
Auch ABC springt mit seiner neuen Serie Mixology auf den Zug der klassischen Comedys für ein jüngeres Zielpublikum auf, welches sich alterstechnisch irgendwo zwischen 20 und Mitte 30 verorten lässt. In „Mixology“ wird innerhalb von 13 Episoden eine einzige Nacht in einer Bar rekonstruiert. Dabei stehen zehn verschiedene Charaktere und unter anderem auch der Traum von der wahren Liebe im Mittelpunkt des Geschehens.
Das Konzept von Mixology, welche von Jon Lucas und Scott Moore, den beiden Autoren des ersten „Hangover“-Films, entwickelt wurde, mag den einen oder anderen hellhörig werden lassen. Und auch ein paar Charaktere tragen dazu bei, dass sich die Auftaktfolge von „Mixology“ stellenweise als durchaus unterhaltsam und kurzweilig erweist. Jedoch bleibt es für die größte Zeit der Pilotepisode bei einem müden Lächeln, denn viel Neues vermag die Serie nicht wirklich anzubieten. Am Ende bleibt eine oberflächliche Show mit simplen Lachern und altbekannten Genremustern übrig, die vielleicht als erheiternd für zwischendurch oder gar als Guilty Pleasure-Serie durchgehen könnte, doch mehr als das kann man von „Mixology“ anhand der Auftaktfolge wohl kaum erwarten.
Ten strangers, one night
In Mixology wird dem Zuschauer schnell die alles bestimmende Prämisse präsentiert, welche fortan den Rahmen der Comedy bilden soll. Die Idee ist grundsätzlich auch gar nicht so verkehrt und bietet den Machern einige originelle Möglichkeiten, „Mixology“ das gewisse Etwas zu verleihen. Doch gleichzeitig fragt man sich natürlich auch, ob man es einem nicht irgendwann überdrüssig werden könnte, ständig zwischen den einzelnen Figuren hin- und herzuspringen und deren Lebensgeschichten in zugegeben nicht unamüsanten, aber dennoch recht stereotypisch konzipierten Rückblenden erzählt zu bekommen.
Hier wird sogleich das erste Problem von Mixology erkennbar, insbesondere wenn man sich nur die Pilotepisode anschaut: Diese ist nämlich vollgestopft mit allerlei Inhalt, welcher ab einem bestimmten Punkt für ein gut 20-minütiges Format einfach zu viel ist. Verständlicherweise hatten sich die Serienmacher zum Ziel gesetzt, eben jene zehn Charaktere, welche in „Mixology“ im Mittelpunkt stehen, in der ersten Episode mehr oder minder ausführlich einzuführen. Trotzdem hätte es vielleicht einen eleganteren Weg dafür gegeben, welcher sich schlussendlich nicht derartig irritierend und sprunghaft wie hier zu sehen ist, gestalten hätte lassen können.
Zweifellos lebt Mixology von diesen rasanten Sprüngen zwischen den einzelnen Figuren. Dadurch soll die Serie wohl eine eigene Dynamik entwickeln, die dem Erzähltempo und der Prämisse des Formats gerecht werden soll. Jedoch ändert dies nichts daran, dass viele Situationen einfach zu erzwungen wirken und man mit eher beiläufigen Interesse die Einführung der einzelnen Figuren verfolgt.
I'm a little bitch
Den meisten Spaß dürfte man in Mixology mit den einzelnen Figuren selbst haben. Diese sind vielleicht nicht die originellsten, wissen aber durch ihre absurden Eigenarten und speziellen Charaktere einigermaßen zu gefallen. So entstehen ein paar amüsante Situationen, in denen vor allem Andrew Santino in der Rolle des frivolen Bruces auffällt. Aber auch die Figuren bleiben im Großen und Ganzen eher unausgereift und wecken Erinnerung an genretypische Charakterzeichnungen. Den Schauspielern kann man dabei keine großen Vorwürfe machen, es ist eher den Machern der Serie anzukreiden, dass sie zu wenig aus ihren Figuren herausholen.
Fraglich ist darüber hinaus, was die Serie Mixology im Endeffekt sein möchte: Die platte, oberflächliche Comedy, die uns in der Pilotepisode präsentiert wird, oder doch ein etwas tiefsinnigeres Format mit sowohl derben als auch herzlichen Momenten, dass Liebe nicht nur auf banale One-Night-Stands reduziert. Hier beißt sich die Comedy nämlich selbst in den Schwanz, denn der Aspekt der großen Liebe, welche sich im Laufe der ersten Staffel anscheinend noch zeigen soll, geht in der Auftaktepisode ziemlich unter. So wird die Pilotepisode größtenteils auf schnellen Sex und bedeutungslose Affären reduziert, auch wenn einige Charaktere davon reden, dass sie kurz davor stehen, den Partner fürs Leben zu finden.
Absprechen möchte man der Comedy aber auch nicht, dass es gerade die Prämisse ist, die das Format im Gesamtbild tragen und aus Mixology eine ordentliche Serie machen könnte. Ein cleverer Aufbau der ersten Staffel, in welcher langsam ein Rädchen in das andere greift, könnte „Mixology“ ein wenig dringend benötigte Ernsthaftigkeit geben und zeitgleich der Serie ihre nervige Oberflächlichkeit nehmen. Anhand der Pilotepisode ist „Mixology“ leider nicht mehr als eine sehr gewöhnliche Comedyserie, welche sich anscheinend selbst noch nicht ganz bewusst ist, wohin die Reise gehen soll.
Fazit
So sehr die Idee hinter der neuen ABC-Serie Mixology das Interesse des einen oder anderen wecken könnte, so sehr hapert es in der Auftaktepisode der Comedy auch an deren Umsetzung. Die Charakterzeichnungen funktionieren zwar, jedoch bieten einem die Figuren zu wenig an, um letztendlich von der neuen Serie wirklich überzeugt zu sein. Es mag ein paar lustige und durchaus beschwingliche Momente geben, wofür maßgeblich die einzelnen Darsteller verantwortlich sind, doch viel mehr kann man „Mixology“ auf den ersten Blick nicht abgewinnen.
Es ist nicht völlig unwahrscheinlich, dass das Konzept hinter Mixology und die Dynamiken unter den einzelnen Figuren erst im Laufe der gesamten Staffel zur vollen Entfaltung kommen und so die Comedy doch noch auf ein anderes Level hieven können. Die Auftaktepisode gestaltet sich jedoch blass und oberflächlich, sodass schließlich ein durchschnittliches Format mit netten, aber nicht wirklich auffälligen oder besonderen Merkmalen das Ergebnis ist. Der etwas derbere Humor der ersten Episode macht ein wenig Hoffnung, inwiefern die Macher jedoch die Balance zwischen diesem und einer interessanten Geschichte halten können, bleibt fraglich.