Midnight, Texas 1x01

© ast der Serie „Midnight, Texas“ / (c) NBC
Charlaine Harris, die Frau hinter der Romanvorlage zu Midnight, Texas hat uns einst auch die Geschichte um Sookie Stackhouse und True Blood gebracht. Doch die neue NBC-Serie zeigt, dass eine interessante Vorlage nun einmal nicht alles ist.
Wovon handelt es?
Ja, es geht um Vampire und anderlei übernatürliche Kreaturen und wir befinden uns im Süden der Vereinigten Staaten. Damit hören die Gemeinsamkeiten zu der HBO-Serie, die in ihren ersten Staffeln einen sehr guten Lauf hatte, aber auch schon auf. In „Midnight, Texas“ lernen wir einen jungen Mann kennen, Manfred (Francois Arnaud), der die Gabe hat, mit den Toten zu sprechen. Das nutzt er für private Sitzungen für Angehörige von Verstorbenen, womit er seinen Lebensunterhalt bestreitet. Doch dann muss er fliehen und der Geist seiner Großmutter, die zu Lebzeiten dieselbe Gabe wie ihr Enkel hatte, rät ihm nach Midnight zu fliehen.
Das tut er dann auch und wir begleiten ihn. In der Kleinstadt in Texas trifft er ziemlich schnell auf einen Vampir von echtem Elijah-Kaliber (für Nicht-The Originals-Zuschauer: sehr nobel, gut angezogen und von astreiner Artikulation). Er heißt Lemuel und das Beste an ihm ist, zumindest in der Pilotepisode, das Charisma des Darstellers Peter Mensah.
Schnell erkennt man auch den eindeutig ausgeschilderten love interest-Pfeil, der nämlich auf die junge Kellnerin Creek (Sarah Ramos) zeigt, die Manfred direkt auf ein Picknick einlädt, bei dem er den Rest der Stadt trifft. Dazu gehören die Hexe Fiji (Parisa Fitz-Henley) und die mysteriöse Kämpferin Olivia (Arielle Kebbel). Doch noch bevor der Neuankömmling sich das erste Bier aufgemacht hat, wird in der Nähe des Picknickplatzes eine Leiche gefunden.
Das ruft die Gesetzeshüter auf den Plan, die Manfred in seltsam unangebrachter Offenheit direkt auftischen, dass irgendetwas mit der Stadt nicht stimmt. Was das ist, erfährt der Zugezogene kurz darauf, als Zuschauer kann man es sich schon von Weitem denken: Midnight ist ein Auffangbecken für übernatürliche Wesen, ein sicherer Hafen für alle, die mit der Welt der Sterblichen nicht klarkommen.
Den versuchen diese auch zu schützen, als durch den Mord an einer jungen Frau immer mehr Außenstehende in die inneren Angelegenheiten gezogen werden. Manfred hat durch die Empfehlung seiner Großmutter ein Stein im Brett, zumindest bei Lemuel und der hat offenbar mehr zu sagen als die anderen. Auf seinen Befehl hin lässt Olivia von Manfred ab und er gehört ab da zur Familie. Gute Nachrichten für Granny, die auf ihren Enkel als Geist in seinem Wohnwagen wartet.
Wie kommt es rüber?
Was die True Blood-Macher längst verstanden haben, ist den Midnight, Texas-Verantwortlichen offenbar abhanden gekommen. Der Schlüssel zum Erfolg beider Geschichten ist eine subtile, charaktergetriebene Erzählweise an der Schnittstelle von Südstaaten-Mystik und übernatürlichen Scharmützeln. Doch die Pilotepisode um Manfred und die anderen könnte kaum ferner von Subtilität angelegt sein. Mitunter werden Zusammenhänge erklärt, die man selbst einem Sitcom- oder Seifenoper-Publikum zutrauen darf. Die Figuren sind alles andere als mysteriös, jede Unterhaltung scheint überbemüht zu sein, genau zu bestätigen, was wir ohnehin schon von den Charakteren denken. Überraschungen sind eine Fehlanzeige. Das muss man erst einmal schaffen in einer Welt, in der eine zweite Identität zum Standard gehört.
Auch die Geschichte an sich könnte kaum augenfälliger sein, der Mord, die Ermittlungen, die Bedrohung von Außen, der innere Zusammenhalt, durchfressen von Intrigen, originell ist hier wenig.
Von schönen Bildern ist leider bisher ebenfalls wenig zu sehen. Wo in „True Blood“ schon der Parkplatz bezaubern konnte, bleibt in „Midnight, Texas“ schon das vorher von Lemuel gelobte Picknick blass und nichtssagend. Immerhin versuchen sie sich in Sachen Nacktheit und Sex an der Vorgängerserie ein Beispiel zu nehmen. Doch auch das kann nicht davon ablenken, dass hier nur wenig Substanz rüberkommt.
Fazit
Ein Ersatz für True Blood ist die neue NBC-Serie leider nicht und auch wenn man frisch an die Pilotepisode geht, wird man vermutlich von dem flachen Drehbuch enttäuscht. Vielleicht schaffen es die Serienmacher im Laufe der ihnen gegeben Zeit, ihre Zuschauer ernster zu nehmen. Die starken Seiten der Figuren scheinen vor allem aus dem Charisma der Darsteller zu kommen und weniger aus der Story.
Trailer zu US-Serie „Midnight, Texas“:
Verfasser: am Dienstag, 25. Juli 2017Midnight, Texas 1x01 Trailer
(Midnight, Texas 1x01)
Schauspieler in der Episode Midnight, Texas 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?