Mortel 1x01

Mortel 1x01

Die französische Netflix-Serie Mortel aka Sterbliche wirkt auf den ersten Blick wie eine generische Fantasyserie mit Jugendlichen. Doch unter dem fantastischen Mantel verbirgt sich ein düsteres Coming-of-Age-Drama.

Mortel
Mortel
© Netflix

Wenn man das Plakat der französischen Netflix-Serie Mortel, die in Deutschland „Sterbliche“ heißt, betrachtet, erwartet man vermutlich eine Fantasyserie mit Jugendlichen, die gegen Monster kämpfen und Abenteuer erleben. Doch der Schein trügt. „Mortel“ ist keine coole Abenteuergeschichte, sondern düster, dreckig und vor allem ganz lange überhaupt nicht fantastisch.

Im Mittelpunkt steht der Problemschüler Sofiane (Carl Malapa), dessen Bruder vor kurzem verschwunden ist. Während seine Eltern davon ausgehen, dass dieser einfach nur weggelaufen ist, sucht Sofiane mit Flugblättern immer noch nach ihm. Sein selbstmordgefährdeter Mitschüler Victor (Némo Schiffman) möchte ihm unbedingt helfen, wird aber immer wieder zurückgewiesen. Erst, als der mysteriöse Obé (Corentin Fila) mit Rastalocken, einer brennenden Sonnenbrille und Informationen zu dem Bruder auftaucht, freunden sie sich an. Gemeinsam mit der kunstbegeisterten Luisa (Manon Bresch), die mit ihrer Großmutter Voodoorituale praktiziert, versuchen sie, dem vermissten Bruder auf die Spur zu kommen.

Mortel“ ist sehr lange sehr ruhig. Die erste Folge Super Bad nimmt sich viel Zeit, die Figuren mit ihren Wünschen, Träumen und Ängsten auszuloten. Obwohl es sich um eine Serie über Übernatürliches handelt, hält sie sich mit fantastischen Elementen stark zurück und lässt sogar lange die Vermutung zu, dass der dämonische Obé nicht wirklich existiert und nur der Vorstellung Sofianes entspringt. Überhaupt bleibt „Mortel“ in der ersten Episode so vage, dass es schwer zu sagen ist, in welche Richtung sich die Serie entwickeln wird. Wird sie so bodenständig und ruhig bleiben oder sich verstärkt in eine Actionrichtung bewegen?

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Netflix - © Netflix

Bunt und trotzdem düster

Obé, über den man nach der Pilotfolge nur wenig weiß, verspricht, auf jeden Fall interessant zu werden, da nicht nur unklar ist, was er ist und welche Aufgaben er hat, sondern auch, ob er den Hauptfiguren freundlich oder feindlich gesinnt ist. Sein erster richtiger Auftritt ist eines der Highlights der ersten Episode: Es ist spätabends. In dem Vorort, in dem Sofiane wohnt, ist alles ruhig. Er steht auf dem Balkon seines Zimmers und sieht plötzlich in einem Nachbarhaus ein flackerndes rotes Licht. Auf einmal flackert das gleiche rote Licht auch hinter ihm, doch, als sich Sofiane umdreht, verschwindet es. Er beobachtet weiterhin das Nachbargebäude, dreht sich um und sieht Obé hinter ihm, der ihn mit seiner flammenden Brille anblickt, welche das Zimmer blutrot färbt. „Mortel“ nutzt allgemein sehr gerne die Wirkungen von unterschiedlichen Farben aus und taucht die Zimmer der Jugendlichen mal in ein feuriges Rot, mal in ein kaltes Blau oder ein kränkliches Gelb.

Auch, wenn die Serie oberflächlich eine fantastische Mysteryserie ist, versteckt sich darunter ein Coming-of-Age-Sozialdrama, das das Schicksal von Jugendlichen aus der französischen Mittel- und Unterschicht beleuchtet. In dieser Hinsicht können Parallelen zu der BBC-Superheldenserie Misfits gezogen werden, die ähnlich bodenständig das Leben von Außenseitern der Gesellschaft mit Übernatürlichem vereint. Auch in „Mortel“ bleibt die Kamera und die Erzählung immer ganz nah an den Figuren und ihren Ängsten. Hier geht es, zumindest im Piloten, nicht um das große Ganze, sondern nur um Sofianes Suche nach seinem Bruder.

Exorzismus mit Blutopfern

Die Thematisierung der Voodooreligion, die von Luisa und ihrer Großmutter praktiziert wird, scheint ein zentrales Element von „Mortel“ zu werden. Da in Fantasyserien primär die christliche Mythologie oder zumindest bekannte westliche Sagengestalten, wie zum Beispiel Vampire und Werwölfe, genutzt werden, ist es eine willkommene Abwechslung, eine Mythologie zu sehen, die aus einem anderen Kulturkreis stammt. Gleich in der ersten Episode gibt es einen Voodoo-Exorzismus zu beobachten, der in einer kleinen Wohnung in einer Plattenbausiedlung von Luisas Oma durchgeführt und mit der Tötung eines Huhns über dem Besessenen beendet wird. Auch hier bleibt unklar, ob es sich um eine wirkliche Besessenheit handelt oder ob der Kunde sich bloß in seinen Wahn hineingesteigert hat. Diese Mehrdeutigkeit verleiht „Mortel“ das gewisse Etwas, könnte aber im Laufe der Staffel auch zu Frust führen.

Die erste Folge von „Mortel“ überzeugt mit einer düsteren und bodenständigen Kombination von Sozialdrama und Mystery, die allerdings überaus langsam erzählt ist und noch nicht so richtig ihren Rhythmus gefunden hat. Daher ist auch noch nicht so wirklich klar, wo die Reise hingeht und ob die Serie das Niveau halten kann. Neugierig auf mehr macht sie aber allemal.

Verfasser: Mira Winthagen am Donnerstag, 21. November 2019

Mortel 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Mortel 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Superböse
Titel der Episode im Original
Archi Dead
Erstausstrahlung der Episode in Frankreich
Donnerstag, 21. November 2019 (Netflix)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 21. November 2019
Autoren
Virginie Brac, Yann Le Gal, Lola Roqueplo, Fanny Talmone
Regisseur
Edouard Salier

Schauspieler in der Episode Mortel 1x01

Darsteller
Rolle
Corentin Fila
Anaïs Thomas
Raphaëlle Agogué
Marvin Dubart
Léa Léviant
Assa Sylla
Stéphane Brel
Firmine Richard

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