Mozart in the Jungle 1x01

Mozart in the Jungle 1x01

Mit Mozart in the Jungle präsentiert uns Amazon eine thematisch originelle Serie, welche in der Pilotfolge zu überzeugen weiß. Auch wenn noch nicht jeder Dialog sitzen mag und die Handlung etwas wirr erscheint, dank eines interessanten Settings und guten Darstellern gefällt die neue Dramedy.

„Sex, Drugs, and Classical Music“ - Die neue Dramedy „Mozart in the Jungle“ von Amazon / (c) Amazon
„Sex, Drugs, and Classical Music“ - Die neue Dramedy „Mozart in the Jungle“ von Amazon / (c) Amazon

Wie bereits im letzten Jahr hat Amazon abermals seine Pilotoffensive gestartet und in den letzten Tagen gleich mehrere Formate an den Start gebracht. Eines von diesen ist die halbstündige Dramedy Mozart in the Jungle, welche auf den Memoiren des New Yorker Oboisten Blair Tindall basiert und nun von Roman Coppola („Moonrise Kingdom“), dem bekannten Schauspieler Jason Schwartzman (Bored to Death) und dem tonynominierten Theaterregisseur Alex Timbers als TV-Serie adaptiert wurde.

Mozart in the Jungle“ gibt uns dabei einen Einblick in die dem gemeinen Zuschauer eher unbekannte Welt der musikalisch-künstlerisch aktiven und kreativen Köpfe New Yorks. Im Mittelpunkt steht hier die New Yorker Philharmonic, in der einige Veränderungen bevorstehen, nachdem ihr Chefdirigent abgedankt hat und mit seinem eher exotischen Nachfolger etwas frischer Wind in das hoch talentierte Orchester kommt.

Es mag noch nicht alles gelingen, was sich die Autoren mit „Mozart in the Jungle“ vorgenommen haben. Hauptgrund dafür ist das etwas ziellose Hin- und Herspringen zwischen den verschiedenen Charakteren und deren Handlungsbögen, welche zwar letztendlich sinnvoll miteinander verbunden werden, doch gerade die erste Hälfte der Auftaktepisode etwas wirr gestalten. Jedoch erkennt man gleichzeitig auch das größere Bild hinter „Mozart in the Jungle“, welches sich als mehr als nur eine einfache Comedy herausstellen könnte.

Changes will be made

Wie bereits erwähnt dreht sich ein großer Teil der Handlung der Auftaktepisode von „Mozart in the Jungle“ um die New Yorker Philharmonic. Ihr Dirigent Thomas (Malcolm McDowell, Community) verabschiedet sich bei seinem letzten Konzert von seiner Tätigkeit als Leiter des Orchesters und übernimmt ab sofort eine eher untergeordnete Rolle im Philharmonic-Betrieb. Im gleichen Atemzug wird dann sein Nachfolger vorgestellt, der ausgefallene Rodrigo (Gael García Bernal; „NO“, „Babel“). Schon hier bahnt sich eines der wohlmöglich essentiellen Themen der Dramedy an: der ewige Konflikt zwischen Jung und Alt, Innovation und Konservatismus. So bekommt man auch die ersten kleinen Sticheleien zu sehen, die zwar passend sind, doch „Mozart in the Jungle“ noch nicht ganz ihren Stempel aufdrücken können.

Andernorts wird eine weitere Hauptfigur eingeführt: die junge und äußerst talentierte Oboistin Hailey (Lola Kirke). Diese träumt von der großen Musikkarriere in einem angesehenen Orchester, hält sich derzeit jedoch mit Gelegenheitsauftritten und Nachhilfeunterricht für junge Musikschüler über Wasser. Newcomerin Kirke macht dabei eine gute Figur und kann durchaus überzeugen. Ihr gelingt es, ihren Charakter samt all ihren Unsicherheiten sympathisch rüberzubringen und so avanciert sie mit ihrer unaufdringlichen, aber angenehmen Art zur treibenden Kraft der Auftaktfolge.

Auch die restliche Besetzung von „Mozart in the Jungle“ kann sich sehen lassen. Malcolm McDowell spielt wieder einmal eine Variation seiner typischen Filmrollen, doch dürfte er als grantiger Executive Director der Philharmonic insgesamt keine schlechte Figur abgeben. Saffron Burrows, welche in letzter Zeit mehrere Male in Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. zu sehen war, dürfte den meisten ebenfalls geläufig sein. Ihr Charakter dient als eine Art Abbild einer möglichen späteren Version von Hailey und hat einige amüsante Momente zu bieten. So zum Beispiel, als sie den verschiedenen Musikertypen spezifische Eigenschaften bezüglich deren Sexleben zuweist. Ihre Figur Cynthia ist es auch, die etwas Bewegung in die Angelegenheit bringt und die einzelnen Handlungsebenen miteinander verbindet, was der zweiten Hälfte der Pilotepisode von „Mozart in the Jungle“ sehr guttut.

¡Te quiero Rodrigo!

Den nachhaltigsten Eindruck hinterlässt aber wohl der bekannte mexikanische Schauspieler Gael García Bernal in seiner Rolle als Rodrigo, das Dirigentengenie und eine Art Rockstar der klassischen Musik. Seine Figur ist es auch, die den Zuschauer rätseln lässt, ob „Mozart in the Jungle“ mehr Satire als realistische Dramedy oder nicht sogar beides sein will. Ohne Frage wird Bernals Rodrigo die Meinung der Zuschauer spalten, ob er nun zu viel auftischt oder genau die richtige Menge an künstlerischer Extrovertiertheit mit sich bringt. Gerade zu Beginn und zum Ende der Pilotfolge hat Bernals Charakter ein paar Momente, in dem der süffisante und clevere Humor der neuen Amazon-Serie offensichtlich wird und Lust auf mehr macht.

Am Ende der Episode wird dann auch die letzte Brücke geschlagen, als Hailey allem Anschein nach bei einem Vorspielen für die New York Philharmonic Rodrigo ein derartiges Glitzern in dessen Augen zaubert, dass ihr Engagement für das Orchester nur noch reine Formsache zu sein scheint. Der Weg dorthin mag zwar etwas holprig gewesen sein, haben sich die Serienmacher doch reichlich Zeit gelassen und einige Umwege genommen, doch die Prämisse ist nun gesetzt und könnte sich als äußerst interessant erweisen.

Viele Szenen wirken sicherlich etwas eigenartig, wenn auch unterhaltsam, sei es eine skurrile Aufführung, die sich der Musik der bekannten 70er-Jahre-Rockband Styx bedient, oder auch der musikalische Showdown beziehungsweise ein Trinkspiel zwischen Hailey und einem Flötisten. So merkwürdig dies alles auch sein mag, irgendwie bekommt man diesen speziellen Eindruck einer bestimmten Szene in New York, wo sich ein jeder als Musiker, Tänzer oder Künstler probiert. Dieser Eindruck lässt einen schlussendlich auch dranbleiben. Da dieses Setting bis dato in der Fernsehlandschaft noch recht unverbraucht ist, kann „Mozart in the Jungle“ hier ohne Zweifel punkten. Nicht vergessen darf man darüber hinaus den Einsatz von klassischer Musik, was durchaus erfrischend ist, aber wohl auch eher etwas für den Zuschauer mit dem etwas spezielleren Geschmack sein wird.

Fazit

Die Auftaktepisode zu „Mozart in the Jungle“ funktioniert als klassische Vorbereitung darauf, was uns in den nächsten Folgen erwarten wird. Hier liegt wohl auch der größte Kritikpunkt der Pilotfolge. Dem Zuschauer wird zwar einiges gezeigt, darunter die New Yorker Kunstszene, in der wir uns bewegen, oder auch die vermeintlichen Hauptfiguren, doch letztendlich passiert nicht viel. So gestaltet sich der Ablauf der Pilotfolge insbesondere in den ersten 15 Minuten etwas lasch und unfokussiert.

Dennoch bleibt die Prämisse interessant und vielversprechend, denn wenn man den Machern von „Mozart in the Jungle“ etwas attestieren kann, dann ist es ihr Mut, etwas Eigenes und Andersartiges zu schaffen. „Mozart in the Jungle“ kann man wahrscheinlich als reines Nischenprodukt bezeichnen, wird man die gemeine Masse wohl nur schwer von dem Setting überzeugen können. Dies wiederum könnte von Nachteil hinsichtlich der Bestellung einer kompletten ersten Staffel sein.

Jedoch könnten gerade die skurrilen und eigenartigen Momente der Serie den einen oder anderen überraschen. Auch die Darsteller liefern gute, vor allem überzeugende Arbeit, wobei man zum Beispiel hinsichtlich des Charakters von Gael García Bernal abwarten muss, in welche Richtung sich dieser entwickeln wird. Letztendlich macht „Mozart in the Jungle“ den Eindruck, dass es sich in den folgenden Episoden als äußerst smartes und originelles Format mit der richtigen Prise Eigentümlichkeit und Selbstironie präsentieren könnte.

Verfasser: Felix Böhme am Samstag, 15. Februar 2014

Mozart in the Jungle 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Mozart in the Jungle 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 6. Februar 2014 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. Mai 2015
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 22. Mai 2015
Regisseur
Paul Weitz

Schauspieler in der Episode Mozart in the Jungle 1x01

Darsteller
Rolle
Saffron Burrows
Peter Vack
Malcolm McDowell

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