Ms. Marvel 1x04

© zenenfoto aus der Folge Rot sehen der Serie Ms. Marvel (c) Disney+/Marvel Studios
In der vierten Episode der Serie Ms. Marvel mit dem Titel Rot sehen gönnen die Macher den Zuschauern einen ausgiebigen Ausflug nach Karatschi in Pakistan, wo Kamalas Familie mütterlicherseits her ist. Oma Sana (Samina Ahmed) hat die beiden zu sich gerufen, nachdem sie die Zugvision ebenfalls gesehen hatte. Im ersten Moment verwundert es vielleicht, wie spontan diese Reise eingeschoben werden kann, aber weil es nur Kamala (Iman Vellani) und Mutter Muneeba (Zenobia Shroff) sind, kann man das wohl akzeptieren. Die ganze Familie spontan rüberzufliegen, wäre wohl sehr viel teurer, gerade nach einer großen Hochzeitsfeier.
Kamala und Muneeba kommen während des Fluges trotzdem nicht ohne ein paar Streitigkeiten aus, worunter der fremde Mann im Mittelsitz leidet. Und obwohl Mutter Khan ihrer Tochter die Schuld für das Hochzeitschaos gibt, will man sich der Oma zuliebe vertragen. Aufgeschoben ist derweil die Aussprache mit Nakia (Yasmeen Fletcher), die erst verspätet und überraschend erfahren hat, dass Kamala Ms. Marvel ist. Wie schon zuvor werden Textnachrichten wieder organisch in die Hintergründe eingebettet. Diesmal im Flugzeugfenster.
Willkommen in Karatschi
Vor Ort holt die Familie, in Form von Cousins und Cousinen, die Gäste ab und auch Oma Sana lässt es sich nicht nehmen, die Tochter und Enkelin persönlich willkommen zu heißen. Dabei sehen wir auch, dass in Familie Khan die Nörgelei von Generation zu Generation weiter vermacht wird. Aber irgendwo beruht es auch auf Gegenseitigkeit. Während sich eine über trockene Haut beschwert, beschwert sich die andere über fehlende Farbe am Haus oder allgemeine Unordnung.

Sana erzählt von den Verlusten während der sogenannten Partition, die schon mehrfach in der Disney+-Serie angesprochen wurde und zur Trennung von der Urgroßmutter Aisha und dem Rest der Familie führte. Zudem sieht man in ihrem Zuhause, dass sie sich eine Erinnerungscollage gebastelt hat (erinnert mich ein wenig an Pixars „Coco“, der Episodentitel und einige Themen wiederum an den Animationsfilm „Rot“) und nur ein einziges Babyfoto von sich besitzt. Relativ abgeklärt reagiert sie darauf, dass Kamala Kräfte besitzt, denn für sie ist das ein genetischer Fakt. Zudem hat der bangle, also der Armreif, beim letzte Einsatz Sanas Leben gerettet, also verteufelt sie es nicht so, wie etwa ihre Tochter, die sich für die Geschichten der Mutter offenbar schämt. Der Armreif versucht, offenbar durch die Visionen, Kamala etwas mitzuteilen. Während Oma am Telefon also immer etwas zurückhaltend war, ist sie in Persona deutlich unterstützender und will der Enkelin helfen, ihrer Bestimmung nachzukommen.
Scharfes Essen und Stadterkundung
Kamala muss nach dem Flug an ihren ersten Kampf mit Najma (Nimra Bucha) und ihren Clandestines denken. Cousin und Cousine wollen ihr derweil die Stadt zeigen und haben dafür einen ganzen Nachmittag geplant. Dabei stellt sich heraus, dass Kamala mit den Temperaturen vor Ort und dem scharfen Essen zu kämpfen hat. Eine Tante kommt hinzu, die Muneeba wegen Kamalas für Pakistanis ungewöhnlichen Namen als Rebellin bezeichnet. In diese Richtung werden immer wieder kleine Hinweise eingestreut. Ob da auch noch eine genauere Erklärung folgt?
Die Reise nach Pakistan unterstreicht erneut, mit wie viel Liebe zum Detail und wie sehr für die Kultur hier gearbeitet wird. Da nimmt man sich ein Vorbild an den animierten Disney-Filmen, die ebenfalls gerne mal bislang wenig beachtete Kulturräume erforschen und einem größeren Mainstreampublikum möglichst authentisch nahebringen wollen. Da ich selbst noch nie in der Region war, kann ich zwar nicht vollständig beurteilen, wie gut das gelungen ist, aber man erhält den Eindruck, dass sich Mühe gegeben wird.
Während die entfernten Verwandten ihre Tour durchziehen, möchte Kamala am liebsten zum Bahnhof, den sie nun schon öfter in ihren Visionen gesehen hat, doch den soll sie selbst erkunden, während die junge Verwandtschaft woanders hingeht. Immerhin erhält sie eine Wegbeschreibung von einem Polaroid-Knipser, der ihr ein Foto verkauft.
Red Daggers

Im Bahnhof setzt sie ihre Dominomaske auf und trifft auf Kareem (Aramis Knight) aka Red Dagger - eine weitere Figur, die man aus den Comics kennt. Es folgt ein kleiner Trainingskampf, bei dem wir sehen, dass Kamala immer besser mit ihren Kräften zurechtkommt und ihren Instinkten vertraut. Es stellt sich heraus, dass Kareem ihre Urgroßmutter kennt und ihr einen Verbündeten vorstellen will. Das Hauptquartier der Red Daggers befindet sich in einem Restaurant. Hier erklärt Anführer Waleed (Farhan Akhtar) ihr etwas mehr zu den unterschiedlichen Dimensionen und Kräften der Djinn.
Es geht um mehrere Dimensionen, die an einem Ort gleichzeitig existieren. Kommt es jedoch zur Kollision, dann droht eine davon ausgelöscht zu werden. Das klingt wie ein Konzept, das uns beispielsweise schon in „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ begegnet ist und auch im Comic-Crossover „Secret Wars“ von Jonathan Hickman eine gewaltige Rolle spielt.
Hier kannst Du „Secret Wars (Hardcover)“ bei Amazon.de kaufen
Obwohl wir jetzt schon mehrere Folgen lang von den Djinn gehört haben, bin ich mir noch nicht sicher, ob man das Konzept, wie es bisher vorgestellt wurde, greifen kann. Vielleicht ist das einfach nur ein regionaler Begriff für Wesen mit Superkräften, denn hier wird erneut Thor als Vergleich herangezogen, der im Himalaya auch als ein solcher klassifiziert werden würde. Vielleicht muss man sich darüber einfach keine großen Gedanken machen. Eine Verbindung mit den Kree oder anderen Alienvölkern halte ich weiterhin nicht für ausgeschlossen... So könnte man sich durch die Hintertür auch eine Inhuman-Erklärung offenhalten.
Außerdem wird das Noor als Energiequelle für die Djinn erneut vom Red-Dagger-Chef erwähnt. Es ist wichtig, den Armreif zu beschützen, weil man sonst eine unschuldige Dimension gefährden könnte. Mehr muss man wahrscheinlich gar nicht aus dieser Erklärung mitnehmen. Waleed meint außerdem, dass darauf steht: „What you seek is seeking you.“ Was genau das bedeutet, muss Kamala wohl noch ergründen. Außerdem erhält sie einen besonderen Kleidungsstoff, der wohl am Ende der Staffel auch zu dem aus den Comics bekannten Kostüm beitragen wird, was man ja schon auf den Promopostern sehen konnte.

Apropos Clandestines: Diesen gelingt die Flucht aus einem Damage-Control-Supermax-Gefängnis, wobei Kamran (Rish Shah) offenbar von seiner Mutter verstoßen wird, weil er zu Kamala gehalten und sie gewarnt hatte. Der Rest der Truppe reist irgendwie per Expressweg nach Pakistan und greift tatsächlich die Red Daggers und Kamala an. Das sollte man wohl ebenfalls nicht unbedingt hinterfragen und es geschieht bestimmt aus Zeitgründen, wie oftmals in Superhelden- und Sci-Fi-Stoffen.
Mütter und Töchter

Wie bereits angedeutet, ist die Serie recht interessiert daran, die nicht immer ganz einfache Beziehung zwischen Müttern und Töchtern zu ergründen. Dabei spielen Geheimnisse eine Rolle, aber auch der Fakt, dass gewisse Dinge wohl einfach schwer als Wahrheit zu erkennen sind. Muneeba ist nicht offen für die Geschichte der Mutter und hält sie für Fantasie oder für Spinnereien. Da Kamala das nun am eigenen Leib erfährt, ist sie nicht bereit dafür, sich ihrer Mutter zu offenbaren und versteckt sich lieber hinter Ausreden und Geheimnissen.
Trotz allem ist natürlich überall Liebe im Spiel. Auch Muneebas Aufräumaktionen und Kritik an der Sauberkeit der eigenen Mutter. Denn trotz der Scham und Schmach, die zum Umzug nach Amerika geführt hat, ist die Liebe für Mutti groß und so wird sie sogar gefragt, ob sie mit in die USA übersiedeln möchte. Ob das eine Option ist, muss sich noch zeigen.
Ebenfalls bezeichnend: Oma Sana hat in ihrem hohen Alter noch längst nicht herausgefunden, wer sie eigentlich ist. Denn so eindeutig ist die Identität in dieser Familie nie gewesen. Ein Leben in Pakistan, aber indische Wurzeln und andere Veränderungen sorgen eben für Fragezeichen.
Kamala soll derweil jung sein, solange sie kann und wird von Kareem und seinen Freunden zum Essen am Lagerfeuer eingeladen, das diesmal wohl auch nicht zu scharf für Kamala ist. Immerhin also ein Moment der Normalität, den sie hier einmal auskosten kann.
Zurück zum bereits angesprochenen Kampf mit den Clandestines in der Stadt. Hier haben sich die Macher für eine Verfolgungsjagd mit der Riksha entschieden, die durchaus turbulent ist. Kamala rettet mit ihren Kräften eine Familie vor dem Crash und auch ein Truck ist involviert. Die größte Herausforderung für Kamala bei ihren Fahrkünsten könnte jedoch die Fahrt mit einer Gangschaltung sein.
Ein Minishowdown folgt in einem Hof, in dem Wäsche aufgehangen wird und auf beiden Seiten - also bei Red Daggers und Clandestines - gibt es mindestens ein Opfer zu beklagen. Najma triggert beim direkten Kampf mit Kamala erneut eine Vision des Armreifs, die Kamala diesmal wohl komplett in die Vergangenheit versetzt. Lernt sie nun Urgroßmutter Aisha am schicksalhaften Tag kennen? Kommt nach der Reisefolge nun eine Flashback-Episode?
Fazit
Ms. Marvel bleibt bunt und lebendig und erweitert den Horizont von Zuschauern und Charakteren in der Episode Rot sehen durch eine Reise nach Pakistan. Dabei werden die Familienverhältnisse vertieft und Kamala lernt mehr über sich und ihre Kräfte kennen. Einige nette Superheldenmomente und eine kreative Verfolgungsjagd sind obendrein inklusive. Ein wenig hat man manche Charaktere aus Jersey City schon vermisst, aber als kleiner Exkurs ist die Folge doch eine nette Abwechslung.
Ms. Marvel Volume 1: No Normal (Ms Marvel, 1)
Hier kannst Du „Ms. Marvel Volume 1: No Normal (Ms Marvel, 1)“ bei Amazon.de kaufen
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 29. Juni 2022(Ms. Marvel 1x04)
Schauspieler in der Episode Ms. Marvel 1x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?