Durch Mr. Robot weicht der Sender USA Network von seinem typischen Programm deutlich ab und geht durch die vorzeitige Verlängerung der Serie einen gewagten Schritt ein. Ist die Geschichte um Hacker Elliot dieses Risiko wert?

Rami Malek in „Mr. Robot“ / (c) USA Network
Rami Malek in „Mr. Robot“ / (c) USA Network

Eigenbrötler Elliot (Rami Malek) arbeitet als Experte für Cybersicherheit bei Tag und setzt bei Nacht seine Expertise im Verborgenen als Grey-Hat-Hacker ein, um Verbrechen aufzudecken und die Menschen in seiner Umgebung vor Schaden zu schützen.

Hello friend

Elliots Arbeit bei der Computersicherheitsfirma Allsafe lässt ihn auch in den Dienst des Großkonzerns E Corp treten, welcher den Markt für jedwede Art von elektronischen Geräten beherrscht. Doch eigentlich kollidiert sein Einsatz für solch eine Firma mit seinen ethischen und politischen Grundsätzen und Ansichten, so dass er wenig Sympathie für seinen Arbeitgeber hegt.

Als er als potentieller Rekrut ins Visier einer Gruppe von Hackeraktivisten unter der Leitung eines Mannes, der sich Mr. Robot (Christian Slater) nennt, gerät, scheinen deren Ansichten und Motive genau mit seiner Weltanschauung übereinzustimmen. Diese wollen das Finanzsystem in die Knie zwingen und durch Löschung von Schulden den Resetknopf in Bezug auf die Lücke zwischen Arm und Reich drücken.

Das würde auch seiner Freundin Angela (Portia Doubleday), die er bereits seit seiner Kindheit kennt und welche mit ihm bei Allsafe zusammenarbeitet, zugutekommen. Angela ist eine der wenigen konstanten Stützen in Elliots Leben, die er auch gut gebrauchen kann - schließlich wird er von Phobien vor sozialen Kontakten, Berührungen durch Fremde und starken Depressionen geplagt.

Diesbezüglich erhält er zusätzliche Unterstützung von seiner Psychologin Krista Gordon (Gloria Reuben), auf die er im Gegenzug auf seine Weise aufpasst, indem er ihr Liebesleben durchleuchtet, um sie davor zu beschützen, von den falschen Männern ausgenutzt zu werden. Doch, während er sich seiner Sache bei ihr sicher ist, bereitet es ihm große Schwierigkeiten, einzuschätzen, ob die sich zuspitzenden Ereignisse nicht möglicherweise nur in seinem Kopf abspielen. Zumindest scheint das Befolgen von Mr. Robots Anweisungen, um deren virtuellen Angriff per DDOS-Attacke auf die Server von E Corp einem Mitarbeiter der Firma in die Schuhe zu schieben, die Aufmerksamkeit des Großkonzerns bezüglich seiner Person geweckt zu haben. So muss er sich höchstwahrscheinlich bald zwischen beiden Fronten entscheiden.

The reality of the naive

Mr. Robot ist kein typisches Programm von USA Network, welches die Serie bereits vorzeitig verlängerte. Um es vorwegzunehmen: Zumindest nach der Pilotepisode scheint diese Entscheidung auf jeden Fall gerechtfertigt. Das lässt sich zunächst an einem besonders interessant gezeichneten Protagonisten ausmachen. Eigentlich ist Elliot (Rami Malek) eine ziemlich unnahbare Figur, zumindest was seine Interaktion mit seiner Umgebung betrifft. Doch gerade die Wahl der Erzählweise, den Zuschauer zum imaginären Ansprechpartner im Kopf des jungen Hackers zu machen, trägt dazu bei, dass dessen Gedankengänge, Gefühle und vor allem auch Ängste nachvollziehbar sind.

Diese Sichtweise harmoniert gleich auf mehreren Ebenen mit der Inszenierung: Zum einen fließen so kleine Details wie etwa die Ergänzung zur „Evil Corp“, welche Elliot in seinem Kopf macht, in die Wahrnehmung des Zuschauers mit ein. Zum anderen wird durch die Einbindung in dessen Gedankenwelt die gleiche Paranoia wie in Elliot geweckt: Kann ich dem, was ich da gerade sehe, vertrauen? Bilde ich mir Mr. Robot und seine Vorhaben nur ein? Seine Weltanschauung und sein Aktivismus stimmen erstaunlich gut mit den Ansichten Elliots überein und könnten natürlich Projektionen seines Unterbewusstseins sein.

Neben der dramatischen Geschichte und der Verschwörungstheorie übertragen sich diese Unsicherheiten und Fragen auf den Beobachter und fügen somit der Geschichtsstruktur eine weitere Ebene hinzu. Untermauert wird dieses besondere Grundgerüst von der ansprechenden schauspielerischen Leistung von Rami Malek, der von seinen Kolleginnen und Kollegen wie Portia Doubleday und Christian Slater gute Unterstützung erhält. Mit seinem Charisma bringt er den sympathischen und exzentrischen Außenseiter gekonnt auf die Leinwand.

Rami Malek und Christian Slater in %26bdquo;Mr.Robot%26ldquo; © USA Network
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Dabei schaffen es die Autoren in einer relativ kurzen Zeitspanne, das Bild einer komplexen Figur mit tiefsitzenden Problemen und psychischen Narben, die anderen Menschen grundsätzlich zunächst das Schlechteste unterstellt, passend zu zeichnen. Trotzdem können sie Empathie beziehungsweise Sympathie für den melancholischen, introvertierten Charakter erwecken, indem sie seinen Beschützerinstinkt für die Menschen in seinem Leben herausstellen. Dies manifestiert sich in seiner Fürsorge für Angela, Krista und sogar seines neuen vierbeinigen Haustiers, welches seiner Einsamkeit ein wenig entgegenwirken dürfte. Die einzige Stelle, die mich bezüglich der Konsistenz seiner Figur aus dem Tritt bringt, ist seine Verbindung zu seiner Drogendealerin Shayla (Frances Shaw). Ich hatte nicht erwartet, dass der gesellschaftlichen und physischen Kontakt scheuende junge Mann ohne große Umschweife mit ihr schläft...

Ein weiterer positiver Aspekt ist der Eindruck, dass die Macher, auch wenn nicht immer alles korrekt ist, sich mit der Hackerthematik im Vorfeld auseinandergesetzt haben und es so schaffen, für Laien einen relativ authentischen Eindruck zu vermitteln. Grundsätzlich lässt sich an EPS1.0_HELLOFRIEND.MOV kaum etwas aussetzen, wenn man sich auf das ruhige (aber trotzdem Spannung erzeugende) Erzähltempo einlässt und keine grundsätzliche Abneigung gegen Verschwörungstheorien verspürt.

Ein möglicher Reibungspunkt für manche könnte eventuell das dargestellte Weltbild des Protagonisten sein, der beispielsweise seine Einschätzung der Intelligenz und seiner Sympathie für Menschen an deren politischer Ausrichtung festmacht. Allerdings ist diese Projektion seines Gedankenguts durch die gewählte Erzählstruktur bestens begründet und ergibt in dessen Gedankenwelt durchaus Sinn.

Fazit

Mr. Robot legt mit einem mutig gewählten, exzellenten Protagonisten den Grundbaustein für eine packende Geschichte. Die Weiterführung, Vertiefung und Auflösung von Verschwörungstheorien ist eine heikle Angelegenheit und kann dabei schnell ins Absurde rutschen. Also werden die zukünftigen Episoden zeigen, ob man das aufgebaute Momentum behalten kann, ohne die Story an die Wand zu fahren. Zudem ist es leider unwahrscheinlich, dass die Serie aufgrund der Thematik und des Erzähltempos Anklang bei einem breiten Publikumsspektrum finden wird.

Dennoch ist die neue Dramaserie von USA Network eine angenehme Überraschung und macht viele Dinge richtig, denn EPS1.0_HELLOFRIEND.MOV regt zum Weiterschauen an und hebt sich mit seinem Konzept und der beachtenswerten Umsetzung ordentlich von der grauen Masse ab.

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