Mulligan: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie mit Tina Fey

Mulligan: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie mit Tina Fey

Mit der Netflix-Zeichentrickserie „Mulligan“ tritt das Duo, das uns „30 Rock“ und „The Unbreakable Kimmy Schmidt“ gebracht hat, an, um erneut die Herzen der Fans zu erobern. Gelingt das Unterfangen auch mit dem Zeichenstift?

Neu bei Netflix: „Mulligan“
Neu bei Netflix: „Mulligan“
© Netflix/Universal TV

Die Erde wird von Aliens angegriffen und es liegt in der neuen Netflix-Serie Mulligan an einem mittelmäßigen Baseballspieler aus Boston, den Planeten zu retten. Das tut er, indem er eine Granate in den Lüftungsschacht der Außerirdischen wirft und damit das System außer Gefecht setzt. Dadurch wird er zum Präsidenten der Handvoll Überlebender, die sich eine zweite Chance wünschen.

Wovon handelt die Serie „Mulligan“?

Aliens vom Planeten Cardi.B („Es ist nur ein Zufall!“) übernehmen die Macht auf der Erde, der Kampf kostet einen Großteil der Bevölkerung das Leben. Bis der Baseballspieler Matty Mulligan (Nat Faxon, Disenchantment) mit Unterstützung der Schönheitskönigin Lucy (Chrissy Teigen, „Die Mitchells gegen die Maschinen“) die Welt rettet. Der Politiker und einstige Senator Cartwright LaMarr (Dana Carvey, „Wayne's World“) nimmt ihn unter seine Fittiche und macht ihn auf der Stelle zum Präsidenten. Dabei ist mehr als offensichtlich, dass er eine Strohpuppe sucht, der er als graue Eminenz die Macht aus der Hand nehmen kann. Das läuft gut an, Matty hat nur zwei Punkte auf seiner Agenda: Lucy zu seiner First Lady zu machen und einen Weg zu finden, wie man Bier kühlen kann.

Gemeinsam hat das Präsidentenpaar jedoch eine glänzende Idee: Sie wollen unter den Überlebenden Experten suchen, die sie unterstützen. So kommen unter anderem die Militärwissenschaftlerin Farrah (Tina Fey, 30 Rock) und der Historiker Simon (Sam Richardson, Detroiters) ins Weiße Haus.

Was allen Überlebenden gemein ist, ist, dass sie sich eine zweite Chance im Leben wünschen. Dafür schauen sie hoffnungsvoll in die Zukunft, während sie aus den Trümmern der Gesellschaft eine bessere bilden. Doch was genau diese bessere Welt ausmacht und was sich jeder persönlich davon verspricht, liegt oft weit auseinander.

Wie kommt es rüber?

Der Dreh der Serie „Mulligan“ ist eben genau das: der Wunsch nach einer zweiten Chance und die Feststellung, dass es keinen frischen Neuanfang gibt, weil Menschen immer sich selbst mitbringen: komplizierte und oft egoistische Wesen. Die überschaubare neue Gesellschaft beginnt in vielen Bereichen mit gut gemeinten Projekten, viele von denen bringt die Schönheitskönigin auf den Weg. Doch im Großen wie im Kleinen zeigt sich immer wieder, dass der Weg nicht ins Idyll, sondern in dieselbe chaotische, ungerechte Welt führt, die es vor der Apokalypse gab.

Das ist eine vermutlich zu erwartende und an vielen Ecken schlau umgesetzte Beobachtung, die jedoch nicht unbedingt zu großartigen Witzen führt. Die beiden Köpfe hinter der Serie, Sam Means und Robert Carlock, haben sich unter anderem mit 30 Rock und The Unbreakable Kimmy Schmidt in der Serienwelt einen Namen gemacht. Die Handschrift der beiden lässt sich auch in der neuen Serie deutlich erkennen, doch - zumindest in den ersten Episoden - fehlt etwas, was den Vorgängern zu eigen war...

Darunter fällt ganz vorne die Stärke der Witze. Manchmal angestaubt, manchmal zu klischeehaft, nur hin und wieder scheint die gewohnte Stärke durch. Auch der Charakterentwicklung merkt man die Abwesenheit von Darstellermimik an, auf der vieles in den anderen Serien beruht. Immer wieder haben Zeichentrickserien gezeigt, dass das kein Hindernis sein muss, aber in diesem Fall ist es leider eines. Im Original sind zwar bekannte Stimmen zu hören, doch auch das reicht nicht aus, um aus den recht stereotypischen Figuren echte Charaktere zu formen.

Was übrig bleibt, sind clevere Beobachtungen zwischenmenschlichen Verhaltens, überraschende Reaktionen und Situationen mit schräger Komik sowie eine Story, aus der man etwas ziehen kann, wenn man denn hinhören möchte. Wir bekommen hier eine unterhaltsame Serie, die im Vergleich mit den Vorgängern schwach abschneidet, aber an sich immer noch genügend bietet, um jemandem einen verregneten Sonntag zu versüßen.

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