Mord mit Aussicht 4x01

© as neue Polizeitrio in Hengasch (c) ARD/Ben Knabe
Auch wenn es als eingefleischter Fan mitunter bittersüß sein kann, dem Revival einer geliebten Produktion ins Auge zu blicken - noch dazu mit einem völlig neuen Hauptcast -, ist die Hoffnung doch immer da. 6,89 Millionen Zuschauer schalteten ein, als Das Erste die Auftaktepisode der neuen Staffel Mord mit Aussicht ausgestrahlt hat. Und noch mehr werden wohl in den kommenden Wochen in die Mediathek gehen. Doch werden die Vorschusslorbeeren belohnt oder brechen die schlimmsten Befürchtungen über uns herein?
Das zentrale Trio der neuen Episoden wird dargestellt von Katharina Wackernagel als frisch eingetroffene Ermittlerin aus Köln, sowie von Sebastian Schwarz und Eva Bühnen als den beiden alteingesessenen Dorfsheriffs. Den dreien ist eine schwierige Aufgabe aufgebürdet worden - und zwar gegen geliebte Schatten anzukämpfen. Denn mindestens zu Beginn wünschen sich wohl alle Zuschauer:innen nur die alte Riege zurück. Die Zuneigung zu diesen ist schließlich mehr oder weniger der Aufhänger, überhaupt einzuschalten.
Die Drehbuch-Autoren bürden den Neuen dann auch noch mehr auf. Denn statt neue Charaktere zu erfinden, scheinen sie die alten einfach neu zu benennen. Die Hintergrundgeschichte der neuen Polizeidienststellenleiterin Marie Gabler (Wackernagel) unterscheidet sich nur in Nuancen von „der davor“, wie sie in Hengasch schnell genannt wird. Sowohl Marie Gabler als auch einst Sophie Haas (Caroline Peters) kommen aus Köln in die Eifel, nicht wirklich begeistert davon, gewappnet mit Vorurteilen gegen das Landleben und mit dem Anspruch, die Führung zu übernehmen. Polizeioberkommissar Heino Fuß (Schwarz) und Kommissaranwärterin Jennifer Dickel (Bühnen) teilen zwar weniger die Geschichte, dafür aber fast eins zu eins die Charaktere mit ihren Vorgängern. Heino ist alleinerziehender Vater, der mehr am Bierkastenstapelrekord der Feuerwehr, als an Ermittlungsarbeit interessiert ist. Die junge Jennifer ist ehrgeizig auf ihre eigene Art, durchzogen von einer bereits bekannten Mischung aus Naivität und Fleiß.
Alt gegen Neu oder Hand in Hand?
An nicht wenigen Stellen wirkt es so, als ob man alte Drehbücher recycelt. Viele Dialoge könnten auch für die ersten drei Staffeln geschrieben worden, aber dann aus dem Rennen genommen worden sein, weil sie dann doch nicht gut genug waren. Die ersten Minuten fühlen sich daher wie ein schaler Abklatsch der Mutterserie an. Besonders schwierig und problembehaftet ist dabei der Einbau der bereits bekannten Figuren, allen voran Heike (Petra Kleinert), die mit einer übertriebenen Wut auf Marie in die Season startet. Wer sich hingegen treu bleibt und direkt an vorher anknüpfen kann, ist Hans Zielonka (Michael Hanemann), der sich optisch wie charakterlich kaum verändert hat und dessen Eskapaden auch unter der neuen Riege bestens funktionieren.
Im Laufe der Zeit, ungefähr nach der Hälfte der ersten Episode, setzt dann die Milde ein. Man hat sich an die Neuen gewöhnt, immer mal wieder scheint die alte Stärke des Drehbuchs durch, wenn auch zunächst noch zaghaft. Dazu tragen besonders die neuen Episodendarsteller bei, die den Lokalkolorit in sich tragen und urkomisch verbreiten. Dann kommt auch das Gefühl für die Running Gags zurück - neue wie alte. Und langsam, immer mehr, fühlt es sich an wie damals. Es fehlt was, ganz klar, aber es bietet dennoch eine unterhaltsame Abendbeschäftigung. Der Kultfaktor der Ursprungsserie wird ein Stück weit dadurch verspielt, dass sich „Mord mit Aussicht“ nicht neu erfindet, sondern auf Altbekanntes baut. Das wirkt so, als wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, aber enttäuscht leider trotzdem. Denn die liebgewonnenen Figuren fehlen einfach. Wenn dann die neuen dieselben Sprüche machen, fällt das eher noch mehr auf.
Schöner wäre gewesen, die Serienmacher hätten sich zumindest ein Stück weit neu orientiert. Doch diese Verjüngungskur ohne den Charme der alten Serie zu verlieren, grenzt ja an einen Zaubertrick, an dem schon viele Revivals gescheitert sind.
Was am Ende bleibt, ist die Erleichterung, dass die Macher die neue Staffel nicht an die Wand gefahren haben. Und wer will, der findet genug von dem wieder, was die Serie einst so besonders gemacht hat, um sich zumindest kurzweilig unterhalten lassen zu können. Viel mehr ist leider nicht drin, aber das ist ja - besonders verglichen mit der Konkurrenz - ja auch schon so einiges.
Die ersten drei Episoden sind bereits in der ARD-Mediathek zu finden, die weiteren folgen passend zur Ausstrahlung im linearen Fernsehen.
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Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Samstag, 12. März 2022(Mord mit Aussicht 4x01)
Schauspieler in der Episode Mord mit Aussicht 4x01
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