Soundtrack: Track 1: Nellie and Sam - Review der Pilotfolge

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Die seit heute auf Netflix gestartete Serie Soundtrack beginnt damit, dass Sam, Musiker und alleinerziehender Vater, dem Zuschauer erklärt, dass jeder Song, der jemals geschrieben wurde, das Thema Liebe behandelt. Nicht nur offensichtliche Liebeslieder, sondern auch Songs über Gott, Politik und Hass. Getreu diesem Motto erzählt „Soundtrack“ mehrere Geschichten über Liebe, die ineinander verwoben sind und durch Musicaleinlagen aufgepeppt werden. Dass die Serie fast nicht zu sehen gewesen wäre, sei nur am Rande erwähnt (zur komplizierten Vorgeschichte geht es hier).
Im Mittelpunkt stehen die Kunstlehrerin Nellie (Callie Hernandez) und Sam (Paul James), deren Leben in Los Angeles kaum unterschiedlicher sein könnte und die einander erst am Ende der ersten Folge Track 1: Nellie and Sam begegnen. Während Nellie von ihrem erfolgreichen Musikerfreund verlassen wird und eine Sinnkrise erlebt, muss sich Sam als kürzlich verwitweter Vater mit drei Jobs durchschlagen. Ihre Begegnung löst in beiden neue Lebensfreude und Kreativität aus: Nellie beginnt wieder zu zeichnen und Sam schreibt neue Songs. Die Probleme und Hoffnungen, die sie erfahren, werden durch Tanzeinlagen verdeutlicht. Die sind mal mehr und mal weniger innovativ und kreativ gestaltet. Nellie verarbeitet zum Beispiel die Trennung von ihrem Freund in einer Musicalsequenz, in der sie all ihren anderen Zurückweisungen einen Besuch abstattet.
Every song is a love song
Die Songs, die von den Figuren performt werden, sind nicht extra für die Serie geschrieben, sondern bekanntere Popsongs und Klassiker, wie zum Beispiel „Sorry Not Sorry“ von Demi Lovato, „Love Is a Losing Game“ von Amy Winehouse und „Smile“ von Nat King Cole, die unverändert eingespielt werden. Das sorgt natürlich einerseits für Wiedererkennung, aber verhindert auch, dass die Serie eine völlig eigene Identität entwickelt. Schließlich verbindet der Zuschauer den Song vielleicht mit einem völlig anderen Kontext und mit anderen Emotionen. Überhaupt will das Gefühl, eine Karaokeshow zu sehen, nie so wirklich verschwinden. Trotzdem geben sich die Schauspieler Mühe, durch ihre Performance dem Song einen eigenen Anstrich zu verleihen und besonders Callie Hernandez hat sichtlich Spaß an ihren Tanzeinlagen.

Während Nellie die spannenderen Performances hat, ist die Geschichte rund um Sam im Vergleich deutlich überzeugender und interessanter. Seine Probleme und Herausforderungen als verwitweter Vater, der aus finanziellen Gründen in eine schlechte Nachbarschaft ziehen muss, wirken immer authentisch und Gespräche zwischen ihm und seinem Sohn über den Tod der Mutter können einem schon nahegehen. Generell ist es immer erfrischend, alleinerziehende Väter zu sehen, die zwar Schwierigkeiten haben, aber sich nicht einer liebevollen und engen Beziehung mit ihren Kindern erwehren. Nellie ist im Gegensatz dazu etwas langweiliger und wird erst gegen Ende des Piloten zu einer wirklich unterhaltsamen Figur.
Eine Liebesgeschichte in der Vergangenheit und in der Gegenwart
Bis zu diesem Punkt mag die Serie wie ein generisches, wenn auch funktionierendes Musicaldrama wirken, doch der Clou folgt erst in einer der letzten Szenen der ersten Folge. Sam erzählt nämlich vor einem Club seinem Sohn die Geschichte, wie er dessen Mutter kennengelernt hat. Hier erfährt der Zuschauer, dass Nellie wohl die große Liebe von Sam war. Da die Handlungsstränge der beiden Hauptfiguren also auf unterschiedlichen Zeitebenen stattfinden, wird es spannend zu sehen, wie die Produktion sie am Ende der Staffel wieder zusammenbringt.
„Sountrack“ ist ganz nett. Kein Überflieger, der das Musicalgenre verändern oder revolutionieren wird, aber zumindest die erste Episode macht viel richtig und nichts wirklich schlecht. Es bleibt abzuwarten, ob die Tanzsequenzen interessant und relevant bleiben oder ob sie nicht irgendwann eher nerven und letztlich nichts zur Weiterentwicklung der Handlung beitragen. Der Kniff mit den zeitlich unterschiedlichen Handlungssträngen ist zwar nicht gänzlich neu, aber er verleiht der Serie ein gewisses Etwas, das Lust auf mehr macht.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie „Soundtrack“: