Mr. and Mrs. Smith: Kritik zur Spionageserie bei Amazon Prime Video

Mr. and Mrs. Smith: Kritik zur Spionageserie bei Amazon Prime Video

Amazon Prime Video hat aus dem 2005er Actionfilm „Mr. and Mrs. Smith“ eine Serie gemacht. Die Hauptrollen spielen der „Atlanta“-Macher Donald Glover und „PEN15“-Star Maya Erskine. Lohnt sich die Neuauflage des Agentenpaares?

Donald Glover und Maya Erskine als „Mr. and Mrs. Smith“
Donald Glover und Maya Erskine als „Mr. and Mrs. Smith“
© Amazon Prime Video

In einer Ehe kann sich manchmal so viel Ärger aufbauen, dass beim nächsten unausweichlichen Streit schwere Geschütze aufgefahren werden. Partner:innen fügen sich mit Worten gezielt Schmerzen zu. Wenn beide genug gelitten haben, kann man sich wieder liebhaben. Diese merkwürdige Dynamik, die sich jeden Tag überall auf der Welt wiederholen dürfte, inspirierte 2005 den Actionstreifen „Mr. & Mrs. Smith“, geschrieben von Simon Kinberg und inszeniert von Doug Liman. Hier wurde die Metapher „verbuchstäblicht“, denn die titelgebenden Eheleute gingen nun wirklich mit Waffen aufeinander los.

In den Hauptrollen sah man das frühere Hollywood-Traumpaar Brad Pitt und Angelina Jolie, die ihre private Chemie und Leidenschaft mit ans Set brachten. Inzwischen sind sie auch im echten Leben zerstritten und geschieden. Vor knapp drei Jahren wurde dann bekannt gegeben, dass Amazon Prime Video an einer Serien-Adaption des Films interessiert wäre. Die zwei Kritikerlieblinge Donald Glover (Atlanta, Community) und Phoebe Waller-Bridge (Fleabag, Killing Eve) sollten das Projekt sowohl vor als auch hinter der Kamera anführen.

Nur wenige Monate später kam die überraschende Nachricht, dass Waller-Bridge wegen kreativer Differenzen aussteigt. Später wurde sie durch PEN15-Star Maya Erskine ersetzt, während Glover sich den Showrunner-Posten fortan mit seiner Kollegin Francesca Sloane (Fargo) teilte. Manch einer mag sich aber gedacht haben, dass ein Konflikt hinter den Kulissen für die Authentizität der streitlustigen Spionageserie eigentlich nur zuträglich hätte sein können...

„Mr. and Mrs. Smith“ nutzt die Vorteile des Serienformats

Mr. and Mrs. Smith, die langerwartete Amazon-Serie, schlägt am Freitag, den 2. Februar mit ihrer achtteiligen Auftaktstaffel auf. Glover und Co - auch sein Bruder Stephen und „Atlanta“-Regisseur Hiro Murai sind wieder beteiligt - haben versucht, aus der dünnen Filmprämisse eine vollständige Serienwelt zu formen. Sie nutzen bewusst die Vorteile ihres längeren Formats und setzen bei der dysfunktionalen Beziehung schon sehr viel früher an. So geht es zunächst los mit der Rekrutierung der Figuren, die von ihrem mysteriösen Arbeitgeber „Hihi“ bald als Ehepaar zusammengetan werden.

In diesem ganz frischen Prolog sehen wir, wie auch abgebrühte Agenten nicht umhin kommen, sich in einer so künstlich konstruierten Beziehung etwas verlegen zu fühlen. John (Glover) und Jane (Erskine) wollen ihre Tarnidentität als Ehepaar professionell handhaben, obwohl man früh spürt, dass sie nicht lang die Finger voneinander fernhalten können werden. Mit jeder erfolgreichen Mission und dem dazugehörigen Adrenalinschub, wird die Anziehung größer. Andererseits haben die Zwei kaum romantische Alternativen, da sie in ihrem Safehouse wie auf einer einsamen Insel gestrandet leben.

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Szenenbild aus „Mr. and Mrs. Smith“
Szenenbild aus „Mr. and Mrs. Smith“ - © Amazon Prime Video

Ohne zu viel zu verraten, wird uns im weiteren Staffelverlauf eine Partnerschaft im Schnelldurchlauf präsentiert. Vom ersten Kennenlernen über das Verlieben und die Zeit im siebten Himmel, bis zu den ersten Spannungen, zunehmendem Frust und dem Beginn der Gehässigkeit. Glover und Erskine spielen Charaktere, die man beide sehr gut fassen kann. Das macht auch ihre Diskussionen lebendiger, weil man eben nicht nur die eine Seite nachvollzieht. Das Drehbuch scheint insgesamt sehr viel gründlicher durchdacht als beim Originalfilm. Allein in Sachen Sexyness lässt sich die Serie ziemlich in den Schatten stellen (aber Pitt und Jolie sind diesbezüglich einfach nicht zu toppen).

Starke Einzelfolgen und tolle Gaststars tragen „Mr. and Mrs. Smith“

Was bei der Serie besonders erfreulich und unerwartet kam, ist die klassische Procedural-Struktur mit abwechslungsreichen Einzelmissionen. Die Folgen setzen auf verschiedenste Settings - etwa in einem Ski-Resort, an einem traumhaften See in Südeuropa oder bei einer Kunstauktion - und warten zudem mit wunderbaren Gaststars auf. Um nur ein paar zu nennen: John Turturro, Paul Dano, Michaela Coel, Alexander Skarsgård, Sarah Paulson und Ron Perlman.

Narcos-Star Wagner Moura und Parker Posey (Lost in Space) scheinen ebenfalls erwähnenswert, denn sie übernehmen zwei Schlüsselrollen, die unsere Titelfiguren zu einer interessanten Selbstreflexion einladen. Irgendwie schaffen es Glover und Konsorten, die Hintergründe der Spionageagentur stets im Nebel zu halten und doch das world building im Vergleich zum Film deutlich zu erweitern. Erst zum Ende der Season kommen ein paar inhaltliche Sprünge dazu, die es etwas schwierig machen, den Überblick zu behalten. Zumal man ja noch zur Phase der gegenseitigen Zerstörung kommen will...

Alles in allem kann die Serienversion von „Mr. and Mrs. Smith“ als sehr gelungen angesehen werden. Glover und Erskine gehen gut in den Rollen auf, können sich gleichzeitig aber auch auf ein kluges Skript verlassen. Ähnlich wie im Vorjahr beim Überraschungshit Poker Face hat man auch hier nun wieder ein paar schöne alte Fernsehtricks wie dem „Case of the Week“ hervorgeholt, was sich nach all den Jahren dichter serieller Erzählungen sehr auflockernd anfühlt.

Die Serie ist lustig, hat gute Dialoge und viele starke Actionszenen an sehr variablen Handlungsorten. Das Einzige, was sie im Vergleich zur Vorlage nicht so überzeugend hinkriegt, ist die sexuelle Anziehung zwischen den Smiths.

Viereinhalb von fünf Pistolen!

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Mr. and Mrs. Smith“ beim Streamingdienst Amazon Prime Video:

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