Ich vermisse dich 1x01

Ich vermisse dich 1x01

Mit der britisch-US-amerikanischen Thrillerserie „Ich vermisse dich“ aka „Missing You“ zeigt Netflix eine weitere Harlan-Coben-Adaption mit starker Besetzung und interessantem, letztlich aber einem vorhersehbaren Plot.

Poster zur Serie „Ich vermisse dich“
Poster zur Serie „Ich vermisse dich“
© Netflix

Das passiert in der Serie „Missing You“

Kat Donovan (Rosalind Eleazar) ist nicht nur eine gute Ermittlerin, sondern auch überzeugter Single, nachdem sie ihr Freund Josh (Ashley Walters) vor elf Jahren sitzen ließ und spurlos verschwand. Dennoch hat sie sich vor einiger Zeit bei einer Dating-App angemeldet und traut nun ihren Augen nicht, als sie sein Gesicht auf einem Foto erblickt.

Doch das ist nicht die einzige Merkwürdigkeit in ihrem Leben, denn der Mörder ihres Vaters ihres Vaters liegt im Gefängnis im Sterben und verrät ihr während eines Besuchs auf der Krankenstation, dass er gar nicht der Täter war. Während sie noch versucht, diese beiden heftigen Einschnitte in ihr Leben zu verarbeiten, wird sie zu einem Vermisstenfall gerufen, der sich schon bald als wichtiger herausstellt, als es sich Kat jemals hätte träumen lassen.

Denn der Fall des Verschwundenen Rudi Dharmalingam scheint irgendwie mit ihrem Exfreund und dem Tod ihres Vaters zusammenzuhängen. Doch wie genau? Und was hat das Online-Datingportal mit der Sache zu tun, auf dem die Detective Inspector ihren verschollenen Lover wiederentdeckt hat...?

Harlan Coben in Serie

Netflix- und Krimifans wissen es schon seit Jahren: Der US-amerikanische Thrillerautor Harlan Coben hat 2018 einen Megadeal mit dem marktführenden Streamingdienst abgeschlossen, der ihm die Verfilmung von 14 seiner zahlreichen Romane bis 2027 zusicherte. Neun davon stehen bereits online, namentlich Safe, The Stranger, The Woods, Kein Friede den Toten, Kein Lebenszeichen und Stay Close (alle zwischen 2018 und 2021).

2024 gesellte sich schließlich Fool Me Once aka „In ewiger Schuld“ und aktuell die hier zu besprechende „Ich vermisse dich“. Mit dabei ist erneut in einer prominenten Rolle der aus „Der-Hobbit“-Trilogie bekannte Richard Armitage, der in den Coben-Produktionen inzwischen schon zum festen Cast gehört.

Trotz dieses sowie einiger anderer bekannter Namen (unter anderem James Nesbitt, Rosalind Eleazar, die vornehmlich in den britischen Miniserien auftauchen) lässt sich allerdings durchaus nicht immer behaupten, dass der Name Coben für Spitzenqualität steht...

Kein schlechter Beginn

Dabei beginnen die Geschichten bisweilen stark, flachen dann im Verlauf der jeweiligen Staffel aber oft ab und verlieren sich in Belanglosigkeiten. Ob das auch auf „Ich vermisse dich“ zutrifft oder ob die Produktion zu den stärkeren der Reihe gehört, lässt sich nach der Begutachtung der Pilotfolge naturgemäß noch nicht zweifelsfrei sagen. Der Beginn präsentiert sich allerdings mit den bekannten Stärken und Schwächen.

Den positiven Eindruck verdankt das Format hauptsächlich der Spielfreude von Rosalind Eleazar und dem Aufbau der Pilotfolge, der sich fast voll und ganz auf die Hauptfigur fokussiert. Die Geschichte beginnt zwar erwartungsgemäß mit der fotografisch ansprechenden Einführung des handlungsumspannenden Mysteriums, das es im Verlauf der insgesamt fünf Episoden zu ergründen gilt. Indes ahnt man schon früh, dass Kats Leben unmittelbar mit dem Fall verknüpft ist, den sie gerade zu knacken versucht.

Nachdem wir in den ersten Szenen einem panisch auf einem Pferd flüchtenden Unbekannten gefolgt sind, führt uns ein Schnitt direkt in die Welt der Protagonistin ein, derer freier Abend wirklich besser laufen könnte. Gerade noch datet sie einen netten Typen, da findet sie sich schon in der Küche eines Restaurants wieder und versucht einen wutentbrannten Koch mit einem Messer in der Hand zu beruhigen, der den Liebhaber seiner Freundin zu filetieren versucht. Das ist ein smarter Einstieg, der Kate nicht nur als taffe Frau, sondern auch als gestandene Kriminalbeamtin vorstellt und damit sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt.

In der nächsten knappen halben Stunde erfahren wir dann nach und mehr über die dysfunktionalen Komponenten im Leben der Hauptfigur, die auf zwei große Handlungsebenen hinauslaufen. Die Erste befasst sich mit Kates Exfreund, der sie vor elf Jahren einfach sitzen ließ, spurlos verschwand und nun plötzlich auf einer Dating-App wie aus dem Nichts auftaucht. Die andere konzentriert sich auf ihren von einem Auftragskiller im Polizeidienst ermordeten Vater, dessen Killer sterbend im Gefängniskrankenhaus liegt.

Aber auch kein guter

Obwohl die Serie die beiden Bögen augenscheinlich unabhängig voneinander präsentiert, ist es aber doch evident, dass sie irgendwie zusammengehören. Mehr noch. Im Verlauf der Debütfolge blenden die Serienmacher noch einmal zu dem eingangs erwähnten Flüchtenden zurück und wir erfahren, dass er sich offenbar in eine Schwindlerin verliebt hatte und nun ein Entführungsopfer ist.

Man muss schon recht unaufmerksam sein, um nicht herauszufinden, dass hier ein Rädchen ins andere greift und das Thema Onlinedating eine große Rolle spielt. Zwar fehlt es diesbezüglich an einer expliziten Aussage, doch der Hinweis mit Kates Exlover ist zu deutlich, um den Schluss nicht zu ziehen.

Mit anderen Worten heuchelt „Ich vermisse dich“ dem Publikum Subtilität vor, die aufgrund der Offensichtlichkeit gar keine ist... Das ist ein wenig schade, zumal die Pilotfolge an sich eigentlich gar nicht mal schlecht ist. Das Autoren-Team zeichnet Kate als vielschichtige, interessante Person, die einerseits taff ist, andererseits aber auch eine weiche Seite hat.

Wenn sie in Erinnerungen an ihre verflossene Liebe schwelgt, oder den Killer ihres Vaters im Gefängnis besucht und ihre Gefühle nicht zurückhalten kann, wird die Figur auch dank der gut gewählten Nebenakteure greifbar. Auch der Entführungs-Plot verspricht Spannung, so dass man sich durchaus unterhalten fühlt.

Allzu viel Tiefe sollte man handlungstechnisch aber vielleicht besser nicht erwarten, es sei denn natürlich, die Miniserie hält einen Mega-Twist bereit, mit dem in den ersten 45 Minuten noch nicht zu rechnen ist. Das wäre eine mehr als gelungene Überraschung, die ich allerdings bezogen auf meine bisherigen Erfahrungswerte mit Coben-Adaptionen eher anzweifle...

Fazit

Wie im obigen Text bereits geschrieben, ist die Pilotfolge von „Ich vermisse dich“ aka „Missing You“ nicht schlecht, bietet aber für einen Platz in den oberen Rängen letztlich zu wenig. Die Hauptfigur und die Story zeigen gute Ansätze, wobei die Zusammenführung der drei Handlungsstränge aber unvermeidlich und damit vorhersehbar ist.

Die schauspielerischen Leistungen sind ebenso solide wie die Kameraarbeit, die Schnittführung ist nicht ausnehmend hektisch und der Score gerät unauffällig, aber auch nicht unpassend. Kurz gesagt hinterlässt die Einstiegsepisode den Eindruck, dass wir hier eine Miniserie vor uns haben, die man gerne anschauen kann und mit der man sich sicherlich auch nicht schlecht unterhalten fühlt. Auf den großen Wow-Effekt wie bei manch anderer aktueller Produktion könnte man allerdings vergeblich warten - auch wenn dieser natürlich nicht auszuschließen ist.

Von uns gibt es dafür bisher dreieinhalb von fünf Dating-Apps.

Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 2. Januar 2025
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Ich vermisse dich 1x01)
Titel der Episode im Original
Every Breath You Take
Länge der Episode im Original
47 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Mittwoch, 1. Januar 2025 (Netflix)

Schauspieler in der Episode Ich vermisse dich 1x01

Darsteller
Rolle
Rosalind Eleazar
Jessica Plummer
Lenny Henry
Steve Pemberton
Paul Kaye
Samantha Spiro
Lisa Faulkner
Mary Malone

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