden.
Lauras Ermittlungen führen sie und ihren Partner Billy (Laz Alonso) vom Bruder des Verstorbenen bis hin zur Ehefrau. Nebenbei hat sie auch noch alle Hände voll mit der Organisation eines neues Kindergartenplatzes für ihre Kinder zu tun.
MTV, NBC und McG
Bei The Mysteries of Laura zieht sich die Handschrift des Produzenten und Regisseurs McG erkennbar durch die Pilotepisode. Das Erzähltempo ist schnell, Pop und Rocksongs begleiten dynamisch und omnipräsent fast jede Szene. Es fällt schnell auf, dass McG eine Menge Musikvideos gedreht hat, denn an einigen Stellen geben die Songs mit ihren Texten fast wörtlich die Geschehnisse der Szenen wieder. Das reicht mit „Trouble“ von Pink bis hin zur ziemlich exakten lyrischen Beschreibung der Gefühle von Laura und Jake. Das kann zwar die Geschehnisse auf dem Bildschirm unterstreichen und mag auch eine Kunstform in sich darstellen, droht aber durch seine penetrante und wenig subtile Art das Gesamtbild der einzelnen Szenen zu überladen.
Die Figur von Laura wird rasant und schnörkellos als Mischung aus starker Polizistin, die immer das letzte und witzigste Wort hat, und mitfühlender Mutter etabliert. Debra Messing macht ihre Sache durchaus gut, doch die viel zu häufigen Versuche, sie cool und lustig darzustellen, wirken durch ihre schiere Quantität zu bemüht. Die Darstellung ihres Charakters ist zudem inkonsistent. Dinge, wie ihre Kinder mit Hustensaft zu betäuben oder Kindergartenplätze zu erpressen, beißen sich mit ihrem Image als fürsorgliche und mitfühlende Mutter, beziehungsweise der Polizistin mit klarem Rechtsbewusstsein.

Auch Lauras Kind-gebliebener Ehemann vermittelt ziemlich gemischte Eindrücke. Für jemanden, der seine Frau angeblich noch liebt, zeigt er wenige Qualitäten, die ihn tatsächlich sympathisch machen. Er ignoriert und überspielt jegliche Einwände und Sorgen seiner Frau bezüglich seiner Kinder und reibt ihr zudem gerne seinen höheren Karrierestatus unter die Nase.
Der Fall der Woche wirkt insgesamt sehr dünn. Auch wenn ich über ein paar Plot-Holes hinwegsehen kann, darf ruhig erwähnt werden, dass es schon ein wenig seltsam ist, dass einer reichen Mordverdächtigen mit Haftbefehl, Aufschub gewährt wird (Stichwort: Fluchtgefahr), gerade wenn der Polizeicaptain einen mehr als guten Grund hat, sie schnellstmöglich einzubuchten. Davon abgesehen, muss der Zuschauer auch einfach hinnehmen, dass Laura ohne Probleme unbemerkt die Pistole ihres Bosses entladen kann. Dazu bleibt darüber hinaus auch das ungute Gefühl, dass das gute Schauspiel und das Charisma eines Enrico Colantoni, The Mysteries of Laura gerade auf langfristige Sicht gut getan hätte.
Fazit
Sicherlich kann der Serie zugute gehalten werden, dass sie auf anspruchsloses Entertainment aus ist und deswegen nicht jeder Stein umgedreht werden sollte. Bisweilen funktioniert das auch ganz gut, denn trotz der Schwächen kann das Erzähltempo und die Lockerheit zumindest zeitweise unterhalten. Deswegen ist es durchaus vorstellbar, dass so ein Platz im Programm von NBC auch auf längere Hinsicht gefunden werden könnte.
Mit dieser Art von Procedural müssen nicht zwangsläufig bahnbrechende Innovationen einhergehen, doch ein paar Frische Ideen haben noch keinem Serienformat geschadet. Doch leider ist die Suche danach bei The Mysteries of Laura vergebens. Ein Ausbruch aus der qualitativ ordinären Mittelmäßigkeit scheint dementsprechend eher unwahrscheinlich.