Mittsommernacht: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

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Große Familien bieten zahlreiche schöne Gelegenheiten, zu feiern. Für die Familie aus der Serie Mittsommernacht wird das skandinavische Fest zur Sonnenwende daher eine große Veranstaltung. Doch diese Aufeinandertreffen verschiedener Lebensmodelle, Erinnerungen und Träume kann schnell zum dramatischen Stresstest werden.
Wovon handelt die Serie „Mittsommernacht“?
Carina (Pernilla August) und ihr Mann Johannes (Dennis Storhoi) leben in einem idyllischen Haus am See. In diesem Jahr möchte sie eine Mittsommernachtsfeier nach den Traditionen ihres Heimatlandes Schweden feiern. Vor der träumerischen Fassade empfangen sie die gut gelaunten Gäste. Doch das Drama ist nicht weit. Es dauert gerade einmal so lange bis alle Gäste angekommen sind, denn Carinas Tochter, die ihren Verlobten und dessen Eltern dabei hat, muss entsetzt feststellen, dass ihre Mutter heimlich ihren Exfreund plus seiner Mutter auf die Gästeliste gesetzt hat.
Das nächste Drama entwickelt sich nur wenige Stühle weiter. Wir lernen Carinas Bruder kennen, der mit dem Boot aus Schweden angereist ist - und seine neue, mehrere Jahrzehnte jüngere Freundin mitgebracht hat. Die macht sich mit der neuen Familie bestens bekannt und begeistert mit einem kleinen Ständchen - bis sie sich mit einem Schwangerschaftstest ins Badezimmer zurück zieht. Nur wenige Minuten nachdem ihr Lebensgefährte lautstark am Tisch verkündet hat, dass eigene Kinder einfach nie Teil seines Lebensplans waren oder sein werden.
Doch das ganz große Drama kommt erst noch ans Licht. Denn in der Pilotepisode wissen es nur die Zuschauer:innen. Carina hat ihren Mann um die Scheidung gebeten.
Wie kommt es rüber?
In typisch skandinavischer Atmosphäre wird uns hier eine Familienserie präsentiert, in der Drama und schöne Aussichten nah beieinander liegen. Die Essenz der Produktion sind die Figuren und die sind schon in der Pilotepisode gut ausgearbeitet. Man ahnt, wo sie Knackpunkte dieser Familie sind, auch wenn sie nur durch einzelne Blicke angedeutet werden.
Die Story erinnert an ähnlich angelegte Serien, bei denen eine Familie zu einem festlichen Anlass zusammen findet und sich dann die jahrzehntelang gehüteten Geheimnisse nach und nach entladen. Innerhalb dieses Genres landet die neue Netflix-Serie aus Norwegen im Mittelfeld in jeder Hinsicht. Der Ton ist ernst, nach komödiantischen Elementen, die ähnliche Serien haben, sucht man hier vergeblich. Aber es driftet auch nicht so weit ins Drama ab, dass es zu ernst und zu traurig wird.
Auch die Qualität landet im Mittelfeld. Die Figuren sind interessant geschrieben und dargestellt, man darf sich durchaus emotional engagieren und wird nicht enttäuscht. Doch so richtig innovativ ist das Drehbuch dann auch nicht. Vieles kann man weit kommen sehen - und hat damit am Ende meistens vermutlich recht.
Doch das tut dem Binge-Genuss keinen Abbruch, wenn man weiß, was man bekommt und danach sucht: eine dramatische Familienserie vor idyllisch-nordischer Kulisse mit starken Darstellern, von denen fast alle Gelegenheit bekommen, sich ausgiebig zu präsentieren.