Mr. Mayor: Review der Pilotepisode

Mr. Mayor: Review der Pilotepisode

Tina Fey und Robert Carlock, das Erfolgsduo von 30 Rock oder Unbreakable Kimmy Schmidt, präsentiert die neue NBC-Politikkomödie Mr. Mayor. Ted Danson spielt den Bürgermeister von Los Angeles, der es nicht leicht hat.

Szenenfoto aus der US-Serie Mr. Mayor (c) NBC
Szenenfoto aus der US-Serie Mr. Mayor (c) NBC
© zenenfoto aus der US-Serie Mr. Mayor (c) NBC

Ausgerechnet in der Woche, in der die politische Lage der Vereinigten Staaten ernster denn je erscheint, startet beim amerikanischen Networksender NBC die neue Politikkomödie Mr. Mayor. Kreiert wurde das Format von Tina Fey und Robert Carlock, die zusammen schon Serien wie 30 Rock und Unbreakable Kimmy Schmidt aus dem Boden stampften. Der Fernsehveteran Ted Danson (Cheers, The Good Place) spielt darin den frisch gewählten Bürgermeister von Los Angeles, der sich aus den völlig falschen Gründen um das Amt bewarb.

Im politischen Ausmaß siedelt sich Mr. Mayor ziemlich genau mittig zwischen Parks and Recreation und Veep an. Das Machtgefälle dieser zwei wahrscheinlich wichtigsten US-Politcomedys der 2010er Jahre könnte kaum größer sein: Erstgenannte spielt im Grünflächenamt einer völlig unbedeutenden Kleinstadt, während „Veep“ einen Blick ins Weiße Haus wirft, wenn auch aus der zweiten Reihe, also durch die Augen der Vizepräsidentin. Vereinigt die neue Serie „Mr. Mayor“ - sozusagen als Kompromiss - nun die Stärken beider Pole oder verirrt sich das Format ohne klare Grenzen?

Worum geht's?

Das Tempo, mit dem uns der Pilot der NBC-Comedy die Hauptfiguren vorstellt, erinnert deutlich mehr an Veep als an Parks and Recreation. Zumal auch hier der zentrale Politiker recht inkompetent zu sein scheint und nur von seinem Team getragen wird (bei Parks and Recreation ist die Dynamik genau umgekehrt). Wie gesagt: Neil Bremer wurde weniger durch noble Ambitionen zum Bürgermeister, sondern, weil er sich selbst und seiner Teenagertochter Orly (Kyla Kenedy) etwas beweisen wollte. Dabei hätte er als wohlhabender Geschäftsmann einfach seinen Vorruhestand genießen können, doch nun muss er von einem sinnlosen Fototermin zum nächsten hetzen.

Gut möglich, dass Fey und Carlock den Charakter ursprünglich auch an den noch gegenwärtigen US-Präsidenten angelehnt hatten, aber dieser Vergleich verbietet sich eigentlich, wenn man bedenkt, wie gefährlich Trump geworden ist. Immerhin reißt Neil Bremer bei seinen privilegierten Egotrip als Bürgermeister nur eine kleine Millionenstadt mit ins Verderben, nicht gleich das ganze Land. Zumal er, angeleitet von seinen jungen, aufgeweckten Mitarbeitern, vielleicht sogar ein bisschen was Gutes bewirken kann (und sei es nur, Plastikstrohhalme zu verbieten oder die Überpopulation von Coyoten aka Miniwölfen unter Kontrolle zu bringen).

Mr. Mayor
Mr. Mayor - © NBC

Genauso, wie sich die Serie über den „alten, weißen Mann“ Neil Bremer lustig macht, nimmt sie aber auch die „Wokeness“ seiner Assistentin Mikaela Shaw (Vella Lovell) oder seiner Erzfeindin/Partnerin Arpi Meskimen (Holly Hunter) ins Visier. Und tatsächlich sorgt die erste Episode - zumindest bei mir - für ein, zwei echte Lacher. Meist ist dann übrigens der tollpatschige Sympathiebolzen Jayden Kwapis involviert, gespielt von Bobby Moynihan (Rick and Morty-Fans wissen Bescheid), der es trotz der Teilnahme von Ted Danson schafft, allen die Show zu stehlen.

Problematisch bleibt allerdings, dass weder die Witze noch die Charaktere von Mr. Mayor wirklich einprägsam sind. Man hat bei der Serie eher das Gefühl, einer Sketchshow zuzusehen, bei der man sich die Namen der Figuren gar nicht merken muss, weil sie sowieso nicht wiederkehren - nur, dass sie das natürlich tun. Zu Beginn fehlt einfach das Spezielle, das einen dran bleiben lassen will. Was auch daran liegen könnte, dass sich nach zwei Episoden noch immer kein richtiges Ziel für die „Helden“ der Geschichte abzeichnet. Was genau wollen sie eigentlich bewirken? Wofür kämpfen sie?

Klar wollen die Serienmacher auf das Klischee anspielen, dass Politiker nur am Prestige und Beamte nur am Komfort interessiert seien. So wird Neil Bremer eben nur Bürgermeister, um sich nach dem Tod seiner Frau im ständigen Kränkungshagel durch sein Kind endlich wieder wichtig zu fühlen. Während es seine Mitarbeiterin Mikaela einzig wegen der umfassenden Krankenversicherungsvorteile ins Rathaus zieht. Bei diesen Unterfangen kann man als Zuschauer nur schwer mitfiebern. Auch hier könnte Veep ein gutes Vorbild sein, denn Julia Louis-Dreyfus hat als Selina Meyer eindrucksvoll bewiesen, dass man eine Serienpolitikerin nicht mögen muss, um ihr trotzdem die Daumen zu drücken. Wichtig ist nur, dass die Figur selbst weiß, was sie will, denn dann können wir ihr folgen. Bei Mr. Mayor scheint das nicht der Fall zu sein.

Fazit

Alles in allem ein verhaltener Start der neuen NBC-Serie Mr. Mayor, wobei man in Anbetracht der involvierten Namen fast von einer kleinen Enttäuschung sprechen kann. Tina Fey und Robert Carlock, die als Kreativduo normalerweise so gut darin sind, einzigartige Comedy-Charaktere zu zeichnen, waren diesmal offenbar nicht ganz bei der Sache. Zwar gibt es ein paar lustige Szenen, aber das Gesamtpaket stimmt einfach noch nicht. Ein bisschen Zeit sollte man der Sache vielleicht noch geben, zumal es immer Spaß macht, Ted Danson zuzusehen. Und auch Holly Hunter und Bobby Moynihan geben sich größte Mühe, die Lücken im Drehbuch wenigstens schauspielerisch auszufüllen.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen NBC-Comedy Mr. Mayor:

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