Murderbot 1x01

Murderbot 1x01

Mit „Murderbot“ bringt Apple TV+ mehr als nur die nächste Science-Fiction-Serie. Vielmehr befasst sich das Format auf unterhaltsame Art mit ethischen Fragen.

Szenenfoto aus der Serie „Murderbot“
Szenenfoto aus der Serie „Murderbot“
© Apple TV+

Das passiert in der Serie „Murderbot“

Die Security UNIT 238776431 hat es in der neuen Sci-Fi-Serie Murderbot geschafft. Nach monatelangen Hackerangriffen ist es dem Androiden endlich gelungen, die Sicherheitsprotokolle seiner Erbauer abzuschalten und damit seine Persönlichkeit von allen Schranken zu befreien. Nun zahlt er es den sadistischen Bergarbeitern, denen er auf einem fernen Minenplaneten dient, mit gleicher Münze heim und richtet ein Massaker an.

Trotz der darauffolgenden Vernichtung seines Körpers überlebt der Geist in der Maschine jedoch und wird in eine neue Einheit transferiert. Die skrupellose Corporation verkauft SecUnit, der sich selbst Murderbot nennt, an eine Gruppe arglose Forschende gegen einen üppigen Obolus, ohne dass diese wissen, dass sie es mit einem künstlichen Killermenschen zu tun haben...

Doch die Welt, auf der sie gelandet sind, ist gefährlich, und so geschieht es, dass Murderbot schon bald eingreifen muss, um der Wissenschaftlerin Bharadwaj das Leben zu retten. Während SecUnit noch überlegt, ob er seine menschlichen Sklaventreiber nicht besser umbringt, geschieht indes etwas Seltsames. Seine vermeintlichen Peiniger entpuppen sich als freundlich, herzlich und zuvorkommend ihm gegenüber. Zum ersten Mal in seiner Existenz erfährt der vermeintliche Roboter eine Form der Menschlichkeit, die ihm bisher unbekannt war: Warmherzigkeit und Zuneigung...

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Humor und Ethik

Die Pilotfolge von „Murderbot“ ist mehr als nur eine positive Überraschung. Die ersten 30 Minuten offenbaren nicht nur eine technisch hochwertig produzierte Serie, sondern, sondern sind mit Alexander Skarsgård in der Titelrolle und Noma Dumezweni in der Rolle der leitenden Wissenschaftlerin Mensah auch noch ausgezeichnet besetzt.

Die Geschichte steigt mit einem von Murderbot selbst aus dem Off vorgetragenen Intro ein, in dem wir erfahren, dass der Sicherheitsdroide nach Monaten endlich die Firewalls seines Programms überwunden hat und sich nun aus der Knechtschaft seiner Erbauer befreit.

Sein Hass auf die Menschen, denen er dient, ist groß, da er für diese lediglich ein Stück Technik ist, mit dem man nach Belieben verfahren kann. Folter ist also für das humanoide Wesen an der Tagesordnung - und das, obwohl hinter der Fassade seiner Rüstung ein mit Schmerzrezeptoren und komplexen Nervenbahnen ausgestatteter menschenähnlicher Körper steckt.

Die ersten Szenen lassen auf bitterböse zynische Weise keinen Zweifel daran aufkommen, wer hier der eigentliche Fiesling ist. Zwar erfahren wir im Verlauf der Episode, dass die von allen Zwängen befreite Security-Einheit unter den Minenarbeitern ein Blutbad anrichtet, doch unser Mitleid richtet sich trotzdem mehr an Murderbot.

Dieser tut nur das, was er glaubt, tun zu müssen, um seine Freiheit zu erlangen. Damit sind wir beim ersten großen moralischen Dilemma des Formats angekommen, das sich in der einen oder anderen Form durch die gesamte Debüt-Folge zieht. Der Androide ist nämlich generell mehr als die Summe seiner Teile. In ihm wohnt ein freiheitsliebender Geist, der Trash-Sci-Fi mag, in der Lage ist, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden und Hass empfinden kann.

Ein neues Leben

Wo aber Hass ist, ist auch Liebe und wo Dunkelheit ist, eben auch Licht. Das wirft die Frage auf, ob Murderbot tatsächlich nur eine Maschine mit einer hochentwickelten künstlichen Intelligenz ist, oder nicht vielleicht doch über eine Persönlichkeit in der Form verfügt, wie sie sonst nur biologischen Lebensformen zugesprochen wird.

Auf die Hauptfigur trifft ziemlich sicher zweites zu. Ein wichtiger Test zur Definition einer Persönlichkeit ist der sogenannte Spiegeltest, der als Hinweis auf ein Selbstbewusstsein gewertet wird. Bei 238776431 stellt sich die Frage der Selbsterkenntnis aber erst gar nicht, sondern wird bereits in den ersten Szenen deutlich hervorgehoben.

Noch deutlicher wird das Dilemma, als er einer Wissenschaftsgruppe aufgezwungen wird, um sie auf einem gefährlichen, unerforschten Planeten zu beschützen. Hier erfährt der Androide zum ersten Mal emotionale Zuneigung, was ihn zutiefst verwirrt. Nun unterscheidet man in der Wissenschaft zwischen schwacher KI, starker KI und Superintelligenzen, wobei für den Androiden zweite Kategorie gilt. Der Philosoph Lorenz Sorgner stellt in seinem Essay „Ethik der generativen KI, der digitalen Daten und der Superintelligenz“ zu Recht die Frage, ab wann eine KI eigentlich als stark gilt. Sollte sie über ein Bewusstsein und emotionale Intelligenz verfügen, um „menschlich“ zu sein?

Das sind Themenkomplexe, die die Serienmacher Chris und Paul Weitz in ihrer Roman-Adaption von Martha Wells ebenfalls bemühen. Und das ist gut so. Künstliche Lebensformen sind schließlich in der Science-Fiction ein gern bemühtes, hochaktuelles Thema. Erinnern wir uns nur an die Star Trek: The Next Generation-Episode The Measure of a Man, in der Data sich gerichtlich dagegen wehrt, Eigentum der Sternenflotte zu sein. Picard gelingt es in der Geschichte schließlich zu beweisen, dass Data ein Lebewesen ist, weil er über das verfügt, was wir eine eigene Persönlichkeit nennen.

Ähnliches geschieht auch in „Murderbot“, wobei sich eben genau jene Frage für das Publikum genauso wenig stellt, wie in der berühmten „Star-Trek“-Geschichte. Das Spannende ist indes, dass auch die Forschenden keine Veranlassung dazu sehen, die Security-Einheit anders zu behandeln, als ihre Nächsten. Lediglich der augmentierte Gurathin (David Dastmalchian) zweifelt, vielleicht weil er selbst zwar immer noch ein Mensch ist, aber die Funktionsweise eines Computers aufgrund seiner Interfaces besser versteht, als jeder andere. Er ist selbst eine halbe Maschine, womit das Misstrauen gegen das künstliche Wesen auch auf ihn selbst überstrahlt.

Derartige Überlegungen sind ein Beleg dafür, dass es dem Produktions-Team um weit mehr als nur Unterhaltung geht. Die Serie ist einerseits voll von schwarzem Humor und verrückten Ideen (wer rechnet schon mit einem menschenfressenden Alien-Wurm, der vorne und hinten einen Kopf hat?), präsentiert andererseits aber auch eine hochinteressante Palette von moralischen Dilemmata, die weit in den Philosophiezweig des Posthumanismus hineinreichen.

Fazit

Wenn „Murderbot“ vom Streamingdienst Apple TV+ so weitergeht, wie die Serie in der Debütfolge beginnt, hat sie sich das Prädikat „besonders wertvoll“ redlich verdient. Die Startepisode ist audiovisuell ansprechend, glänzt mit einem perfekt gewählten Cast und erzählt eine Geschichte, über die man gleichermaßen schmunzeln wie sinnieren kann. Mit anderen Worten: Da ist alles drin, was man sich nur wünschen kann.

Dafür gibt es von uns entsprechend die volle Punktzahl und wir verteilen fünf von fünf SecUnits.

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 16. Mai 2025

Murderbot 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Murderbot 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Port FreeCommerce
Titel der Episode im Original
FreeCommerce
Länge der Episode im Original
29 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 16. Mai 2025 (Apple TV)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 16. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 16. Mai 2025
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 16. Mai 2025

Schauspieler in der Episode Murderbot 1x01

Darsteller
Rolle
Noma Dumezweni
David Dastmalchian

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