Moon Knight 1x01

Moon Knight 1x01

Die bisherigen Marvel-Cinematic-Universe-Realserien von Disney+ waren allesamt Figuren gewidmet, die vorher bereits eingeführt wurden. Moon Knight mit Oscar Isaac in der Hauptrolle stellt eine neue Figur vor. Gelingt das?

Moon Knight (c) Disney+/Marvel Studios
Moon Knight (c) Disney+/Marvel Studios
© oon Knight (c) Disney+/Marvel Studios

Oftmals hat man den Eindruck, dass das Marvel Cinematic Universe, das 2008 mit „Iron Man“ gestartet ist, durch Präsident Kevin Feige eine gut geölte Maschine ist. Seit 2021 expandiert das MCU nun auch durch Serienformate bei Disney+, wobei WandaVision den Anfang machte. Es folgten The Falcon and the Winter Soldier, Loki und Hawkeye im Realverfilmungssektor. Die bisherigen Serien haben gemein, dass man die Figuren schon aus anderen Filmen kannte, nicht unbedingt als Hauptfiguren, aber es gab immer eine Vertrautheit mit ihnen, sowie gleichzeitig auch eine neue Station in ihrem Leben oder einen Twist. Es geht bisweilen um das eigene Vermächtnis oder die Nachfolge einer anderen Figur, die vorbereitet wird.

Anders verhält es sich bei der neuen Serie Moon Knight, die von Jeremy Slater geschaffen und von Mohamed Diab inszeniert wurde. Denn diesmal wird ein gänzlicher neuer Held im Serienformat vorgestellt, den wir nicht einmal in einer Post-Credit-Szene oder sonstwo gesehen haben.

Moon Knight“ ist eine Figur, die von Doug Moench und Don Perlin im Jahr 1975 für die Serie „Werewolf By Night“ geschaffen wurde. Ähnlich wie „Shang-Chi“ oder „The Eternals“ waren die Solotitel im Comicbereich nie besonders langlebig, auch wenn man es zumindest einmal auf 60 Ausgaben geschafft hat, was bei monatlicher Erscheinung immerhin fünf Jahre sind. Die Tendenz geht dazu, dass sich die Marvel Studios und Walt Disney mittlerweile Helden aus der zweiten und dritten Reihe für die Film- und Fernsehproduktionen widmen. Das kann mal gut gehen, aber eben auch misslingen. Denn bis man sich selbst (statt 20th Century Fox) den „Fantastic Four“ oder den „X-Men“ widmet, sind die meisten großen Kaliber schon debütiert. Allerdings hat Marvel einst auch schon aus den obskuren „Guardians of the Galaxy“ ein Mega-Franchise machen können und einst war selbst „Iron Man“ ein recht unbekannter Held - im Vergleich zu Spider-Man oder den früher überaus beliebten X-Men, die die Comiccharts jahrelang anführten. Kann man aus dem obskuren „Moon Knight“ ebenfalls aus dem Stand heraus einen Hit produzieren?

Ich habe vier der sechs Episoden vorab sehen können. Ich werde mich in dieser Besprechung auf den Auftakt konzentrieren und so wenig wie möglich zum Rest verraten. Hier und da gebe ich einen Ausblick. Diesmal wird es keine wöchentlichen Besprechungen zum Format geben.

Worum geht es in Moon Knight?

Disney+/Marvel Studios
Disney+/Marvel Studios - © Disney+/Marvel Studios

Steven Grant (Oscar Isaac) arbeitet in einem Souvernishop in einem Museum, in dem es ägyptische Exponate zu sehen gibt. Obwohl er nur ein einfacher Angestellter ist, kennt er sich gut aus und gibt den Besuchern auch gerne mal nebenbei kleine Touren oder Insider-Infos mit.

Sein Gedächtnis scheint nicht das beste zu sein, so erinnert er sich etwa nicht an ein ausgemachtes Date und meint auch, dass es sich manchmal beim Aufwachen für ihn anfühlt, als wäre er von einem Auto überrollt worden. Auch seine Pünktlichkeit lässt etwas zu wünschen übrig, wofür ihn Chefin Donna ermahnt. Steven wirkt eher wie ein Einzelgänger, er spricht in seiner Pause etwa mit einem Performancekünstler, der als Statue auf einer Bank sitzt und wirkt auch sonst etwas durch den Wind.

Der Grund wird schnell klar: Den Körper von „Steven“ teilen sich mehrere Persönlichkeiten. So auch Marc Spector, der anders als Steven mit amerikanischen Akzent spricht und ein Auftragskiller ist, dessen Stimme Steven bisweilen hört. Das führt dazu, dass sich Steven plötzlich an fernen Orten befindet und nicht weiß, wie er dahin gekommen ist oder inmitten eines Kampfes die Persönlichkeit wechselt.

Bereits im Auftakt lernen wir den mysteriösen Arthur Harrow (Ethan Hawke) kennen, der wie ein Kultführer auftritt und andere Menschen im Namen einer gewissen Gottheit namens Ammit auf den Prüfstand stellt.

Mit seinen Anhängern legen sich Marc respektive Steven an und durch Marcs beherztes Übernehmen landet Steven wieder in seinem Routine-Alltag. Doch er merkt, dass gewisse Dinge nicht stimmen und hat einen Filmriss, denn ihm fehlen mehrere Tage seiner Erinnerung. Das Date ist geplatzt und er entdeckt in einem Versteck ein Klapphandy (voller verpasster Anruf einer gewissen Layla) und einen Schlüssel, den er nicht zuordnen kann. Zudem spricht neben Marc auch noch Khonshu (durchaus genial gesprochen von F. Murray Abraham) mit ihm, der offenbar eine Mondgottheit ist und Marc (und zu Khonshis Missfallen auch Steven) sind seine Avatare. Bei einem Angriff im Museum übernimmt Marc erneut den Körper und zeigt sich als „Moon Knight“. Oder doch bildet sich Steven alles nur ein?

Nachts im Museum?

Disney+/Marvel Studios
Disney+/Marvel Studios - © Disney+/Marvel Studios

Schon bald lernen wir Layla (May Calamawy, Ramy) kennen, die Frau von Steven, die schon einige Abenteuer mit ihm erlebt hat und deren Vater einst unter mysteriösen Umständen ermordet wurde. Immer wieder kreuzt sich der Weg der beiden mit Harrow und seinen Anhänger und dieser möchte Ammit finden und wieder zur alten Stärke verschaffen - genau das wollen Khonshu, Moon Knight und Layla verhindern.

Moon Knight“ funktioniert völlig unabhängig vom Rest des Marvel-Universum und die Anspielungen zu anderen Figuren sind, wenn überhaupt vorhanden nur sehr minimal. Man kann das Format also ohne jegliche Vorkenntnisse anschauen. Allerdings wird man trotzdem mitten rein geworfen in das Leben einer recht komplizierten und oftmals auch verwirrenden Figur, die eben mit multiplen Persönlichkeiten daherkommt, die grundverschieden sind. Es gibt keine explizite Originstory, sondern die Figur und ihre Aufgabe ergibt sich aus dem Kontext. An sich sind Protagonisten mit mehreren Persönlichkeiten ein spannendes Thema, was schon in der exzellenten Mutantenserie Legion aufbereitet wurde. Nur leider ist Moon Knight selten so sehenswert oder verkopft oder abgedreht wie Legion, aber auch nicht unbedingt zugänglich oder beeindruckend.

In der ersten Episode Das Goldfisch-Problem haben wir es sehr mit einer Oscar-Isaac-Show (im Original inklusive gewöhnungsbedürftigem britischen Akzent) zu tun, weil die meisten anderen Figuren bis auf Harrow eigentlich keine Rolle spielen. Harrow ist als Figur ebenfalls schwer zu greifen. Er scheint der Art von Schurke zu sein, der immer dann auftaucht, wenn es gerade gebraucht wird. Das gilt auch für seine zahlreichen Anhänger, die überall verteilt zu sein scheinen. Hawkes Spiel ist okay, aber auch etwas drüber und viel kenntnisreicher angelegt als die Protagonisten. Man könnte im Verlauf seiner Auftritte meinen, er habe die Weisheit mit Löffeln gefressen und lässt kaum eine Möglichkeit aus, das auch zu demonstrieren. Seine Motivation gewinnt auch keine Innovationspreise.

Es bleibt beim Anschauen der ersten Episode insgesamt wenig hängen und das große Wow, mancher anderer MCU-Serien aus dem Disney+-Fundus bleibt aus. Die Actionszenen sind nicht der Rede wert, wo beispielsweise bei The Falcon and the Winter Soldier direkt Eindruck geschindet hatte. Wir haben wenig emotionalen Bezug als Zuschauer mit der neuen Figur, weil wir sie schwer greifen können. Zudem sind Effekte und Kreaturen, die eingesetzt werden (beispielsweise der Angreifer im Museum), oftmals gewöhnungsbedürftig (oder generisch vergessenswert) gestaltet und das wird in den späteren Folgen, die mir vorab zur Verfügung standen, nicht unbedingt besser.

Die Momente, wenn die Figur in ihrem Kostüm, respektive Kostümen zu sehen ist, gehören zu den Highlights, sind aber auch rar gesät und könnten trotz aller Coolness noch etwas sauberer und besser aussehen, so zumindest mein subjektiver Eindruck. Wie bei keiner MCU-Serie zuvor hatte ich hier mehrmals den Eindruck eindeutig einen Greenscreen-Hintergrund zu sehen.

Iron Fist of Khonshu?

Das Pacing der Serie erinnert mich eher an die Netflix-Produktionen von Marvel TV, ohne die Momente der Genialität, die beispielsweise ein Daredevil mitbrachte. Ganz so schlecht wie ein Iron Fist ist das Resultat zum Glück nicht, aber auch nur, weil man trotz allem bemüht ist ein großes Budget unterzubringen und einige Handlungsorte, wie Ägypten, wo die Mythologie der Serie entliehen ist, aufzusuchen. Außerdem wurde Mühe in die Mythologierecherche und On-Location-Drehs investiert.

Isaac und Calamawy sind beide oftmals gut in dem, was sie machen und haben einige charmante Momente, mitreißend ist jedoch - vor allem im Storytelling - etwas anderes. So fällt es mir als langjähriger Marvel-Fan, der zudem einige Comics von „Moon Knight“ kennt, schwer eine Lanze für den Neustart zu brechen. Was Marvel-Geschichten und Figuren oftmals stark macht, ist das man Mitgefühl mit dem Protagonisten entwickelt oder einem magnetischen Charme verfällt. Isaac ist sicherlich ein charmanter Typ, doch die multiple Identität im Zentrum der Serie scheint diesen Aspekt zu erschweren. Natürlich findet man die Steven-Persönlichkeit wahrscheinlich ab und zu witzig und feuert den überforderten Kerl an, aber irgendeine magische Zutat fehlt mir beim Anschauen dann doch oftmals. Ich habe die Folgen aus Englisch gesehen und konnte noch nicht schauen, wie man in der Synchronfassung zwischen Steven und Marc unterscheiden kann. Im Original wird das per Akzent gelöst.

Disney+/Marvel Studios
Disney+/Marvel Studios - © Disney+/Marvel Studios

Anders als bei den anderen MCU-Formaten scheint man diesmal aus dem Schurken immerhin kein Geheimnis zu machen, eine Art Puzzlebox bleibt das Format dennoch, jedoch eins, wo die zu lösenden Rätsel eher in Richtung „National Tresure“, denn „Indiana Jones“ gehen oder sehr abstrus ausfallen. Die Aufgabenteilung ist klar verteilt: Steven ist das Köpfchen und Marc der Mann fürs Grobe. Layla ist irgendwo dazwischen.

Vorab wurden der Presse vier Episoden zur Verfügung gestellt und das hat auch einen Grund, weil in besagter vierten Episode etwas passiert, was das zuvor erlebt auf den Kopf stellt und hier nicht verraten wird. Nur stellt sich mir die Frage, ob genug Zuschauer die Geduld und Ausdauer haben werden, bis dahin dran zu bleiben. Immerhin ist dann schon mehr als die Hälfte der Staffel vorbei. Das Problem beginnt allerdings schon früher, denn „Moon Knight“ liefert einfach keinen umwerfenden Piloten ab. Übersetzt man das auf manchen Film, dann wäre nach rund 50 Minuten hier schon die Hälfte oder ein Drittel der Laufzeit vorbei, ohne das Publikum von sich zu überzeugen.

Dabei ist die Figur zumindest visuell sicherlich eine der interessanteren, die Marvel zu bieten hat. Das stilistisch auf ein Minimum reduzierte weiße Kostüm, was viele als Marvels Antwort auf den dunklen Ritter Batman verstehen, hat eine Coolness, die besonders bei Nachtaufnahmen glänzen kann. Doch man macht zu wenig daraus. In einer späteren Folge kommt ein weiteres CGI-Monster zum Einsatz, das sehr generisch verkloppt wird und insgesamt ließ mich die gesehene Action leider recht kalt. Das haben „TFATWS“ oder Hawkeye deutlich besser hinbekommen. In Sachen Schauwerten bin ich leider ziemlich enttäuscht vom Neustart und weil auch die eigentliche Geschichte mich wenig packen kann, kommt die Serie für mich über eine kompetente Mittelmäßigkeit leider nicht hinweg.

Fazit

Disney+/Marvel Studios
Disney+/Marvel Studios - © Disney+/Marvel Studios

Es kann nicht jede Serie ein Volltreffer sein. Moon Knight bleibt in meinen Augen leider hinter den Erwartungen und dem Potential zurück. Vor allem gibt es diesmal ein mittelgroßes Problem was die Kurzweiligkeit und die Einzigartigkeit des Marvel-Formats angeht. Der Auftakt schindet keinen großen Eindruck, der schreit: „Guck mich unbedingt“ und die weiteren Episoden folgen diesem Trend leider. Das Dargebotene ist ganz nett, aber nicht knackig genug um mit dem bisherigen MCU-Serienoutput mitzuhalten.

Hier ist der offizielle Trailer zu „Moon Knight“:

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Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 30. März 2022

Moon Knight 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Moon Knight 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Das Goldfisch-Problem
Titel der Episode im Original
The Goldfish Problem
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 30. März 2022 (Disney+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 30. März 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 30. März 2022
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 30. März 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 30. März 2022
Autoren
Jeremy Slater, Alex Meenehan, Danielle Iman
Regisseur
Mohamed Diab

Schauspieler in der Episode Moon Knight 1x01

Darsteller
Rolle
Ethan Hawke
May Calamawy
Lucy Thackeray

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