Mind Games 1x01

Es gleicht tatsĂ€chlich einem „Gedankenspiel“, sich mit der neuen ABC-Serie Mind Games auseinanderzusetzen und auch mit den UmstĂ€nden um sie herum. Damit sind die Vorgeschichten sowohl vom Schöpfer der Serie, Kyle Killen, als auch von den beiden Hauptdarstellern Steve Zahn und Christian Slater gemeint. Eigentlich gleichen sich Slaters und Killens berufliche Schicksale: Vielversprechende Projekte der beiden gingen immer wieder den Bach runter.
Vor allem Killens Serien Awake und Lone Star fanden zwar den Zuspruch der Kritiker, aber nicht den des Publikums. Warum? Vielleicht, weil man die Balance zwischen der leichten Unterhaltung, die die Networks wollen, und der eigentlichen Geschichte, die der Autor erzĂ€hlen will, nicht stimmte? Das erwĂ€hnen wir nur, weil die PrĂ€misse der neuen Serie definitiv eine thematische Verbundenheit mit vorherigen Projekten hat und weil Mind Games wie ein Kommentar ĂŒber das bisherige Schicksal dieser Projekte klingt.
Mind Games erzĂ€hlt die Geschichte von den zwei BrĂŒdern Clark (Steve Zahn) und Ross Edwards (Christian Slater). Clark ist ein brillanter Wissenschaftler, der unter einer bipolaren Störung leidet, wĂ€hrend Ross wegen Betrugs und FĂ€lschung zwei Jahre im GefĂ€ngnis verbracht hat. Moralische AmbiguitĂ€t und MĂ€nner, die mit ihrer doppelten Natur zu kĂ€mpfen haben - das gehört zu Killens Portfolio, aber dieses Mal ist das Ganze etwas âleichterâ und unterhaltsamer gestaltet.
Kritiker wundern sich, warum Killen nicht endlich zu den Kabelsendern geht, um dort sein GlĂŒck zu suchen - und mit höherer Wahrscheinlichkeit auch zu finden. Aber vielleicht ist es um ihn genauso bestellt wie um seine Helden. Er scheint von der Idee besessen, das Networkdenken untergraben zu wollen. Wie Clark es formuliert: „Simply put, we change people's minds without them knowing we do it.“ Das ist gleichzeitig die Beschreibung der PrĂ€misse von Mind Games. Es geht um den Kampf, das Schicksal âunschĂ€dlichâ zu machen. Ein potentieller Kunde fragt in der ersten Szene die beiden BrĂŒder: „You're offering me an alternative to fate?“
Ja, es geht genau darum. Aber was das Pitchen dieser Idee angeht, da sind die BrĂŒder unterschiedlicher Meinung. Wenn Clark einmal Fahrt aufgenommen hat, ist er von seinen Ideen so begeistert, dass er alles in Schutt und Asche legen wĂŒrde, ohne es zu merken. Seiner Meinung nach soll man zuerst seine SchwĂ€chen gestehen: „Studies show you are judged to be more likeable when you begin by admitting your faults rather than waiting.“
Die Dynamik zwischen den beiden BrĂŒdern ist definitiv âlikeableâ und vor allem Steve Zahn ist groĂartig, genauso wie in Treme. Das einzige Problem sind diese hinausgeschossenen minutenlangen Monologe seiner Figur, die erklĂ€ren sollen, was gerade gemacht wird und wie man Menschen manipuliert. Ob das Networkpublikum dem folgen kann, darf man zu bezweifeln wagen.
Clark und Ross haben „The Edwards Agency“ gegrĂŒndet, aber brauchen dringend Investoren. WĂ€hrend Ross auf groĂe Firmen und die Wirtschaftswelt zielt, geht es Clark darum, erst einmal die Welt von seinen Ideen zu ĂŒberzeugen, auch wenn es umsonst ist - wie im ersten Fall. Es geht um einen Jungen, fĂŒr dessen Operation die Versicherung nicht zahlen will. Der Trick, den sich Clark ĂŒberlegt, und dessen AusfĂŒhrung sind sehr unterhaltsam. Man hat auch die passenden Nebenfiguren an Bord, die zum Team gehören: die Schauspielerin Megan Shane (Megalyn Echikunwoke, 90210), der Businessmanager Latrell Griffin (Cedric Sanders) und der Doktorand Miles Hood (Gregory Marcel).
Am wichtigsten fĂŒr Clark erscheint aber Ross' Exfrau - diejenige, die ihn damals den Behörden auslieferte -, Claire (Wynn Everett, The Newsroom). Clark weigert sich, seine Medikamente zu nehmen: „Drugs stop the music. Music is where all the ideas come from.“ Claire ist die einzige, die in seinen âdunklenâ Momenten Zugang zu Clark findet und ihn beruhigen kann. Aber eine Sache gibt es, die keiner reparieren kann: Clarks verzweifelte Liebe zu einer seiner Studentinnen, fĂŒr die er aus der UniversitĂ€t geworfen wurde. Und wie wir am Ende der Episode erfahren, hatte wohl Ross dabei seine Finger im Spiel und legte seinen Bruder anscheinend rein.
Die Exfrau und die Exfreundin, die am Ende doch zu dem verzweifelten Clark zurĂŒckgeht - diese Kombination verspricht emotionale Achterbahnfahrten. Dazu verspricht Mind Games spannende FĂ€lle der Woche. So gehören nĂ€mlich nicht nur Clarks psychologische Tricks, sondern auch Ross' durchaus kriminelle Erpressungstricks zum Repertoire, wie in dieser Episode schön zu sehen.
Eigentlich sind alle Tricks hier âdunklerâ Natur und nicht ganz sauber, aber die PrĂ€misse der Serie ist, dass sie fĂŒr das Wohl einfacher Leute eingesetzt werden, die sich in Not befinden und denen keiner helfen kann. Diese Rechtfertigung dĂŒrfte ausreichen, aber es hĂ€ngt davon ab, wie gut Mind Games die FĂ€lle der Woche und die Schicksale der beiden BrĂŒder miteinander mischen kann. Kann die ABC-Serie, so wie Clark es schön beschreibt, unser Gehirn wie nassen Zement benutzen und ihre Ideen drauf schreiben, so dass es nach dem Trocknen vollstĂ€ndig so aussieht, wie es antizipiert war?
Verfasser: Mariano Glas am Mittwoch, 26. Februar 2014(Mind Games 1x01)
Schauspieler in der Episode Mind Games 1x01
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