Mixed-ish: Review der Pilotepisode des Black-ish-Spin-offs

Mixed-ish: Review der Pilotepisode des Black-ish-Spin-offs

Mixed-ish ist der jüngste Zugang zum Black-ish-Imperium. Dieses Mal geht es in die Vergangenheit, genau gesagt, in Bows Kindheit im Jahr 1985. Kann die Serie mit dem Erfolg und der Qualität der Mutterserie mithalten?

Mixed-ish (c) ABC
Mixed-ish (c) ABC
© ixed-ish (c) ABC

In Black-ish ist Bow (Tracee Ellis Ross) eine erfolgreiche Ärztin, die fast nebenbei eine Großfamilie organisiert und einen oft kindischen Ehemann mit ihrem Realismus ausbalanciert. Doch immer wieder hören wir über den Verlauf der Serie, dass ihre Kindheit nicht ganz typisch verlaufen ist. In der Tochterserie Mixed-ish wird diese ungewöhnliche Vergangenheit in den Mittelpunkt gestellt. Wir reisen zurück ins Jahr 1985 und starten mit dem brutalen Ende einer friedensliebenden Sekte. Das stellt das Leben von Bows Familie auf den Kopf und zwingt die fünf dazu, sich in der normalen Welt zurechtzufinden.

Wovon handelt es?

Serienschöpfer Kenya Barris hat ein Mattscheibenuniversum erschaffen, in dem jeder Abkömmling verschiedene Seiten des schwarzen Amerikas durchleuchtet. In der Mutterserie begleiten wir Dre und seinen Alltag in einer wohlhabenden schwarzen Familie, in der ersten Tochterserie Grown-ish geht es um die Erlebnisse der ältesten Johnson-Tochter an der Universität, nun reisen wir zurück in eine andere Zeit. Die zwölfjährige Rainbow (Arica Himmel) lebt mit ihren zwei Geschwistern und ihren Eltern in einer Kommune, in der Geld, Hautfarbe und andere Parameter aus dem Rest der Welt nicht zählen. Es geht ausschließlich um Liebe und gegenseitiges Verständnis. Doch diese Idylle wird hart zerstört, als die Regierung die kleine Sekte zerschlägt.

Rainbow, ihr jüngerer Bruder Johan (Ethan William Childress), ihre kleine Schwester Santamonica (Mykal-Michelle Harris) und ihre Eltern Alicia (Tika Sumpter) und Paul (Mark-Paul Gosselaar) finden sich in einem nicht gerade sparsam eingerichteten Mietshaus wieder. Das könnten die Hippies, die ohne Geld leben, sich nur leisten, weil es Pauls Vater Harrison (Gary Cole) gehört, einem erfolgreichen Anwalt mit eigener Kanzlei.

Doch auch wenn die Johnsons generell dankbar für die Unterstützung sind, so wollen sie doch so weit wie möglich an ihrem alten Lebensstil festhalten. Das bedeutet für Alicia, selbst Anwältin mit Abschluss aus Berkley, sich einen Job zu suchen, in dem sie bedeutungsvolle Fälle bearbeiten kann. Paul, ebenfalls einst Jurastudent in derselben Uni, aber Abbrecher aus Protest, versucht sich unterdessen als Selbstversorger im Garten.

Am härtesten trifft die Umstellung jedoch Bow und ihre Geschwister. Die müssen zum ersten Mal in ihrem Leben eine öffentliche Schule besuchen und dort stellen sie fest, dass ihre Eltern ihnen einen entscheidenden Fakt über die Welt verschwiegen haben: Außerhalb der Kommune ist Amerika in Schwarz und Weiß aufgeteilt. In diese Welt passen die drei Geschwister mit einer schwarzen Mutter und einem weißen Vater nicht rein. Sie gelten als gemischt und verstehen erst mal überhaupt nicht, was das eigentlich bedeuten soll, schließlich spielte Hautfarbe in ihrem alten Leben keine Rolle.

Bow, Johan und Santamonica reagieren auf den ersten Tag in der Schule ganz unterschiedlich. Während die beiden jüngeren sich der Idiotbox alias dem Fernseher hingeben, um zu erfahren, wie der Rest der Welt tickt, besinnt Bow sich darauf, sich von der Welt nicht verbiegen zu lassen.

Am zweiten Tag erscheinen Johan und Santamonica als Madonna-Lookalike und als B-Boy in der Schule, wo sie nun ihren Platz finden. Bow selbst schmeißt ihr Mittagessen lieber in den Müll, anstatt eine Hautfarbenseite zu wählen.

Doch abends stellt sich heraus, dass sie damit recht alleine dasteht. Denn nicht nur ihre Geschwister, auch ihre Mutter sucht den Kompromiss. Um die Familie über Wasser zu halten, hat sie einen Job bei ihrem Schwiegervater angenommen. Das hat unter anderem einen drastischen Klamottenwechsel zur Folge.

Zwischen dem Wunsch, in die Idylle zurückzukehren und der Notwendigkeit, sich selbst in der normalen Welt zu finden, begleiten wir die Johnsons fortan durch ihren Alltag.

So kommt es rüber

In Mixed-ish tritt Bow in Dres Fußstapfen als Erzähler. Ihre erwachsene Stimme begleitet uns durch den Alltag und führt dadurch den Ton an. Wo Dre in Black-ish durch seine Erzählung oft einen bissigen, sarkastischen Ton einführt, holt Bow die Idylle und die Melancholie ins Drehbuch. Dadurch unterscheidet sich die Serie in der Art erheblich von der Mutterserie. Was jedoch gleich bleibt, ist die Klarheit, mit der die Autoren Amerika aus einer schwarzen Perspektive durchleuchten oder, besser gesagt - in diesem Fall - aus der gemischten Perspektive. Zu einer Zeit, als Ehen zwischen Schwarzen und Weißen erst recht kurze Zeit überhaupt legal waren, begleiten wir die Kinder durch eine Welt, in der sie kaum Vorbilder finden, die ihnen ähneln.

Dabei bleibt die Schärfe der Welt außerhalb der Grenzen der Familie. Zwar gibt Alicias Schwester Denise (Christina Anthony) zu, zu Beginn der Ehe nicht viel von gemischten Beziehungen gehalten zu haben, erwähnt jedoch direkt in der Pilotepisode, dass dies ein Fehler war.

Auch Harrison, Kapitalist durch und durch, steht jeder Art von Rassismus sehr fern und behandelt seine Schwiegertochter mehr wie ein leibliches Kind. Wichtiger als die Hautfarbe ist ihm die Tatsache, dass sie ihren Abschluss gemacht hat, während sein Sohn abgebrochen hat.

Am Ende der Episode sehen wir die Johnsons samt Tante und Opa dann auch fröhlich durch den Garten tollen. Auch wenn sie Meinungsverschiedenheiten haben, so die Message: Diese Familie hält zusammen und wird auch gegen eine getrennte Welt, die sie argwöhnisch beäugt, bestehen.

Schon die Pilotepisode macht also deutlich, dass Mixed-ish quasi ein Black-ish für Zuschauerinnen und Zuschauer ist, denen der Umgangston bei Dre und Co zu rau ist.

Fazit

Wer eine Familiencomedy sucht, in der sozialkritische Themen oben auf der Tagesordnung stehen, aber die mit genügend Weichspüler gegensteuert, so dass man mit einem guten Gefühl von der Idiotbox weggehen kann, der ist bei „Mixed-ish“ genau richtig. Die Figurenzeichnung ist ähnlich stark wie in der Mutterserie und das größte Plus und die größte Gemeinsamkeit der beiden Serien fällt am Ende besonders stark ins Gewicht: Im Kenya-Barris-Universum weiß man, wie man Kinderdarsteller castet. Die drei Johnson-Zöglinge aus dem Jahr 1985 stehen ihren späteren Nichten und Neffen beziehungsweise Kindern in nichts nach.

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