Meme Girls: Kritik der Pilotepisode der RTL+-Serie mit Lady Bitch Ray

© RTL/ Hardy Spitz
Mit der Sitcom Meme Girls schickt RTL+ uns in eine Gesamtschule, an der Hand einer reichen und verwöhnten Influencerin, die aus dem Elite-Internat geflogen ist. Doch es kommt noch schlimmer: Ihr Vater hat ihr Handy und ihre EC-Karte eingezogen... Bis sie am Ende des neuen Schuljahres mit einem halbwegs passablen Notendurchschnitt aufwarten kann, müssen die Follower also auf sie warten...
Wovon handelt die Serie?
Liv (Josie Hermer) ist eine 15-Jährige mit Zehntausenden von Followern auf TikTok. Alles könnte so schön sein, wenn nur nicht die engstirnige Direktorin (Lady Bitch Ray) ihrer Eliteschule ihren Vater zum Gespräch einbestellt hätte... Das Ende vom Lied ist, dass sie von der Schule fliegt und ihr Handy verliert. Stattdessen liefert ihr Vater sie an einer öffentlichen Gesamtschule ab. Liv findet immerhin direkt Anschluss an die beliebte Clique, die auch ihren Kanal kennt.
Doch, was sie wirklich braucht, ist Zugang zu den Streberinnen. Denn die sollen ihr helfen, den vom Vater erwünschten Dreierdurchschnitt zu erreichen. So macht Liv sich an die Herausgeberinnen der Schulzeitung, Mila (Saron Degineh), Alma (Fine Sendel) und Vanessa (Luna Kuse), heran. Sie bittet um eine wöchentliche Kolumne für Herausgeberin Alma sowie die Einladung zu einer begehrten Party für alle auf Wunsch von Vanessa. Für die wenig geneigte Mila hat sie den besten Deal: Sie will ihr helfen, sie mit ihrem Schwarm Noah zu verkuppeln...
Als die vier dann abends gemeinsam auf der Feier aufschlagen, sind sie schon fast Freundinnen, findet zumindest die etwas naive Mila. Sie lässt sich von Liv coachen, wie sie am besten an Noah herankommt und landet im Zuge des Plans in Livs Bikini im Whirlpool. Dort kommt ihr der Slip abhanden und Liv will für Ersatz sorgen. Doch weil Liv auf ihrer Suche nach einer neuen Badehose einen unbeaufsichtigen Laptop findet und erst mal ihre Social-Media-Profile checkt, vergisst sie die im Whirlpool verzweifelt wartende Mila. Die wird dann von den Mean Girls der Stufe vorgeführt und blamiert...
Die frisch aufblühende Freundschaft zwischen der Influencerin und den Streberinnen geht also schlagartig in die Brüche. Liv versucht, ihr Versagen wieder gutzumachen, indem sie immerhin die versprochene Kolumne abliefert. So kommen sich die Mädchen wiederum noch mal etwas näher.
Wie kommt es rüber?
Etwas albern, aber im Kern gut produziert und nach den Pilot-Krankheiten auf jeden Fall eine weitere Chance wert. So könnte man den Eindruck der Pilotepisode der Serie „Meme Girls“ zusammenfassen. Große Lacher sucht man vergebens, aber der Humor muss sich in den ersten 20 Minuten auch öfters mal den Anforderungen an eine Auftaktepisode beugen. Im Schnelldurchlauf müssen Charaktere vorgestellt, Verbindungen geschaffen und Grundsteine für Konflikt gelegt werden.
Das macht besonders in Bezug auf Liv einen recht gehetzten Eindruck. Wieso Mila nun glaubt, dass die Mädchen bereits Freundinnen seien, wird ebenso wenig ersichtlich wie die Reaktion des Vaters zu Beginn. Die gute Seite: Die Serienmacher haben eine vielversprechende Idee für eine Fish-out-of-Water-Story im Social-Media-Zeitalter mal andersherum erzählt. Doch, um ihre Figuren und Storys in Stellung zu bringen, investieren sie weder Zeit noch besondere Mühe. Da ist also viel Vorschussvertrauen gefragt.
„Meme Girls“ erzählt von einer Schule, die vermutlich diverser und progressiver ist als die durchschnittliche Gesamtschule in Deutschland. Doch die Serienmacher tun das auf eine angenehme Weise, die sich der Story anpasst. Obwohl kaum ein Trendthema liegen gelassen wird, steckt mehr dahinter als eine Abhandlung alternativer Lebensentwürfe.
Anspruch auf Realitätssinn erhebt die Serie auf anderer Ebene ohnehin keinen. Natürlich dürfte es für Liv unter den gegebenen Bedingungen kein großes Problem sein, an ein neues Handy zu gelangen. Vom Verkauf eines Teils ihres Nobelkleiderschranks bis hin zu den vermutlich ebenso reichen Freunden öffnen sich hier ausreichend Ideen, die Serien-Liv liegen lässt. Doch an die Stelle der Realität tritt eine überzeichnete Albernheit, die sich so in passender Art und Weise an Social Media anlehnt.
Die erste Staffel ist bei RTL+ zu streamen. Die Pilotepisode kann man sogar im Free-Bereich finden.