
„Vier Freundinnen. Vier Herzen. 13 Wochen Verführung.“ So wurde Mistresses (US), die von ABC produzierte Neuauflage der BBC-Serie Mistresses, beworben. In dieser versuchen vier Frauen, ihr Privatleben vor der Öffentlichkeit zu verstecken, während sie sich selbst verwirklichen. Dabei verfangen sie sich aber in einem Netz von Verrat und Betrug sowie dem komplexen Beziehungsgeflecht, das sie selbst um sich herum geschaffen haben.
Das passiert in der Pilotepisode
Savannah („Savi“, Alyssa Milano) ist eine erfolgreiche Karrierefrau und arbeitet an der nächsten Lebensphase, sowohl in persönlicher als auch beruflicher Hinsicht. Sie versucht, gleichzeitig in der Anwaltskanzlei voranzukommen und eine Familie mit ihrem Ehemann Harry (Brett Tucker) aufzubauen.
Ihre kleine Schwester Josslyn (Jes Macallan) könnte unterschiedlicher nicht sein. Sie kostet ihr Singleleben voll aus. Als Immobilienmaklerin hat sie keinerlei Interesse an einer langjährigen Beziehung.
Ihre gemeinsame beste Freundin April (Rochelle Aytes) ist seit kurzem verwitwet und Mutter einer Zehnjährigen. Nachdem sie die Versicherungssumme ihres verstorbenen Ehemanns kassiert hat, erhält sie verwirrende Telefonanrufe und glaubt fortan, ihr Ehemann wolle ihr Zeichen aus dem Jenseits geben.
Eine weitere langjährige Freundin ist Karen (Yunjin Kim). Sie arbeitet als Therapeutin mit eigener, erfolgreicher Praxis und sucht wieder den Kontakt zu ihren Freundinnen, nachdem ihre Beziehung zu einem wohlhabenden Patienten fürchterlich schiefgelaufen ist.
Nachricht von Dead Paul
Der Einstieg vermittelt vor allem eines: Hier geht es um Sex. Nachdem man in den ersten Minuten gleich zwei Paare beim Geschlechtsverkehr beobachten darf, könnte man meinen, die Serie drehe sich um kaum etwas anderes. Da wurde die ganze Sexiness aber fast schon verbraten, denn abgesehen von einem postkoitalen Gespräch zwischen zwei Charakteren und einem späteren Tête-à-tête bleibt die Episode doch relativ züchtig.
Mistresses konzentriert sich im Auftakt darauf, Konflikte für die vier Protagonistinnen aufzubauen. Die alleinerziehende Witwe (deren zehnjährige Tochter kaum Thema zu sein scheint) und ihre Schwierigkeiten damit, sich wieder ins Datingleben zu wagen, ist leider nichts Neues. Der Versuch, Aprils Geschichte mit den mysteriösen Anrufen aus dem Jenseits Originalität zu verpassen, lässt diese leider eher in Albernheit als in Dramatik abdriften. Äußerst fragwürdig erscheint auch die Entscheidung, einfach zu einem Motel zu fahren, um dort an die Tür des gruseligen Telefonstalkers zu klopfen.
Auch die Ehekrise, die aus dem Unvermögen eines Paares erwächst, Kinder zu bekommen, hat man so schon zahlreiche Male gesehen. Mit Savi hat man allerdings eine Figur, mit der man dank der üblichen sympathischen Darstellung von Alyssa Milano wunderbar mitfühlen kann. Schön zu beobachten ist sicherlich auch die Chemie zwischen ihr und Co-Star Jason Winston George, die über den ganzen Piloten hinweg ausgezeichnet funktioniert.
Verlorene Söhne
Wo die Farbe allerdings vollkommen fehlt, ist die Handlung um Joss. In Kombination mit den anderen Damen ist sie eine spaßige Figur, die etwas Leben in die Runde bringt. Alleine kann sie das Interesse jedoch nicht fesseln, was daran liegt, dass ihre Geschichte im Gegensatz zu den anderen kaum Konflikt bietet, bei dem der Zuschauer mitfühlen kann. Ihre Wohnsituation sowie die Affäre mit einem verheirateten Mann werden zu oberflächlich und im Hintergrund erzählt, während der Plot mit ihren lesbischen Kunden kaum besticht. Lediglich die mögliche Entwicklung zwischen Joss und Alex (Shannyn Sossamon) lässt hoffen, dass noch Interessantes folgt.
Karen ist die einzige Figur, deren Handlungsbogen tatsächlich spannend ist, denn hier halten sich Gewissensbisse, Trauer und drohende rechtliche Probleme die Waage mit dem Aspekt des Liebeslebens. Ihre Interaktionen mit Sam (Erik Stocklin) sind durchaus mitreißend und faszinieren genug, um mehr davon sehen zu wollen. Vor allem auch durch ihren emotionalen Zusammenbruch vor ihren Freundinnen ist Karen die bisher am deutlichsten gezeichnete Protagonistin. Allerdings bieten die Rückblicke auf ihre Beziehung mit Thomas (John Schneider, Smallville) eine Reihe ziemlich kitschiger Dialoge, angeführt von seiner Aussage, Sterben könnte das Beste sein, was ihm je passiert ist. Bitte nicht.
Leider ist der Pilot von Mistresses aber auch ziemlich vorhersehbar. Nicht nur, dass einige Ausgangssituationen nichts wirklich Neues bieten, einige entwickeln sich auch nicht auf besonders überraschende Weise. Dass zwischen Savi und ihrem Kollegen Dominic bald etwas passieren würde, war von vornherein mehr als deutlich, genauso wie Sams Gefühle für Karen kaum jemanden überrascht haben werden. Harrys Fortpflanzungsprobleme und die anschließende Identitätskrise zeichneten sich ebenfalls von Anfang an ab und auch die Sache mit dem anonymen Anrufer ist nach dem Besuch des Motels offensichtlich noch längst nicht abgehakt. Als einzige wirkliche Überraschung der Episode kommt die Enthüllung daher, dass es sich bei diesem Telefongeist um den unehelichen Sohn ihres Ehemanns aus dessen Affäre mit einer anderen handelt.
Fazit
Wer sich zunächst fragt, wieso die Serie „Mistresses“ heißt, wenn nur zwei der Hauptfiguren tatsächlich in Affären stecken, ist am Ende des Piloten tatsächlich schlauer. Denn während die bereits bekannten Liebschaften zur Ausgangslage der Story gehören, erweitert sich das Affärenfeld bis zum Ende um eine ehemalige, eine eventuelle und eine männliche mistress. Der Titel erhält dadurch einen etwas weitläufigeren Bezug, als es zunächst den Anschein hatte.
Insgesamt hat man mit den vier Protagonistinnen recht sympathische und interessante Charaktere geschaffen, die Potential für gute Geschichten haben, wenn man es schafft, mit Klischees zu brechen. Die Identifikation mit den Figuren ist durch eine gute Besetzung und gemischte Charakterisierungen, durch die die meisten Zuschauer einen Zugang finden können, bereits erreicht. Was bisher fehlt, ist eine Handlung, die auch tatsächlich dazu animiert, regelmäßig zu diesen zurückzukehren. Ob der ABC-Serie das in den nächsten zwölf Episoden gelingen kann, bleibt abzuwarten.