Modern Love 1x01

Modern Love 1x01

Die neue Amazon-Anthologieserie Modern Love ist inspiriert von persönlichen Essays rund um das Thema Liebe und zeigt pro Folge andere Figuren und Geschichten. Filmemacher John Carney drückt dem Projekt dabei unverkennbar seinen Stempel auf.

Szenenfoto aus der neuen US-Serie Modern Love (c) Amazon Prime Video
Szenenfoto aus der neuen US-Serie Modern Love (c) Amazon Prime Video
© zenenfoto aus der neuen US-Serie Modern Love (c) Amazon Prime Video

Ich falle mit der Tür direkt ins Haus und oute mich als großer Fan des Filmemachers John Carney, seit dieser mein Herz mit „Once“ gestohlen hat. Es folgten Can a Song Save Your Life? und „Sing Street“, die ich ebenfalls sehr gerne geschaut habe und die sich durch wunderbare Liebesgeschichten mit einer musikalischen Unterfütterung ausgezeichnet haben.

Nun darf Carney seine eigene Anthologieserie bei Amazon Prime Video gestalten und lässt sich bei den Geschichten von persönlichen Essays aus der Rubik Modern Love der New York Times inspirieren.

Wenn der Portier dein bester Mann ist

Amazon Prime Video
Amazon Prime Video - © Amazon Prime Video

Im Auftakt Wenn der Portier dein bester Mann ist geht es um die junge Doktorandin Maggie (Cristin Miloti, How I Met Your Mother), die in einem Vier-Sterne-Hotel in New York wohnt und an ihrer Promotion arbeitet. Dabei geht sie, wie viele Singles in New York, auf zahlreiche Dates. Die meisten davon enden vor der Haustür und ihre Partner werden kritisch vom Portier Guzmin (Laurentiu Possa) beäugt, der keinen von ihnen für den richtigen Partner für sie hält. Entsprechend weist sie die meisten Männer ab, doch bei Ted macht sie eine Ausnahme und wird bald unerwartet schwanger.

Statt jedoch ihre Eltern anzurufen, holt sie sich Rat beim Portier, der so etwas wie ihr engster Vertrauter und immer an ihrer Seite ist, wenn sie Hilfe jeglicher Form benötigt. Sie beschließt, mit Ted zu reden, der sich so viel oder wenig in die Kindeserziehung einmischen darf, wie er will. So sehen wir also die Schritte bis zur Geburt und darüber hinaus und die kleine Sarah wird im Hotel immer größer. Bis Maggie ein Jobangebot in Los Angeles bekommt, was sie nach kurzer Überlegung annehmen möchte.

Fünf Jahre später kehrt sie mit ihrem Partner David (Brandon Victor Dixon) zurück und dieser erhält den Daumen nach oben vom Portier.

Das Geheimnis: Er hat nie die Männer angeschaut, sondern immer nur auf Maggies Augen geachtet. Den Besuch nutzt man für einen gemeinsamen Ausflug ins Museum und man sieht, dass Guzmin über all die Jahre das Ultraschallbild der kleinen Sarah an seinem Platz behalten hat.

Wie ist der Auftakt von Modern Love insgesamt gelungen?

Man sieht der Serie, wenn man mit dem bisherigen Werk vertraut ist, Carneys Handschrift auf jeden Fall an. Die musikalische Untermalung ist im Stil seiner eigenen Filme gehalten, wenngleich man zunächst auf eigene Songs der Protagonisten verzichtet, was aber sicherlich in späteren Folgen noch passieren kann. Mit Miloti hat Carney nicht nur eine Schauspielerin ausgesucht, die sein Werk „Once“ einst auf der Musical-Bühne zum Leben erweckt hat, sondern die auch eine überaus sympathische Identifikationsperson für den Auftakt ist. Ihre Rehaugen hatten es den Zuschauern schon als Mutter in How I Met Your Mother schnell angetan. Natürlich kann man sich fragen, ob man so handeln würde, wie es ihre Figur Maggie tut, aber wenn die Inspiration echte Geschichten sind, dann kann das ja durchaus so oder so ähnlich passiert sein. Persönlich mag ich außerdem solche Leben-im-Zeitraffer-Erzählungen, wenn sie gut gemacht sind, ganz gerne.

Der Ton der Serie ist locker-leicht und dürfte für viele Zuschauer und Fans des Genres leicht zu konsumieren sein. Wie in jeder Anthologieserie gibt es sicherlich gute und schlechte Episoden, denn einen durchgängig herausragenden Vertreter seiner Art dürfte es wohl kaum geben, wobei eine lange Zeit für mich Black Mirror hier die Referenz darstellte.

Für den Auftakt hat man in meinen Augen aber ein schönes Exemplar einer modernen Liebesgeschichte gewählt, die die Zuschauer anregen dürfte, weiterzuschauen. Durch die halbstündige Laufzeit der Folge kann man ohnehin schnell durch die kurzweiligen Folgen huschen, anders als etwa bei The Romanoffs, wo die Spielfilmlänge vielleicht einige Zuschauer vergrault haben dürfte.

Die Macher haben auch insgesamt eine illustre Schar an Darstellern versammeln können, die sicherlich so manchen neugierig macht: Jane Alexander (The Good Fight), Sofia Boutella („Kingsman: The Secret Service“), Gary Carr (The Deuce, Downton Abbey), Olivia Cooke („Ready Player One“), Brandon Victor Dixon (Power), Tina Fey (30 Rock), John Gallagher Jr. (The Newsroom), Andy Garcia („Ocean's Eleven“), Julia Garner (Ozark) und Brandon Kyle Goodman („Plus One“).

Außerdem mit dabei: Anne Hathaway („Ocean's Eight“, „Der Teufel trägt Prada“), Catherine Keener (Kidding), Caitlin McGee („Bluff City Law“), Cristin Milioti (Black Mirror, How I Met Your Mother), Dev Patel („Lion“), Laurentiu Possa (Killing Eve), James Saito („Always Be My Maybe“, Eli Stone), Andrew Scott (Fleabag), John Slattery (Mad Men) und Shea Whigham (Homecoming).

What is love?

Da liegt aber auch die Gefahr, denn, wenn man mit bestimmten Darstellern oder Situationen nichts anfangen kann oder ein anderes Verständnis von Liebe hat, dann trifft die Serie wohl eher nicht ins Schwarze. Aber dann hat man eben auch nur eine halbe Stunde verschenkt. Denn pro Folge gibt es jeweils eine neue Grundkonstellation und neue Figuren. In meinen Augen bezaubert die zweite Folge dann schon nicht mehr ganz so stark wie der Auftakt und wirkt etwas generischer.

Amazon Prime Video
Amazon Prime Video - © Amazon Prime Video

Die dritte Folge mit Anne Hathaway und Gary Carr präsentiert zunächst eine jazzige, fast musicalartige Screwball-Dynamik und kurze Zeit später einige nicht immer ganz so perfekte Datesituationen, bei denen es eben nicht wie am Schnürchen läuft und außerdem geht es darum, wie sich eine Depression und bipolare Stimmungsschwankungen aufs Liebes- und Privatleben auswirken können - inklusive eigener Songs und überaus dramatischer Elemente. Dabei überrascht die Serie, wie man mit einem solchen komplexen Thema in so kurzer Zeit auf sympathische Art umgehen kann. So kann die Serie also wie die oft zitierte Pralinenschachtel sein, die immer wieder neue Geschmacksrichtungen anbietet, von der aber natürlich nicht jede mundet - aber dann probiert man eben die nächste.

Für mehr hatte ich leider noch keine Zeit, dranbleiben werde ich aber als Fan von Carney auf jeden Fall.

Mein Tipp: Die ersten drei Episoden auschecken und dann entscheiden, ob die Serie es einem wert ist. Ehe man sich versieht, hat man vielleicht dann auch alle acht Folgen durch...

Fazit

Die Rom-Com-Anthologie Modern Love ist etwas für hoffnungslose Romantiker und Fans des Filmemachers John Carney, der auch im Kurzformat schöne, rührende und witzige Geschichten erzählen kann. Wem Indiesongs und Singer-Songwriter-Soundtracks aber zu den Ohren raushängen, der wird hier wahrscheinlich nicht seine neue Serienliebe finden.

Hier kannst Du „Modern Love im Stream“ bei Amazon.de kaufen

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 18. Oktober 2019

Modern Love 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Modern Love 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Wenn der Portier dein bester Mann ist
Titel der Episode im Original
When the Doorman Is Your Main Man
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 18. Oktober 2019 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 18. Oktober 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 18. Oktober 2019
Autor
John Carney
Regisseur
John Carney

Schauspieler in der Episode Modern Love 1x01

Darsteller
Rolle
Brandon Victor Dixon

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?