Mood: I Ain't Come to Pay, I Came to Slay - Review der Pilotfolge

Mood: I Ain't Come to Pay, I Came to Slay - Review der Pilotfolge

Mit „Mood“ präsentiert ZDFneo ein frisches Format aus Großbritannien, das mit witzigen Ideen und einer starken Hauptdarstellerin punktet. In unserem Review zur Pilotfolge der Serie erfahrt Ihr, wie das genau aussieht.

Szenenfoto aus der Serie „Mood“
Szenenfoto aus der Serie „Mood“
© ZDF/Natalie Seery/BBC Three

Das passiert in „Mood“

Sasha (Nicôle Lecky, Sense 8) ist eine talentierte Sängerin und könnte eigentlich eine große Karriere vor sich haben. Doch statt hart an sich zu arbeiten, zieht sie es vor, ihren Eltern auf der Tasche liegen und ihre Abende mit Gras und Alkohol zu verbringen.

Als sie sich mit ihrem Exfreund Anton eines Abends in einem Club in die Haare gerät, eskaliert die Situation. Betrunken fährt Sasha zu seiner Wohnung und setzt wütend den Vorgarten in Brand. Prompt steht am nächsten Morgen die Polizei vor der Tür, doch statt sich ein wenig zurückzunehmen, fängt sie zu Hause Streit an und schlägt ihren Stiefvater.

Von ihren Eltern vor die Tür gesetzt, ist die junge Frau von nun an auf sich allein gestellt und lernt die Influencerin Carly (Lara Peake) kennen, die sie auf die Party des kommenden Shootingstars Esmeralda (Sai Bennett) einlädt. Sasha merkt schnell, dass genügend Follower alles sind, was sie benötigt, um als Sängerin endlich voll durchzustarten.

Frischer Wind

Wenn man Mood mit zwei Worten beschreiben müsste, wären wohl peppig und dramatisch die angemessenen Deskriptoren. Peppig sind vor allem bestimmte Stilelemente, die hervorragend zur Hauptfigur Sasha passen und auf die wir weiter unten noch etwas näher eingehen. Pures Drama bietet hingegen die Story, die sich um den schmalen Grat zwischen Selbstverwirklichung in den sozialen Medien und der Angst davor, sich zu verlieren dreht.

Sasha ist eine talentierte junge Frau, die singt, Songs schreibt und tolle Ideen hat. Da in ihrer Familie niemand wirklich an sie glaubt, gibt sie das Erbe ihrer Großmutter für die Produktion einer EP aus, die allerdings in ihrem Regal verstaubt.

Nicht, dass die Musik nicht gut wäre. Im Gegenteil! Als Außenstehende lernen wir die Songs der Protagonistin auf innovative und unterhaltsame Weise kennen: als Video-Clips nämlich, die allerdings nicht real sind, sondern von Sasha geträumt oder herbeifantasiert werden.

Stark ist, dass die Musikvideo-artigen Einschübe die jeweilige Situation und Stimmungslage (daher auch der Titel „Mood“ der Serie) perfekt beschreiben. So ist das erste Video ein spritziges Pop-Dancefloor-Stück, während das zweite als harter Rap daherkommt, in dem Sasha mit ihrem Exfreund abrechnet. Bemerkenswert ist, dass tatsächlich alle Lieder von Nicôle Lecky geschrieben wurden, die sich zudem als tolle Tänzerin präsentiert. Das bringt frischen Wind in das Drama und wertet außerdem den Plot auf, klasse.

Ambivalenz

Lecky ist allerdings ein echtes Multitalent, das nicht nur als Singer/Songwriterin eine gute Figur macht. Darüber hinaus basiert die Miniserie auf einem Einpersonenstück aus ihrer Feder, das sie übrigens auch selbst für das Fernsehen adaptierte. Dass sie außerdem eine tolle Schauspielerin ist, der es beinahe spielend gelingt, zwischen der fetzigen Künstlerin und der fast schon bockigen Göre hin- und herzuswitchen ist ein Bonus, den man gerne mitnimmt.

Denn Sasha macht es sowohl ihrem Umfeld als auch dem Publikum nicht gerade leicht, sie zu mögen. Sie ist zickig, manchmal sogar garstig und verhält sich mehr wie ein gekränktes Kind als eine erwachsene Frau von Mitte 20, wenn sie ihren Ex Anton in einem Club zur Rede stellt. Sie trinkt zu viel, raucht Gras und benimmt sich zu Hause wie die Axt im Wald. Dass ihr Stiefvater und ihre Mutter sie vor die Tür setzen, ist unter diesen Umständen vorhersehbar.

Social Media im Visier

Szenenfoto aus „Mood“
Szenenfoto aus „Mood“ - © ZDF/Natalie Seery/BBC Three

Trotz der Eskapaden empfindet man jedoch Sympathie für die junge Frau, die sich im Grunde ihres Herzens unverstanden und ungeliebt fühlt. Verzweifelt sucht sie nach einem Weg, sich selbst zu verwirklichen. Doch wie soll ihr dies gelingen? Talent allein, das hat sie schon lange begriffen, reicht in der quietschbunten Scheinwelt der Influencerszene nicht, um ein Jemand zu werden.

Die Lektion, wie der Hase läuft, lernt sie schließlich auf die harte Tour, als sie die erfolgreiche Instagrammerin Carly kennenlernt. Die beiden treffen sich zum ersten Mal, nachdem Sasha sich gerade etwas Gras bei ihrem Stammdealer gekauft hat und er sie mit in ihre Wohnung schleppt. Sofort ist sie geblendet von dem Luxus, in dem Carly lebt, doch selbst, als ihr Dealerkumpel die berechtigte Frage stellt, wie das It-Girl an so viel Geld kommt, denkt Sasha nicht weiter darüber nach.

Wichtiger ist, dass Carly sie auf die Party der bekannten Influencerin Esmeralda einlädt, die gerade die Eine-Million-Follower-Marke geknackt hat und finanziell durchstartet. in der Welt der Schönen und Reichen heißt es: „Follower sind die neue Währung“, ein Satz, den man so schnell nicht mehr vergisst.

Konzentrierte sich die Geschichte bisher auf die Einführung der Hauptfigur, derer junges Leben sinnlos vergeudet erscheint und gerade den Bach runtergeht, ändert sich die Tonlage nun zu einer handfesten Kritik am Social-Media-Wahn. Denn hinter Carlys Talent steckt nicht nur die Fähigkeit, die richtigen Bilder zur rechten Zeit zu posten. Ihr wahres Motto lautet: Sex sells.

Über einen Linktree können ihre meist männlichen Fans Premium-Zugänge mit erotischen Clips und Bildern von Carly buchen, wie sich am Ende der Episode herausstellt. Und damit steckt Sasha in einem Dilemma.

Einerseits gehen die Likes mit Fotos von der Party, auf denen sie ebenfalls posiert, durch die Decke. Auch bietet Carly an, ihr ihre Tricks zu verraten, was die Chancen auf eine Gesangskarriere steigert. Andererseits muss Sasha sich die Frage stellen, wie weit sie für den Erfolg zu gehen bereit ist. Und wie hoch wird der Preis dafür sein? Findet Sasha sich, oder verliert sie sich nicht vielmehr, wenn sie sich dazu herablässt, als Nacktmodell Geld zu verdienen? Das ist eine spannende Frage, die die Serie in den weiteren fünf Folgen sicherlich eingehender beleuchten wird.

Fazit

Der gekonnte Mix aus Video-Clip-Lifestyle und Dramaserie, aus beeindruckenden schauspielerischen Leistungen und starken moralischen Fragen, denen die Protagonistin stellvertretend für Millionen Kinder und Jugendliche in Zeiten von Instagram und Co gegenübersteht. Das sind die Zutaten, die Mood letzten Endes so sehenswert machen.

Der Wunsch, aus der Masse hervorzustechen, kein Niemand zu sein, wahrgenommen und geliebt zu werden, schlummert in jedem Menschen. Es sind genau jene vollkommen natürlichen Bedürfnisse, mit denen die großen Social-Media-Konzerne spielen und die die moralische Diskussion rechtfertigen, die diese Miniserie offenbar aufgreift. Deshalb kann man den eingangs genannten Deskriptoren abschließend noch einige hinzufügen: unterhaltsam, innovativ und tiefsinnig. So darf es gerne weitergehen. Vier von fünf Videoclips.

Mood: Serientrailer

Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „Mood“:

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