My Brilliant Friend 1x01

© HBO/Magenta TV
My Brilliant Friend basiert auf dem neapolitanischen Roman von Elena Ferrante. Adaptiert von Jennifer Schuur und Paolo Sorrentino und unter der Regie von Saverio Costanzo ist das HerzstĂŒck der HBO-Serie die enge Verbindung zwischen Raffaella âLila" Cerullo und Elena âLenĂč" Greco, zwei kluge und willensstarke MĂ€dchen. Sie freunden sich an und geben sich Kraft in einer Umgebung, die von Armut und Gewalt beherrscht wird. WĂ€hrend sie heranwachsen, wird ihre Freundschaft von zu unterschiedlichen Möglichkeiten in der Entwicklung immer wieder erschĂŒttert. Lila (Ludovica Nasti und Gaia Girace) ist ein absolutes Genie, das instinktiv Italienisch und Latein, Geschichte und Mathematik beherrscht. Von ihrer Lehrerin erkannt und gefördert, bleiben ihr dennoch viele Chancen verwehrt, da sie als arme Tochter eines Schuhmachers in einem Haus aufwĂ€chst, das Bildung nicht wertschĂ€tzt. Die UmstĂ€nde von LenĂč sind Ă€hnlich dĂŒster, allerdings wird sie von einem interventionistischen Schullehrer und ihrem fĂŒrsorglichen Vater ermutigt. LenĂč (gespielt als Kind von Elisa del Genio und als Teenager von Margherita Mazzucco) ist die ErzĂ€hlerin der Geschichte der Serie. Sie beginnt in der Gegenwart mit dem plötzlichen Verschwinden ihrer Freundin und kehrt von dort aus zurĂŒck in ihre Kindheit und Jugend.
„My Brilliant Friend“ wirkt wie aus einer anderen Zeit entschlĂŒpft. Der zentrale Ort aus Ferrantes Roman - ein neapolitanischer Slum aus den 1950er Jahren - ist ein gigantisches Set, gehĂŒllt in bedrĂŒckendes Grau. Bestehende SchauplĂ€tze wurden so dekoriert, dass sie in die Zeit von vor ĂŒber 60 Jahren passen. Autos, Kleidung und reichlich Details versetzen den Zuschauer in ein authentisches Italien dieser Ăra. Trotz des enormen Aufwands, fĂŒhlt sich das Ergebnis intim und bescheiden an. Wir tauchen in eine Zeit, einen Ort und eine soziale Klasse ein, welche die Ungerechtigkeiten und Grausamkeiten, die den Charakteren widerfahren, nicht kommentieren, auch wenn es uns schmerzlich bewusst ist. Die so offensichtliche Kluft zwischen den Figuren und ihrem Verlangen nach GlĂŒck wird lediglich leise demonstriert.
Saverio Costanzo erschafft ein tristes Viertel, das sich durch allgegenwĂ€rtige Gewalt auszeichnet, inmitten einer Gemeinde, die schweigt und zuschaut. Ein Schreiner wird wĂ€hrend einer Beerdigung aus der Kirche gezerrt und zu Brei geschlagen, wĂ€hrend der Priester weitermacht, als sei nichts geschehen. Frauen stoĂen sich im Hausflur die Treppe hinunter, ein junges MĂ€dchen wird aus einem Fenster geworfen, ein anderes mit Steinen beworfen. MĂ€nner schlagen ihre Frauen, die wiederum ihre Kinder schlagen, die sich dann gegenseitig schlagen. Mord ist ein ebenso unauffĂ€lliges Ereignis wie die schreienden KĂ€mpfe, die sich in den TreppenhĂ€usern der GebĂ€ude abspielen. Die eintönige Farbpalette des Sets unterstreicht die Freudlosigkeit und Fadheit des Ortes. Die WĂ€nde der WohnhĂ€user sind grau, der Schmutz am Boden ist schlammig braun, alle Charaktere tragen glanzlose Blau- und GrĂŒntöne. Die einzige lebendige Farbe ist das Rot von vergossenem Blut.
Als LenĂč und Lila zum ersten Mal aufeinandertreffen, sind sie nicht nur optisch scheinbar starke GegensĂ€tze. Elena wird von ihrer Lehrerin dafĂŒr gelobt, dass sie âprĂ€zise und ordentlich" ist, wĂ€hrend Lila schmuddelig, ungepflegt und mit funkelnden dunklen Augen daherkommt. âIch fĂŒhlte mich seltsam angezogen von diesem bösen MĂ€dchen", erinnert sich Elena in der ErzĂ€hlung, die ĂŒber einige Szenen gelegt ist und ab und an Einblicke in ihre Empfindungen erlaubt. FĂŒr LenĂč bietet Lila nicht nur Freundschaft, sondern Abenteuer und Nervenkitzel in einer sonst so traurigen Kinderwelt. âNichts von dem, was ich alleine gemacht habe, war aufregend genug", erinnert sich Elena. Ohne Lilas unwiderstehliche PrĂ€senz fĂŒhlt sich LenĂčs Leben âverdorben und staubig" an. Das Drama, das sie anzieht, das GefĂŒhl von StĂ€rke, was durch ihre bloĂe Anwesenheit auf LenĂč ĂŒberzugehen scheint, ihre Aura, die sich wie ein schĂŒtzender Mantel um beide MĂ€dchen legt, macht ein Leben ohne Lila fĂŒr LenĂč nicht mehr denkbar. Elena saugt Lilas Energie auf wie ein Schwamm und nĂ€hrt sich davon, so dass sie ĂŒberleben kann. Die Kinder scheinen in so vielen Momenten zu ertrinken und nutzen sich gegenseitig als Rettungsboot, da sonst niemand seine Hand zur Hilfe ausstreckt. Dass die Schauspieler die KomplexitĂ€t der GefĂŒhlswelt vermitteln können, ist der bemerkenswerteste Erfolg von „My Brilliant Friend“. Das Funkeln der Schauspieler in dieser dĂŒsteren Umgebung ist nur einer der GrĂŒnde, warum ich fĂŒr das gelungene Werk fĂŒnf Sterne vergebe.
Verfasser: Gine Kreuzer am Montag, 19. November 2018My Brilliant Friend 1x01 Trailer
(My Brilliant Friend 1x01)
Schauspieler in der Episode My Brilliant Friend 1x01
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