Murderville: Pilotreview zum Improvisations-Krimi beim Streamingdienst Netflix

© oster zur Serie Murderville (c) Netflix
Ein kniffliger Kriminalfall, für den man eigentlich einen Columbo bräuchte: ein raubeiniger, einfach gestrickter Detective in Gestalt von Will Arnett (Arrested Development) und eine ständig wechselnde Partnerperson ohne Drehbuch sind die Zutaten für die halb improvisierte Netflix-Comedyserie Murderville. Das Ganze basiert auf dem britischen „Murder in Successville“, das vor einigen Jahren drei Staffeln lang auf BBC Three lief und zu den witzigsten UK-Formaten des letzten Jahrzehnts zählt. Damals ermittelte der Comedian Tom Davis („King Gary“) als DI Sleet mit ständig wechselnder Unterstützung. Der größte Unterschied: Die Verdächtigen und Täter:innern der britischen Versionen waren Parodien auf Berühmtheiten, während es sich bei der US-Version um einfache Charaktere ohne Vorlage handelt.
Hier zum Vergleich der Trailer zur britischen Vorlage:
Die Originalserie wartete mit Gast-Ermittler:innen wie Deborah Meaden aus der britischen „Die Höhle der Löwen“-Vorlage „Dragon's Den“ oder Spice Girl Emma Bunton auf. Für die erste Staffel von „Murderville“ konnten hingegen internationale Stars wie Sharon Stone (Mosaic), Ken Jeong (Dr. Ken) oder Kumail Nanjiani (Silicon Valley) gewonnen werden.
Den Anfang macht allerdings Late-Night-Moderator Conan O'Brien, was gleichzeitig Segen und Hindernis für den Auftakt ist. Conan ist nämlich ein so eingespielter Profi, wenn es darum geht, spontan auf Talkshowgäste oder theatralische Situationen zu reagieren, dass es für ihn überhaupt kein Problem ist, sich durch einen improvisierten Krimi zu navigieren. Ohne es zu wissen, könnte man streckenweise sogar annehmen, dass es sich überhaupt nicht um ein Improvisationsformat handelt - dabei bestand ein Großteil des Humors von „Successville“ gerade aus der Situationskomik mit überforderten Gästen.
Arnett kommt als Senior Detective Terry Seattle nicht ganz so unvorhersehbar und zügellos rüber wie sein britischer Kollege, macht aber einen geradezu kriminell-guten Job als Loose-Canon-Cop, der mit seinem PD-Schnorres glatt aus Polizeiparodien wie Brooklyn Nine-Nine oder Angie Tribeca stammen könnte. Der cholerische Polizeichef aus der UK-Version ist diesmal Haneefah Wood als Chief Rhonda Jenkins-Seattle. Aus dem Namen habt Ihr Serien-Sherlocks sicher schon geschlossen, dass es sich dabei um die genervte Exfrau von Terry handelt. Awkward!
In der Auftaktepisode „The Magician's Assistant“ bekommt Detective Seattle seinen ersten neuen Co-Ermittler zur Seite gestellt, nachdem seine Partnerin Lori Griffin (einem Foto nach: Friends-Star Jennifer Aniston) im Einsatz ums Leben kam. Untersucht werden muss der Fall eines mörderisch schiefgegangenen Zaubertricks, bei dem die Assistentin eines Bühnenmagiers in zwei Hälften gesägt wurde - also in echt und ohne, dass sie am Ende wieder zusammengezaubert werden konnte. Ist der sägende Illusionist für die Tat verantwortlich oder hat sich jemand an seinem magischen Equipment zu schaffen gemacht, um es ihm in die Schuhe zu schieben? Und wie kann es angehen, dass ein Senior Detective den Fall der aus dem Ohr kommenden Münzen nicht ohne die Hilfe von YouTube-Tutorials lösen kann?

So muss Trainee Detective O'Brien sich im Laufe der ersten Folge von Verhör zu Verhör durch eine Galerie von Verdächtigen improvisieren, was ihm, wie gesagt, viel zu leicht fällt, auch wenn Arnett immer wieder versucht, Aufmerksamkeit auf seine angebliche Überforderung zu lenken. Am Ende muss der Gast sich auf eine Person festlegen, woraufhin es entweder Lob oder Schelte vom eintreffenden Chief gibt. In der Originalversion wurden die ausgewählten Verdächtigen stets nach Auflösungsansage des Gaststars im überzogenen Kugelhagel erschossen, was in Anbetracht der laufenden Polizeigewaltdiskussion in den Vereinigten Staaten vermutlich weniger gut aufgenommen worden wäre...
Fazit
Murderville sieht auf den ersten Blick wie eine gelungene Adaption der UK-Vorlage aus, von der es ehrlich gesagt nicht annähernd genügend Episoden gab. Das amerikanische Remake wirkt jedoch etwas sortierter und weniger improvisiert als die britische Version, was aber auch daran liegen mag, dass Premierengast Conan O'Brien viel zu sehr Vollprofi ist, als dass man ihn mit absurden Situationen aus der Fassung bringen könnte. Das raubt der ersten Episode eine Menge von dem Witz, den man unter Umständen aus der Originalserie gewohnt ist. Das Format, bei dem man immer auch miträtseln kann, welcher Hinweis zur korrekten Auflösung führt, besitzt aber (bekanntermaßen) so viel Potential, dass es ein Verbrechen wäre, schon nach der ersten Folge die Sofadetektivdienstmarke an den Nagel zu hängen...
In der ersten Staffel der Serie „Murderville“ gibt es sechs Fälle zu lösen, die in der englischen Originalversion mit deutschen Untertiteln vorliegen. Synchronfassungen gibt es nur auf Türkisch, Polnisch und Spanisch, wobei man sich durchaus fragen kann, inwiefern das bei improvisiertem Material überhaupt (im Gegensatz zu Reality-TV-Voice-over) Sinn ergibt.
Hier abschließend noch mal der Serientrailer zur Serie „Murderville“ beim Streamingdienst Netflix:
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