Messiah: Kritik zur Netflix-Serie

Messiah: Kritik zur Netflix-Serie

Jesus kehrt zurück auf Erden, doch, da er kein Amerikaner, sondern Syrer ist, hält ihn die CIA für einen Terroristen. Was wie ein schlechter Witz klingt, ist in Wahrheit die Prämisse der sehr realen neuen Netflix-Serie Messiah.

Mehdi Dehbi und Michelle Monaghan in Messiah (c) Netflix
Mehdi Dehbi und Michelle Monaghan in Messiah (c) Netflix
© ehdi Dehbi und Michelle Monaghan in Messiah (c) Netflix

Pünktlich zum Neujahrstag hat Netflix eine Serie hochgeladen, die nicht nur eine oder zwei, sondern gleich drei Weltreligionen auf einmal ins Visier nimmt. Was kann schon schiefgehen, wenn man in der ohnehin schon angespannten Nahostregion mit einem spirituell angehauchten Spionagedrama wie Messiah nun noch zusätzlich Öl ins Feuer gießt? Obwohl man fairerweise natürlich zugegeben muss, dass es nach den jüngsten politischen Entwicklungen im Iran wahrscheinlich eh viel wichtigere Probleme gibt als diese verzweifelt nach Aufmerksamkeit schreiende Eigenproduktion der VoD-Plattform...

Worum geht's?

Die Prämisse zur zehnteiligen Auftaktstaffel lautet wie folgt: Im syrischen Damaskus, das vom sogenannten Islamischen Staat belagert wird, spielt sich ein rätselhafter Prophet als neuer Messias auf, als leibhaftiger Sohn Gottes. Als die Stadt wie durch ein Wunder gerettet wird, wissen die leidgeprüften Einwohner, bei wem sie sich bedanken müssen. Und plötzlich führt der Pseudo-Jesus Al-Massih (Mehdi Dehbi) eine beachtliche Anhängerschaft an. Nun wird auch die CIA auf ihn aufmerksam und befürchtet, dass er nach dem Aus des IS zum Gründer der nächsten großen Terrororganisation werden könnte.

Man spürt bei alldem regelrecht, wie der australische Serienschöpfer Michael Petroni (Miracles) die Idee von einem oft rezitierten Internet-Meme abgekupfert hat. Der Witz geht ungefähr so: Wenn Jesus, wie in der Bibel angekündigt, im 21. Jahrhundert wirklich auf Erden zurückkehren würde, würden die Amerikaner ihn höchstwahrscheinlich nach Guantanamo schicken. Denn sie würden nicht verstehen, dass ihr großer Erlöser nicht weiß und blauäugig wäre, sondern dunkelhäutig. Außerdem würde Jesus sicherlich kein Englisch sprechen, sondern eher Hebräisch und Arabisch. Und würde Trumps Executive Order 13769 noch gelten, könnte er aus einem muslimischen Land eh nicht in die USA einreisen.

Eine echte Pointe hatten diese ironischen Spekulationen bislang nicht, zumindest nicht, bis Netflix sich dazu entschloss, darauf basierend eine richtige Serie zu produzieren. Noch alberner ist allerdings die Umsetzung des Ganzen. Denn Subtilität ist für Petroni und seine beiden Regisseure James McTeigue (Sense8) und Kate Woods (Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.) offenbar ein Fremdwort. Besonders schade: Al-Massih wird viel zu früh als echte Christus-Inkarnation verifiziert, so dass sich die spannende Frage, ob er lügt oder die Wahrheit sagt, rasch erübrigt. Vor allem sorgt das jedoch dafür, dass unsere Heldin, die CIA-Agentin Eva Geller (Michelle Monaghan), ganz klar für die falsche Seite kämpft, was sie kaum sympathischer macht.

Mehdi Dehbi in Messiah
Mehdi Dehbi in Messiah - © Netflix

Doch auch so glänzt die Figur nicht gerade mit Charakterzügen, die wir im „christlichen Abendland“ schätzen gelernt haben, sprich Toleranz, Demut oder Nächstenliebe. Mit etwas Übertreibung könnte man glatt sagen, dass sie ein Antichrist ist, zumal sie ihrem besorgten Vater am Telefon nicht mal das „Ich hab dich lieb“ erwidern kann. Sie ist gefühlskalt und humorlos, was für ihren Job vermutlich von Vorteil sein kann, doch für eine Protagonistin eher problematisch ist. In dieser Beziehung ähnelt sie sehr der Homeland-Hauptfigur Carrie Mathison (Claire Danes). Und auch, was den Mangel an kulturellem Taktgefühl angeht, kann sich Messiah durchaus mit dem oftmals xenophoben Spionagedrama von Showtime messen.

All das wäre für Messiah zu verkraften gewesen, wenn dann wenigstens die andere Seite, also Al-Massih und seine Jünger, zum Mitfiebern einladen würde. Und wenn man bedenkt, dass der titelgebende Charakter tatsächlich übermenschliche Fähigkeiten hat, ist es fast schon ein Wunder, dass er so langweilig erscheint. Zwar führt er hier und da mal ein paar Partytricks vor, aber eben nichts, was nicht auch ein Hobbymagier mit Zauberkasten bewerkstelligen könnte. Und auch seine Weisheiten sind keineswegs erleuchtend. Wie in den meisten Religionen fordert der Prophet von seinen Schäfchen unbedingten Glauben ein. Mit anderen Worten: Wagt es ja nicht, kritisch zu denken und Gott zu hinterfragen. Scheint, als hätte Jesus das Zeitalter der Aufklärung nicht mitbekommen. Oder er war zu faul, sein Credo nach 2000 Jahren upzudaten.

So gesehen schafft es Messiah sogar noch, Atheisten zu erzürnen, was schon wirklich eine Meisterleistung ist, wenn man bedenkt, dass die Serie auch das Christentum, das Judentum und den Islam in Verärgerung eint. Während die Christen als blinde Rassisten dargestellt werden, die ihren eigenen Messias nicht wiedererkennen, fällt Israel die einstige Rolle der Römer zu, indem der Mossad Al-Massih in Ketten legt. Muslime werden derweil dadurch provoziert, dass Petroni und Konsorten dem Hauptcharakter den Namen der im islamischen Glauben teufelsähnlichen Figur des Al-Masih ad-Dajjal gegeben haben.

Fazit

Wenn das mal kein versöhnlicher Start ins neue Jahr ist! Netflix präsentiert mit Messiah eine spirituelle Spionageserie, die als heikler Rundumschlag auf den sich bereits in einer brisanten Lage befindenden Nahen Osten angesehen werden kann. Die große Frage lautet: Warum? Und die einfache und durchaus legitime Antwort lautet vermutlich: Der Showrunner Petroni hatte wohl einfach Lust darauf. Schade nur, dass er aus der eh schon schlecht gewählten Grundprämisse nicht mal etwas kreiert hat, wofür sich all der Ärger lohnen würde. Eine vorhersehbare Geschichte, die überaus farblos inszeniert wurde.

Hier abschließend der Trailer zur Netflix-Serie Messiah:

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